Titel: Pläne - Projekte - Perspektiven · von Annelie Pohlen · S. 23
Titel: Pläne - Projekte - Perspektiven , 1982

Pläne, Projekte, Perspektiven

Das Ausstellungsjahr 1983
27 kommentierte Interviews
von Annelie Pohlen

Die folgenden Ausführungen beruhen auf telefonischen Anfragen bei 27 Kunstinstituten in der Bundesrepublik, Holland und der Schweiz, die in der Zeit vom 31.8. bis zum 15.9. stattfanden. Daraus ergibt sich ein erster Einblick in die Ausstellungspläne für das kommende Jahr mit einigen Ausblicken auf die Jahre 84 und 85.

Befragt wurden folgende Institutionen:

In Holland: Stedelijk Museum, Amsterdam; Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam; Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven; Groninger Museum.

In der Schweiz: Kunsthalle Basel, Kunsthalle Bern, Kunstmuseum Luzern.

In der Bundesrepublik: Nationalgalerie Berlin, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin; Kunstverein Hamburg; Kunsthalle Bielefeld; Westfälischer Kunstverein Münster; Neue Galerie-Sammlung Ludwig, Aachen; Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld; Städtisches Museum, Mönchengladbach; Folkwang Museum, Essen; Kunsthalle Düsseldorf; Kunstmuseum Düsseldorf; Museum Ludwig, Köln; Kunsthalle Köln; Kölnischer Kunstverein; Rheinisches Landesmuseum, Bonn; Frankfurter Kunstverein; Badischer Kunstverein, Karlsruhe; Württembergischer Kunstverein, Stuttgart; Staatsgalerie, Stuttgart; Haus der Kunst, München.

Dabei galt natürlich jenen Instituten besonderes Augenmerk, deren Ausstellungsplanung von neuen Leuten übernommen wurde: Jean Hubert Martin wechselte vom Centre Pompidou an die Spitze der Kunsthalle Bern; Heribert Heere, zuvor Mitarbeiter an der Kunsthalle Bielefeld, übernahm den Badischen Kunstverein in Karlsruhe und Hermann Kern, zuvor maßgeblich für die Ausstellungen im Kunstraum München, übernahm das Haus der Kunst, ebenfalls München.

Finanzen und Umbauten: Krefeld, Essen, Stuttgart, Köln

Die bedeutendste Gemeinsamkeit im öffentlichen Ausstellungsbetrieb: die Last der mangelnden, reduzierten oder doch stagnierenden Finanzen. Gerhard Storck mochte ob der drohenden oder schon bestehenden Unsicherheit keinerlei konkrete Angaben über das Ausstellungsprogramm seiner drei renommierten Häuser – Kaiser Wilhelm Museum, die Museen Haus Lange und Haus Esters – machen, da er solchen Druck auf die Politiker für schädlich hält. Wichtig sei fürderhin Fantasie, auch in der Reaktivierung der Sammlung für neue Themenstellungen. Beispiel im September: Der Traum vom Leben. Graphische Bildfolgen um 1950. Völlig unsicher ist angesichts der Finanzen, ob jüngere Künstler gezeigt werden können. Einer der Auswege ist möglicherweise das neu geschaffene Mies-van der Rohe-Stipendium für einen jungen Künstler, das mit Anwesenheit in Krefeld und einer Ausstellung verbunden ist.

Nicht die Finanzen, sondern zeitweilige Schließungen der Häuser reduzieren die Ausstellungsprojekte im Museum Folkwang: auf dem Programm dieses Jahres stehen noch Retrospektiven von Terry Fox (24.9.-31.10.), Henry Moore (17.10.-5.12.), Enzo Cucchi (12.11.-31.12.) und Helmar Lerski (Filme und Fotos). Zur Neueröffnung mit dem Erweiterungsbau ist eine große Erich Heckel-Ausstellung, für Ende 83 geplant.

Auf den Umzug in den Erweiterungs-Neubau von James Stirling bereitet sich auch die Stuttgarter Staatsgalerie vor. Die Daten sind nach Auskunft von Christian von Holst noch strittig zwischen Politikern und Architekten. Möglicher Termin: Ende 83/Anfang 84.

C.v.H.: „Wir haben die Ausstellungsperspektiven stark zurückgenommen auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst, weil wir größere Projekte aufheben für die räumlichen Möglichkeiten, die wir ab 84 haben. Dafür ist zunächst geplant die Präsentation des gesamten Bestandes vom 14. bis zum 20. Jahrhundert, wobei viele Werke überhaupt zum ersten Mal gezeigt werden können. In einer Sonderausstellung im 750 m2 großen Wechselausstellungsraum die Meisterwerke der grafischen Sammlung, die von einer entsprechenden Publikation begleitet werden soll. Gedacht ist auch daran, die Kunstwerke, die vom Land Baden-Württemberg aus Lotto- und Toto-Einnahmen erworben wurden zu zeigen, weiterhin in Absprache mit der Tate-Gallery und der Berliner National-Galerie an eine Francis-Bacon-Ausstellung. Seit langem auf der Wunschliste: die Ausstellung des schwäbischen klassizistischen Bildhauers Johann Heinrich Dannecker. Als großes Projekt ist eine Ausstellung zum Thema: „Musik und Bildende Kunst im 20. Jahrhundert“ geplant. Aber wegen des Eröffnungstermins und der Finanzen ist alles noch in der Schwebe.“

Die Umzugstermine für das Jahr 85 werfen auch ihre Schatten im Museum Ludwig/Köln voraus: Dieses Ereignis, aber mehr noch die Finanzen zwingen zu erheblichen Reduzierungen, Übernahmen und kostenlosen Projekten. Erfreulich daher für Karl Ruhrberg die Zusammenarbeit mit der Lufthansa. Die bringt dem Museum als Geschenk eine Sammlung Deutsche Graphik der Gegenwart ins Haus, die dort nach langer Wanderschaft ausgestellt wird (24.9.-14.11.). Gleichzeitig die im Auftrag der LH zusammengestellten Handzeichnungen von lebenden deutschen Künstlern.

K.R.: „Von Bernhard Schultze bis zu ganz jungen und unbekannten Künstlern. Die geht dann auf Tournee und kommt zu uns zurück. Wir sind sehr dankbar, daß wir die zusammenstellen konnten, weil wir das alleine nicht gekonnt hätten. Einzige Bedingung war: „Lebende deutsche Künstler“.

Fünf Kölner Künstler, ein älterer und vier junge, stehen auf dem Programm für das Frühjahr 83. Die Namen stehen noch nicht fest. Dann folgt der aufgearbeitete Nachlaß Chargesheimer (Fotos, Negative, Bücher). Und als letztes Alex Colville, eine Ausstellung, die in Kanada zusammengestellt wurde – und nichts kostet. Colville ist ja auch in unserer Sammlung vertreten. Oder in Zusammenarbeit mit Basel Malcolm Morley. In der Kunsthalle findet dann im Rahmen der Gegenausstellungen das Gastspiel der Tretjakow-Galerie statt, die hier 80 bis 100 ihrer wichtigsten Stücke zeigen wird. Für die Kunsthalle wurden drei Themen vorgeschlagen: Sportbilder, angefangen mit den Impressionisten bis heute, damit die von den Sportlern zusammengestellten Ausstellungen einmal vergessen werden; weil sie zudem auch populär ist, und weil wir mit dem WDR zusammenarbeiten können. Außerdem wollte ich ja immer noch einen Nachtrag zur Westkunst machen unter dem Arbeitstitel A propos Westkunst – die 70er Jahre. Das wird aber wohl eher bis zur Eröffnung des neuen Museums verschoben. Da jetzt gerade die documenta war und der Zeitgeist bevorsteht, wollen wir damit nicht klappern, sondern die Ausstellung für die Eröffnung aufheben. Dann sind es auch nicht mehr nur die 70er Jahre. Für das neue Gebäude plane ich, mit einer Ausstellung klassischer Moderne und einer prononciert zeitgenössischen die beiden Schwerpunkte des Hauses vorzuführen.

Als dritten Vorschlag für die KH habe ich ein Projekt unter dem Arbeitstitel Was ist Realismus? gemacht, um mal vernünftige Differenzierungen in die Diskussion zu bringen. Aber ich weiß nicht, ob die Räume dafür ausreichen.“

Mönchengladbach

Die soeben vollzogene Eröffnung des neuen Museums Abteiberg in Mönchengladbach sowie die Aktivitäten von Johannes Cladders für die diesjährige Biennale in Venedig sind die Ursache für eine eher noch schwebende Ausstellungsplanung in Mönchengladbach. Mit Sicherheit vorgestellt werden die von Cladders für die Biennale benannten Künstler, vom 17.10.-21.11. Gotthard Graubner, vom 5.12. an für etwa 5 Wochen Hanne Darboven und noch ohne festen Termin 1983 Wolfgang Laib, alle mit ihren Biennale-Beiträgen. Geplant für 83 auch Sandro Chia. Auf der Wunschliste von Johannes Cladders stehen das grafische Werk von Palermo und Ausstellungen von Sigmar Polke sowie Lothar Baumgarten.

Darüber hinaus J.C.: „Wir brauchen erst einmal Ruhe, um wieder gründlich zu sichten. Ich möchte wirklich einzelne Künstler vorstellen mit einer ganz konzentrierten Auswahl wie jetzt bei Penone zur Eröffnung. Wir sind kein großes Haus. Ich möchte mich auch intensiv um die Sammlung kümmern, die wir ja jetzt zum ersten Mal zeigen können, und sie auch bearbeiten unter wichtigen Gesichtspunkten.“

A.P.: „Sie haben mit ihrer Biennale-Auswahl gewissermaßen einen Gegenakzent gegen den derzeitigen Trend gesetzt.“

J.C.: „Wissen Sie, ich mache ja keine Ausstellungen gegen etwas. Ich bin allerdings der Meinung, daß die Behauptungen über die Traditionen der deutschen Kunst und ihre expressionistischen Wurzeln nicht stimmen. Die deutsche Kunst war und ist zum viel größeren Teil ganz anders. Das kann man ja belegen. Sehen Sie das Bauhaus, die ganze abstrakte Kunst danach, die Zero-Künstler, die Concept-Künstler. Ich bin auch nicht gegen die jungen Maler. Aber ich möchte wie bisher einzelne intensive, sagen wir kontemplative Werke zeigen. Der Trend interessiert mich nicht. Aber da muß ich erst einmal wirklich sichten.“

Die neuen Männer. München, Karlsruhe, Bern.

Wenn die Führungsspitze in Kunstinstituten wechselt, konzentriert sich wie in allen gesellschaftlichen Bereichen das Interesse auf die ‚Neuen‘. Nicht immer schlägt der Neuanfang sofort durch. Allzu vieles kann schon von den Vorgängern vorausgeplant sein. Das gilt namentlich für so große Häuser wie das Münchener Haus der Kunst. Hermann Kern, berühmt für ein stringentes Programm zeitgenössischer Kunst im Kunstraum München, ist gewissermaßen bis Ende 84 festgelegt. Nach der z.Zt. laufenden großen Panamarenko-Schau folgen:

„November bis Ende Januar 83 Giorgio de Chirico, eine Präsentation auf der Basis der Ausstellung des MOMA (Museum of Modern Art) in New York, die jetzt in der Tate-Gallery gezeigt wird und für München um ca. 20 bis 30 Bilder aus den 20er und 30er Jahren erweitert wird. Wieland Schmied ist für die deutsche Fassung verantwortlich. Die Ausstellung geht dann ins Centre Pompidou in Paris.

Ende Februar bis Ende Mai folgt eine Ausstellung unter dem Arbeitstitel Im Licht von Claude Lorrain, über 300 Jahre Landschaftsmalerei, zur Hälfte Bilder und Zeichnungen von Lorrain, dann eine ganze Reihe von Leuten bis hin zu Corot und Turner.

Mitte Juli bis September auf Vorschlag der Staatsgemäldesammlung eine Manzù-Ausstellung, Winter 83-Mitte Februar 84 die Heckel-Ausstellung aus dem Museum Folkwang in Essen. Was noch nicht vorgesehen war, ist, die Medardo Rosso-Ausstellung aus dem Frankfurter Kunstverein zu übernehmen. Für mich ist das sehr wichtig, eine nahezu unbekannte Größe.

Februar 84 bis Ende April die große Beckmann-Ausstellung, die wir hier erarbeiten, die dann nach Berlin und nach St. Louis weitergeht. Dazu erscheint ein großes Handbuch mit ca. 20 bis 25 Autoren. Mein Wunsch ist, während der Ausstellung ein bisher unpubliziertes Theaterstück von Beckmann aufzuführen, Das Hotel.“

A.P.: „Gibt es keine Beeinträchtigungen bei den vielen Beckmann-Ausstellungen?“

H.K.: „Ein wenig durch das Kölner Projekt. Das ist nicht koordiniert. Es wäre besser für Beckmann gewesen, man hätte das konzentriert.“

Angesichts der Struktur des Hauses werden auch weiterhin Projekte außer Hauses gegeben; aber so Kern:

„Ein Unterschied zu meinem Vorgänger P.A. Ade wird sein, daß ich auch eigene Projekte realisieren möchte, praktisch als Autor der Ausstellung. Das muß natürlich anders sein als im Kunstraum, auf Grund der Struktur des Hauses. Das fängt an mit Mystik und abstrakte Kunst. Strukturelle Entsprechungen und historische Bezüge. Was ich ja bereits in meinem Beitrag für die Biennale 1979 in Wien und in einem kleinen Artikel für den Katalog Zeichen des Glaubens angedeutet habe, plane ich zum Katholikentag im Sommer 1984 in München zu erweitern: es geht um strukturelle Entsprechungen, etwa in dem Sinne, als die abstrakte Kunst in ihrem Absehen von äußeren Bezügen ebenso zentripetal ist wie die Wesenschau des Mystikers, wo es um Seinstrukturen geht.“

A.P.: „Wie weit geht das in die Gegenwart?“

H.K.: „Bis in die unmittelbare. Es gibt den Plan, jetzt lebende Künstler aufzufordern, sakrale Räume zu machen, wo auch die Vielfalt von Ansätzen und Formulierungsmöglichkeit deutlich wird.“

A.P.: „Können Sie Namen nennen?“

H.K.:„Ja, Wolfgang Laib ist ja sozusagen einschlägig, Beuys auch oder Maria Nordman, Cy Twombly, Bob Ryman, Richard Tuttle, Agnes Martin.

Ein weiteres Projekt, aber umfangreicher als jetzt in Mailand, sind für Frühjahr 1985 die Labyrinthe. Da soll mit wichtigen Originalen, Hintergrundmaterialien und auch Installationen – so daß das Publikum diese Bewegungsfigur auch erleben kann, sozusagen mit der Zeit als vierdimensionaler Erlebnisraum – dem Problem der Labyrinthe und Irrgärten – das ist ja etwas anderes – nachgegangen werden; sozusagen auf allen Ebenen, wie der der Vergeistigung oder auch in Spiegelirrgärten, wie sie auf Jahrmärkten vorkommen. Die Ausstellung wird sicher auch wandern.“

A.P.: „Wo sehen Sie ihr Hauptinteresse und wie gehen Sie auf die junge Kunst ein?“

H.K.: „Was mich interessiert, ist zu den üblichen kunst-historischen Ausstellungen kultur- und geistesgeschichtliche anzubieten. Wie bei den Labyrithen. Das ist ja nicht nur 5000 Jahre Kulturgeschichte, sondern als Ganzheits-Figur, wenn man sieht wie wir aufgesplittert sind, etwas höchst Aktuelles. Das erklärt auch für mich einen Teil des Erfolges der Ausstellung in Mailand. Ich möchte hinausstoßen zu grundsätzlichen Fragen, z.B. auch anthropologischen Fragen. Ich sehe im Kunstbereich ein Vorzugsfeld für diese Forschungsarbeit. Das macht für mich die junge Kunst so spannend. Das kann natürlich nicht so aussehen wie im Kunstraum. Das müssen dann Themenausstellungen sein, die auch viel vom Klima deutlich machen. Frage ist, ob wir das mit unserem Apparat hier leisten können. Da müssen wir Aufträge vergeben.“

Heribert Heere im Badischen Kunstverein ist von seinem Vorgänger Michael Schwarz nur noch mit der laufenden Ausstellungen, der Übernahme der wandernden Video-Schau und der Ausstellung des Schweizer Künstlers Jörg Renz festgelegt, sieht man ab von traditionellen Ausstellungen wie u.a. der des Baden-Württembergischen Künstlerbundes („Als KV ist man auch der regionalen Kunst verpflichtet“). In beiden Ausstellungen konnte er verändernd eingreifen – vornehmlich durch Intensivierung der Installationen.

A.P.: „Wie geht es dann weiter?“

H.H.: „Ich plane nurmehr zwei Ausstellungen gleichzeitig zu machen: in den oberen Räumen renommiertere Künstler und unten immer junge Künstler. Ich möchte mich z.T. auch auf die Karlsruher Szene konzentrieren, die ich ganz interessant finde. Und da auf jene jungen Künstler, die auf eine – grob gesprochen – ganz subtile Art arbeiten. Nicht weil ich die jungen Wilden nicht mag, sondern weil die so viel gezeigt werden, daß ich das nicht auch noch machen muß; z.B. Erich Reiling Ende Mai bis Anfang Juli nächstes Jahr.

A.P.: „Wie sieht Ihr Programm im einzelnen aus?“

H.H.: „Ich beginne Anfang Februar mit Lucio Pozzi, den ich schon in Bielefeld gezeigt habe. Das ist mir ein großes Anliegen – natürlich auch aus finanziellen Gründen. Dann folgt (von Schwarz schon lange geplant) Ende März bis Anfang Mai eine Ausstellung der Stipendiaten der Villa Massimo seit 1978, die Bund und Land finanziell fast ausschließlich tragen. Ende Mai bis Anfang Juli übernehme ich eine Ausstellung der Whitechapel Art Gallery mit 14 großformatigen Bildern, die Francesco Clemente in New York gemacht hat, die ich aber durch wichtige Leihgaben erweitern möchte, so daß sie in einem größeren Maße einen Überblick gibt.“

A.P.: „Warum arbeiten Sie da nicht mit den vielen anderen Instituten zusammen, die Clemente zeigen?“

H.H.: „Andere Ausstellungen stehen in anderem Zusammenhang. Dazu parallel Reiling. Nach der üblichen Sommerausstellung Karlsruher Künstler, die wir jurieren, kommt dann die Ausstellung, bei der ich am meisten engagiert bin – es klappt hoffentlich. Ich mache zusammen mit der Galerie Neuendorf – ich möchte übrigens verstärkt mit Galerien zusammenarbeiten – eine größere Ausstellung des kalifornischen Bildhauers Robert Graham, der jetzt sehr schöne Bronzen von einer nahezu statuarisch klassischen Qualität macht, die nichts mehr mit seinen früheren Pop-Puppen zu tun haben. Gleichzeitig dazu plane ich eine Ausstellung zur Farbfotografie, mit einem jungen Fotografen. Mich interessiert daran, wie in Umkehrung der These von Benjamin die Fotografie gewissermaßen auratisiert wird, inszeniert wie z.B. ein Vermeer.

Als letzte Ausstellung plane ich zuammen mit Fred Jahn eine Wanderausstellung mit Baselitz-Zeichnungen. Ich finde, daß da eine eminente malerische und zeichnerische Qualität eine Rolle spielt, daß hier die Grafik malerisch umgedeutet wird.“

A.P.: „Es spielt aber immer wieder die Malerei eine Rolle und wohl auch ein gewisser Rückgriff auf die Tradition.“

H.H.: „Ich bin nicht spezifisch an Malerei interessiert. Da hat es aber in den letzten Jahren so vielfältige Entwicklungen gegeben, daß man das zeigen sollte. Und was den Rückgriff angeht, das ist ein programmatischer Schwerpunkt. Ich glaube, daß die ‚Moderne Kunst‘ seit der Concept Kunst als Avantgarde tot ist. Aber ich vertrete auch den Standpunkt, daß bestimmte Intentionen der Moderne in ihrer Konsequenz noch nicht ausgeführt sind, daß man durchaus wieder auf Traditionen zurückgreifen kann, die dann aber in ihrer jeweiligen künstlerischen Ausprägung neu sind. Ich möchte nicht von Künstlern ausgehen, die die Moderne eklektizistisch umarbeiten. Das ist von Fall zu Fall ein diffiziles Problem. Ich bin über solche Begriffe wie ’neue Wilde‘ sehr unglücklich. Das ist für die seriöse Auseinandersetzung eine Katastrophe. Mich interessiert schon, was den Geist der Zeit wiederspiegelt, aber so in Richtung Klassik – grob gesprochen.“

A.P.: „Was würden Sie sich denn für die Zukunft wünschen?“

H.H.: „So etwas in Richtung von Retrospektive mit Polke oder eine größere Ausstellung mit Vincent Bioulès, den ich ja auch bei der Franzosen-Ausstellung in Bielefeld gezeigt habe. Oder einige Leute von der Chicagoer Malerschule wie Ed Paschke. Aber das steht finanziell völlig in den Sternen.“

A.P.: „Und die junge amerikanische Kunstszene?“

H.H.: „Ja schon. Ich weiß nur nicht, wie man ein Finanzierungskonzept dafür schaffen soll.“

Jean-Hubert Martin, Kunsthalle Bern, trat wie Heere mit der völligen Freiheit zu eigenen Projekten an, was er gleich zu Anfang mit seiner Ausstellung Leçon des choses unter Beweis stellte. Doch der neue Mann wird mit den großen Projekten für Dan Graham (möglicherweise März/April), Daniel Buren (mögl. Mai) und Lawrence Weiner (mögl. September) die Tradition der Kunsthalle fortsetzen.

J.H.M.: „Was mich interessiert, sind Einzelpersönlichkeiten, keine Trends, sondern Künstler, die radikal bis zum Ende gehen. Und was ich vor allem machen möchte, ist, nicht die Künstler um eine Ausstellung bitten, und dann machen sie die 100. oder 200. Ausstellung, sondern sie bitten, daß sie etwas ganz Spezielles für die Kunsthalle machen. Das ist auch schon mit den Künstlern Buren, Graham und Weiner besprochen. Die waren auch sehr froh. So will Weiner, daß seine Sätze wieder auf die Wand geschrieben werden, daß er dann selbst etwas installiert, und daß dann Berner Künstler etwas nach seinen Konzepten machen.

Und Buren möchte vielleicht im ersten Teil zum ersten Mal so etwas wie eine Retrospektive machen – vielleicht in Form einer Dia-Show, dann etwas eigenes für die Kunsthalle bauen und vielleicht in einem dritten Teil etwas außerhalb der Kunsthalle. Auch bei Graham soll ein Teil seiner wichtigen Werke gezeigt werden und etwas eigens für Bern gebaut werden. Und dann möchte er noch etwas ganz Spezielles mit seinem Freund machen, dem Rockmusiker Glen Branca. Der wird einige Konzerte geben und Graham will die mise en scène realisieren.“

A.P.: „Sind das alle Ausstellungen?“

J.H.M.: „Nein, Anfang des Jahres gibt es noch eine historische Ausstellung mit Jean Crotti und Suzanne Duchamp (21.1.-27.2.). Das ist eine Ausnahme. Das war schon ein Projekt für das Centre Pompidou, wohin es auch danach geht, später in die USA. Dann möchte ich eine Einzelausstellung mit Tony Cragg machen, der war ja auch bei der ‚Leçon des choses‘ dabei und vielleicht noch etwas ganz Spezielles mit einigen Meistern wie Picabia und Magritte und ganz Jungen, eine Ausstellung über Malerei, gewissermaßen eine Reflektion über Malerei, aber nicht mit einer speziellen Richtung.“

A.P.: „Sie haben in Le Monde über den mangelnden Beitrag der Franzosen auf der documenta geklagt. Werden sie das Augenmerk besonders auf die französische Malerei legen, etwa auf die intuitiv analytische Tradition oder die sehr merkwürdigen Leute wie di Rosa?“

J.H.M.: „Ich möchte ein internationales Programm machen, aber natürlich auch einige Franzosen zeigen, aber eher zwischen den beiden wie jetzt z.B. Jean Luc Poivret. Ich denke an B. Lavier.“

A.P.: „Und die neue figürliche Malerei?“

J.H.M.: „Ich bin nicht so eilig. Ich würde gerne etwas mit Polke machen. Aber da gibt es ein Projekt für Zürich mit Szeemann. Und dann möchte ich auch noch etwas mit Gerhard Richter machen.“

Schwerpunkt ‚Jung‘ – Schwerpunkt ‚Klassik‘

Wollte man über diese aus speziellen Erwägungen herausgehobenen Institute hinaus eine Struktur für die Ergebnisse der Befragung finden, so ließe sich dies nur eher gewaltsam herbeiführen. Generell läßt sich feststellen, daß nach den hektischen beiden letzten Jahren, die auf Biennale, documenta und Zeitgeist hinsteuerten, für das kommende Jahr eher eine Beruhigung und Differenzierung zu erwarten ist. Dabei tritt, abgesehen von der auf Amerika konzentrierten Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft Hannover (New York Now, 26.11.82-9.1.83) und der von Klaus Honnef am Landesmuseum in Bonn in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern erarbeiteten Ausstellung amerikanischer Kunst der letzten 10 Jahre, das nationale Prinzip zurück. Dieses wurde in Übereinstimmung von allen, die bislang große nationale Überblicksausstellungen machten, namentlich Jean Christophe Ammann, Martin Kunz, Frans Haks und Klaus Honnef als wichtiges Instrument einer vorläufigen Information über den Stand und das Ambiente der jungen Kunst, sowie von Ammann noch zusätzlich als ein wichtiges Moment der „Beschleunigung“ bezeichnet: „Das ist aber kurzfristig. Dann ist jeder wieder auf sich selbst angewiesen in der Realisierung seiner eigenen Mission.“ In der Zukunft soll eine Vertiefung durch Einzelausstellung stattfinden, zunächst aber auch eine gewisse Beruhigung mit Einblicken in die Arbeit der älteren Generation. So entsteht in nahezu allen Instituten ein sehr variiertes Programm, bei dem sich lediglich Differenzierungen nach dem Schwerpunkt junge Kunst oder klassische Kunst feststellen lassen.

Eindeutig klassisch sind die Schwerpunkte an der National-Galerie Berlin, an den Kunsthallen Bielefeld, Düsseldorf und Köln, und dies aus höchst unterschiedlichen Gründen. Dabei sind von allen Instituten Einblicke in die aktuelle Szene gewünscht und auf unterschiedliche Weise realisiert.

Nationalgalerie Berlin/D. Honisch

D.H.: „Es ist so, im nächsten Jahr haben wir eigentlich keine wirkliche Avantgarde-Kunst-Ausstellung. Wir machen das jetzt mit Kunst wird Material (9.10.82-Januar 83). Wir suchen ja, das immer alternativ zu setzen. Unsere Mittel sind sehr stark beschnitten. Unser Ausstellungsetat beträgt 175.000 DM. Das vergißt man immer. Wir sind ja ein Museum und kein Ausstellungshaus. Inzwischen ist es auch so, daß wir eine Öffentlichkeit erreicht haben, die man auch bedienen muß. Die Zeit, in der man Avantgarde-Kunst zeigen konnte, ist einfach vorbei, weil wir z.T. die Kosten, die wir mit den Ausstellungen haben, auch einbringen müssen. Wir müssen für Sonderausstellungen auch Sondereintritte erheben. Dabei bin ich ein großer Gegner davon. Aber ein Hodler kostet 350.000 DM. Die anderen Ausstellungen bleiben eben leer. Deswegen versuchen wir, in kleinerem Rahmen progressive Dinge zu tun. Aber da ist noch einiges drin. Wir werden auf jeden Fall unsere Ausstellungen weiter reduzieren und werden neben der großen Hauptausstellung acht kleinere machen, die sich dann der aktuellen Situation widmen. Das nächste Jahr ist ein Umstrukturierungsjahr mit vielen Füllseln. Da haben wir als große Ausstellung Ferdinand Hodler. Die Idee stammt von mir. Die Eröffnung ist Februar, Anfang März geplant. Sie geht dann ins Petit Palais nach Paris und ins Kunsthaus Zürich, mit dem wir die Ausstellung zusammen machen in der Absicht Hodler sozusagen zu entschweizern und seine europäischen Komponenten zu zeigen. Das steht in der Reihe der großen Figurenmaler wie vorher Liebermann, Kirchner und mit Arnulf Rainer, einem Modernen. Das wird fortgesetzt 1984 mit Beckmann, was von der Staatsgemäldesammlung in München vorbereitet wird (München vermutlich Februar/März, Berlin April/Mai 84) und dann mit Francis Bacon 1985, eine Ausstellung, die von der Täte Gallery vorbereitet wird und von uns und Beye in Stuttgart übernommen wird.

Und dann beginnen wir 1983 schon mit der Vorbereitung für unser großes Projekt 100 Jahre Kunst in Deutschland 1885-1985. Das soll gewissermaßen im ganzen Haus eine Art Idealmuseum deutscher Kunstgeschichte werden. Hugo v. Tschudi hat hier 1906 eine Ausstellung von 1783 bis 1883 gemacht. Wir wollen praktisch anschließen und neue Fragen stellen, auch Dinge herausstellen, die nicht so bekannt sind, z.B. das Verhältnis Beckmann – Schlemmer, die Rolle von Alfred Lörcher, die Rolle der Akademien und Museen, die Bedeutung der Gründerjahre, die unmittelbare Nachkriegskunst und so fort. Außerdem plant die Nationalgalerie Ausstellungen mit Werner Knaupp (Mai 83), mit Pastellen von Francesco Clemente (Anfang 84) und Johannes Grützke, sowie die Übernahme der Video-Ausstellung (4.2.-6.3.83) und Realistische Zeichnungen im Mai/Juni 1983, Kunst im öffentlichen Raum (Juli/August 83), dann vom 20.9.-30.10. Dimension IV aus dem Wettbewerb von Philip Morris zur Malerei im Anschluß an die Dimension III zur Zeichnung. Gezeigt wird für 14 Tage im Februar 83 auch eine Ausstellung mit 16 von privater Seite geförderter Künstler: Junge Kunst in Deutschland – privat gefördert.“

D.H.: „Durch Zufall war ich Juror in allen wichtigen privaten Künstlerförderungen wie Glockengasse, Böttcherstraße und so fort und fand es sehr interessant, wie engagiert dort Firmen in ein Defizit in Deutschland hineinarbeiten, nicht nur aus Imagepflege, sondern aus echter Verpflichtung. Das hat mich veranlaßt, drei Institute (außer Berlin, Kölnischer Kunstverein und Städtische Galerie im Lehnbachhaus) zu gewinnen, die den Ball so zurückwerfen. Wir brauchten mehr solcher Initiativen. Die Dokumentation wird in Berlin erarbeitet.“ (Siehe dazu das Gespräch mit Wulf Herzogenrath.)

Ist es in Berlin also neben dem räumlichen Problem vor allem der Versuch der Umstrukturierung, so gelten für Jürgen Harten in Düsseldorf und Michael Weisner in Bielefeld auch Gründe der günstigen Gelegenheit für ein weitgehend klassisches Programm.

Jürgen Harten/Kunsthalle Düsseldorf

„Wir müssen unser Programm ja auch langfristig festlegen, damit unsere Gelder nicht gestrichen werden, so daß im nächsten Jahr für Spontanaktivitäten wenig Raum sein wird.“

A.P.: „Ist es nicht so, daß die Großprojekte von den Städten auch eher finanziert werden?“

J.H.: „Das kann man nicht verallgemeinern. Es gehört zur Glaubwürdigkeit eines solchen Instituts, daß man seine Verpflichtungen einhalten kann. Sie haben natürlich insofern recht, daß man bei lebenden Künstlern eher Verständnis für eine Verschiebung – auch von der Sache her – finden kann. Und wenn man schon einmal eine Matisse-Ausstellung machen kann, dann wird man sich dafür entscheiden.“ Auf dem Programm stehen:

29.10.82-5.1.83 Alexander Deineka (1899-1969), Bilder aus sowjetischen Museen, einer der authentischen Künstler des sowjetischen Realismus der Vorkriegszeit.

A.P.: „Hat das etwas mit dem gesteigerten Interesse an Rußland zu tun?“

J.H.: „Nein, das ist schon vereinbart, seit wir Malewitsch zeigten und hängt mit dem Interesse der letzten Jahre an der Aufarbeitung realistischer Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen. Vorher haben wir ja Hopper gezeigt. Langfristig denken wir für 84 an eine Degas-Retrospektive. Nach Deineka kommt ein ‚between‘ und dann 30.1.-4.4. Matisse, überwiegend Malerei und einige Skulpturen in Cooperation mit dem Kunsthaus Zürich, mit dem wir in allen Phasen der Vorbereitung kooperieren bis hin zum gemeinsamen Katalog.“

A.P.: „Matisse ist gerade jetzt aktuell. Bielefeld hat ihn im Vorjahr gezeigt.“

J.H.: „Bielefeld war sozusagen die Vorwerbung für uns. Bei uns wird das eine große Ausstellung mit ca. 80 Arbeiten, darunter auch acht Leihgaben aus der Sowjetunion. Als wir das vor fünf Jahren in Angriff nahmen, hat man die aktuelle Bedeutung auch noch nicht gesehen. Es war mehr so wie bei den Künstlern, daß man anfing, sich wieder für Malerei zu interessieren. Die Stadt hat jedenfalls dem Matisse-Projekt eine solche Priorität eingeräumt, daß man daran nicht mehr rütteln wird. Danach beteiligen wir uns an der Tournee von der Kunst aus der DDR (10.4.-8.5.), (siehe dazu das Gespräch mit U.M. Schneede, Kunstverein Hamburg). Vom 20.5.-10.6. zeigen wir Harald Szeemanns Ausstellung Gesamtkunstwerk. Ich habe mit Szeemann schon zu einem Zeitpunkt verhandelt, als ruchbar wurde, daß er dies für die documenta nicht verwenden würde.

22.7.-28.8. anläßlich der Japanwoche, Zeitgenössische Kunst aus Japan und ein traditioneller Maler.

Ab September gibt es nur eine Grobplanung. Von Viallat eine Auswahl aus der Pariser Ausstellung, danach die Berliner Szene in Zusammenarbeit mit dem Berliner Kultursenat. Ich befürworte die junge Malerei, und hoffe dabei auf finanzielle Hilfe. Um die Jahreswende dann Picabia, den wir aus finanziellen Gründen verschieben mußten. Wir hoffen dabei, mit unserer Finanzierung in 84 hineingehen zu können.“

A.P.: „Da stellt sich dieselbe Frage wie bei Matisse.“

J.H.: „Das liegt auch schon zwei Jahre zurück. Bei Picabia ist es mehr das mittlere und das Spätwerk, was mich interessiert, natürlich auch durch die neue Malerei.“

A.P.: „Wie sieht es mit ihren zukünftigen Plänen aus?“

J.P.: „Eine ganze Menge für 84; neben Degas eine größere Retrospektive von Gerhard Richter, die auch in die Kunsthalle Bern gehen soll und in die USA; Hanne Darboven in Zusammenhang mit Basel; K.O. Götz im Rahmen der Einzelausstellungen dieser Generation wie vorher Hoehme und Schultze.“

Michael Weisner/Kunsthalle Bielefeld

nennt sein Programm „halbklassisch. Das hängt natürlich damit zusammen, daß, wenn sich die Chance bietet, einen Klassiker der Moderne zu bekommen und sie ins Gesamtprogramm paßt, dann soll man die Chance wahrnehmen. Das wird dadurch ausgeglichen, daß durch knapper werdende Gelder für Ankäufe der Schwerpunkt eindeutig auf stärker zeitgenössische Kunst gelegt wird, z.B. Penck, Kiefer, Graubner. Die Kunsthalle Bielefeld eröffnet noch in diesem Jahr den großen Beckmannreigen, nachdem Beckmann in diesem Hause schon 1968, 1975 und 1977 gezeigt wurde. Geplant sind weiterhin Anfang oder Frühjahr 83 die erste Retrospektive von Chia, Cucchi und Clemente in Deutschland. Fest ist für die Zeit vom 8.5.-3.7. die Übernahme der Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle der Nabis und Fauves aus Schweizer Privatbesitz, die im Oktober im Kunsthaus Zürich gezeigt wird. Die ist mir sehr wichtig im Anschluß an unsere Matisse-Ausstellung. Für den Herbst plane ich die erste Ausstellung von Seurat-Zeichnungen in Deutschland. Vereinbart ist, daß sie auch in der Kunsthalle Baden-Baden gezeigt wird.“

A.P.: „Haben sie schon Pläne darüber hinaus?“

M.W.: „Ja, ich überlege, ob ich 83/84 eine Picasso-Ausstellung machen soll als Gegenpol zu Matisse, weil ich es für wichtig halte, daß die Ausstellungen auch Bezug aufeinander nehmen.“

A.P.: „Planen Sie außer Chia, Cucchi und Clemente keine zeitgenössische Ausstellung?“

M.W.: „Doch, in der Studio-Galerie zeigen wir in der Reihe ‚junge Künstler‘ Hilmar Boehle vom 28.4.-19.6. und dann noch Peter Sommer, einen Bielefelder Künstler.“

A.P.: „Also vornehmlich Malerei und Zeichnung?“

M.W.: „Ja, aber auch Skulpturen. Wir haben ja Jahre gehabt, wo wir stark Skulptur gezeigt haben, als die Skulptur Führungsfunktion hatte, wie z.B. mit Rückriem. Im Moment sehe ich solche Möglichkeiten nicht. Wir werden zudem überhaupt unsere Ausstellungen reduzieren auf vier statt bisher sechs. Wir werden weiterhin die Stränge klassische Moderne, zeitgenössische Kunst und auch Architektur verfolgen, so z.B. ein Projekt Deine Stadt Bielefeld – das Grün (Oktober 82).

Siegfried Gohr/Kunsthalle Köln

sucht den Brückenschlag von der Klassischen Moderne über die Maler der 70er Jahre zu den ganz Jungen.

S.G.: „Wir werden z.B. im nächsten Jahr (Frühjahr 83) eine Rouault-Ausstellung machen können und 84 in der Klassikerreihe Beckmann. Das Beckmann-Jahr wird ziemlichen Wirbel machen. Ich will versuchen, eine sehr persönliche Ausstellung zu machen, keine Mammutschau, aber immerhin 66 Bilder, die einen vielleicht näher heranführen an jedes einzelne Bild des späten Beckmann.“

A.P.: „Gibt es keine Koordinationsprobleme?“

S.G.: „Beckmann hat, glaube ich, 831 Bilder gemalt. Es ist gut, wenn da mal in Köln eine Ausstellung stattfindet, natürlich auf den Kölner Beständen fußend, aber auch mal mit anderen Bildern als den immer gezeigten.“

A.P.: „Kommt Ihnen das Beckmann-Jahr günstig hinsichtlich der gegenwärtigen Bedeutung von Malerei?“

S.G.: „Es hat ewig Malerei gegeben. Nur ist sie so nicht wahrgenommen worden, weil in den 60er/70er Jahren das Geschichtsbild ein anderes war. Seitdem ich in kunstgeschichtlichen Dimensionen denke, ist Beckmann für mich die überragende Figur in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts. Ich habe seit meinem 1. Tag an der Kunsthalle an dieses Projekt gedacht. Und ich weiß nicht, ob 84 die Diskussion über Malerei noch so geführt wird. Ich denke, daß man an Beckmann auch die Schwierigkeit einer Malereitradition in Deutschland zeigen könnte.“

A.P.: „Was steht sonst noch auf dem Programm?“

S.G.: „Im Gespräch, aber noch in sehr weitem Vorstadium, Tinguely als Beitrag zu einer aktuelleren Geschichte. Ich werde sicher die Salon-Aktivität fortsetzen, was den Bereich der aktuellen Situation betrifft. Es sieht nicht so aus, daß wir in nächster Zeit große monografische Ausstellungen von aktuellen Dingen machen. Mit den Salons kann ein anderes Informationssystem gefunden werden als Reflektion der Szene, wie sie sich im Moment darstellt.“

A.P.: „Also junge Künstler. Sie haben früher mit Lüpertz z.B. mehr die Zwischengeneration vorgestellt.“

S.G.: „Das war die Anbindung, damit eine erste historische Fundierung stattfinden konnte. So ein Modell kann ich mir auch für die Zukunft vorstellen in wechselndem Rahmen, einfach, um aus dieser Beliebigkeit herauszukommen, die im Moment ein bißchen das Ausstellungswesen beherrscht. Vielleicht wird man von Zeitgeist einige Klärung erwarten können. Was ich will, ist ein relativ schnelles Reagieren. Ich will also diese offene Präsentation, die einen nicht zwingt, wieder ein Etikett zu finden; eine Präsentation nach innerästhetischen Gesichtspunkten.“

A.P.: „Bislang haben Sie sich auf die junge Kunst weniger konzentriert. Warum jetzt?“

S.G.: „Das ist so eine abstrakte Vorstellung von Informationspflicht. Ich glaube, daß man ein solches Institut an die Diskussion anbinden muß, denn so viele Foren gibt es ja nicht. Man soll das aber nicht überbewerten. Es kann natürlich ein Jahr sein, wo diese Präsentationsform nur etwas produzieren würde, was künstlich ist.“

A.P.: „Haben Sie weitere Projekte?“

S.G.: „Ja, nach Rouault möchte ich Negerplastik zeigen, das ist dann zwischen Kubismus und der Expressionistischen Skulptur, die ich für 84 plane, ideal plaziert.“

A.P.: „Ihr Schwerpunkt Malerei ist ja in Zukunft nicht so akzentuiert!“

S.G.: „Meine Liebe gehört der Malerei. Da drückt sich natürlich immer eine Vorliebe des jeweiligen Direktors aus. Auf der anderen Seite werde ich – wenn es möglich ist – auch Beuys machen. Es geht auch nicht um Malerei, sondern um eine authentische künstlerische Haltung. Ich habe z.B. eine große Vorliebe für den Nouveau Realisme; ich denke, Tinguely ist ein Punkt, wo man das angreifen kann. Mein Wunsch wäre, daß in ein paar Jahren eine umfassende Präsentation des Nouveau Realisme stattfindet. Aber das erfordert umfangreiche Recherchen.“

Streben nach Vielfalt

Nicht eigentlich eine bestimmte Epoche, sondern die Vielfalt der Generationen steht auf dem Programm des Hamburger Kunstvereins. Den Beginn macht die erste größere Ausstellung der Gruppe Cobra mit Arbeiten aus den Jahren 1948-51, also der historischen Zeit des Zusammenschlusses, erweitert um einige frühere Arbeiten vor allem dänischer Künstler, die einen starken Einfluß auf die Gruppe ausübten.

A.P.: „Hat das Bedeutung für die gegenwärtige Diskussion über Malerei?“

U.M. Schneede: „Ja, nicht um den an der neuen Entwicklung Beteiligten zu zeigen, daß es das alles schon gegeben hat, sondern eher anders herum. Ich habe eher den Eindruck, daß bei mir durch die Entwicklung der jungen Kunst die Augen mehr geöffnet wurden für bestimmte Bereiche in der vergangenen Kunst, im Falle Cobra einer spontanen, Mythen schöpfenden Malerei. Das schließt aber auch an die Darstellung der figürlichen Malerei etwa mit der Pop-Art an.“

A.P.: „Sie machen dann zusammen mit art und Brusberg eine Ausstellung, die auch in die Düsseldorfer Kunsthalle und in den Baden-Württembergischen Kunstverein geht. Das wird vom 20.11.-9.1. die Neue Malerei aus der DDR sein. Hängt das auch mit diesem Schwerpunkt figürliche Malerei zusammen?“

U.M. Schneede: „Ja, obwohl dann mit Hanne Darbovens Schreibzeit vom 29.1.-27.2. und gleichzeitig im Raum für Kunst die Wende 80 das Gegenteil kommt.

A.P.: „Sind Sie bei den DDR Künstlern frei oder hatte Nannen da Wünsche?“

U.M.S.: „Nannen hat mit der Auswahl überhaupt nichts zu tun. Wir haben die Wahl zu dritt getroffen: Axel Hecht von art, Brusberg, weil der staatliche Kunsthandel der DDR einen Ansprechpartner braucht. Natürlich war klar, daß nur Künstler des Verbandes für Bildende Kunst in Frage kamen. Aber wir wollen ja auch zeigen, was in der DDR heute eine Rolle spielt und geschätzt wird. Das werden etwa 12 Künstler sein.“

A.P.: „Zeigen Sie Hanne Darboven als Hamburger Künstlerin?“

U.M.S.: „Es spielt natürlich eine Rolle, daß Hanne Darboven in New York eine bedeutendere Rolle spielt und in Hamburg noch nie angemessen gewürdigt wurde. Aber ich würde eine solche Ausstellung nie machen, wenn ich nicht von dem Werk überzeugt wäre.“

A.P.: „Was bewegt Sie dazu, Hanne Darboven in Ihr Programm aufzunehmen?“

U.M.S.: „Ich habe in letzter Zeit schlechte Erfahrungen mit Übersichtsausstellungen gemacht, z.B. mit Mythos und Ritual trotz hervorragender Kunst. So neige ich im Moment sehr zu Einzelausstellungen. Es ist Tadition im Haus, schon vor meiner Zeit mit Palermo, daß Künstler das ganze Haus in den Griff nehmen. Das möchte ich weiterführen mit Hanne Darboven. Ich möchte mich von Themenausstellungen nicht trennen. Nur stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und ‚Einkommen‘. Mythos und Ritual war eine Pleite. Das geht ganz einfach aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Da gibt es zum Beispiel noch eine Ausstellung, die Carl Vogel in unserem Hause macht mit Gisela Bührmann, Gisela Röhn und Sarah Schumann. Dann eine Ausstellung unter dem Arbeitstitel Todesbilder (Ende April bis Mitte Juni). Die wird sich mit dem Tabu Tod auseinandersetzen, historisch nur auf Hodler und Munch zurückgreifen und dann in der Gegenwart Beuys, Rainer, Schwarzkogler, Jochen Gerz u.a.“

A.P.: „Bis in die junge Szene hinein?“

U.M.S.: „Ja, da sammeln wir noch.“

A.P.: „Warum gerade jetzt? Hat das etwas mit dem verbreiteten Endzeitklima zu tun?“

U.M.S.: „Nein, mehr mit biografischen Daten. Und wenn wir z.B. Hodlers Bilder von der sterbenden Freundin zeigen, dann ist das eine positive Auseinandersetzung mit dem Tod. Das soll die Folie sein. Dieser positive Moment der Integration des Todes in das Leben ist wichtig. Im Haus am Waldsee hat man das ja schon mit Fetisch Jugend – Tabu Tod Anfang der 70er Jahre versucht.“

A.P.: „Was folgt?“

U.M.S.: „Plan ist für Ende Juni bis Mitte August eine Reihe von jungen Künstlern nach Hamburg kommen zu lassen, um die Räume in Besitz zu nehmen, primär solche Künstler, die mit dem Raum umgehen. Dazu hat mich auch die documenta noch weiter animiert, wo diese Komponente sehr gefehlt hat. Es ist auch die Aufgabe nicht-kommerzieller Institute, das zu leisten, was Galerien häufig nicht leisten, also vergängliche Kunst zu zeigen. Das Schwergewicht wird bei den Deutschen sein, da sehe ich einige sehr gute Leute.“ A.P.: „Auch als Korrektur der gegenwärtigen Situation?“

U.M.S.: „Es ist eher meine Beobachtung, daß Künstler heute viel mehr in räumlichen Zusammenhängen denken und sich auf vorhandene Räume einstellen.

Dann folgt Ende August bis Mitte Oktober die große Heinrich Vogeler-Retrospektive, die die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst vorbereitet, in all seinen Aspekten und Widersprüchen. Mich hat das wie bei Georges Grosz immer interessiert; und da die NGBK eben die wichtigen Kontakte zur DDR hat, haben wir uns da gerne angeschlossen.

Dann folgt Ende Oktober bis Mitte Januar 84 innerhalb der Folge ‚Grafik großer Meister‘ Fernand Léger mit Zeichnungen und Gouachen. Das geht dann weiter an die Kunsthalle Tübingen und in das Landesmuseum in Münster. Und Anfang 84 dann Anna Oppermann. Und außerdem im Informationsraum 20 bis 40 Gemälde und Zeichnungen von Ringelnatz, der in den 20er Jahren ein sehr geschätzter Maler war. Wir legen die Akzente aber bewußt auf Hanne Darboven und Anna Oppermann und die Vielfalt der jungen Kunst.“

A.P.: „Sie legen auch weiterhin Wert darauf, zu zeigen, daß engagierte Utopien geschaffen werden.“

U.M.S.: „Ja, das Verhältnis des Einzelnen zum Gesamten ist immer wieder Thema.“

Tilmann Osterwold/Württembergischer Kunstverein

In Stuttgart standen große Themenausstellungen immer auf dem Programm und werden auch weiterhin bleiben trotz der gegenwärtigen Angriffe.

T.O.: „Hetzjagden gegen Themenausstellungen gab es immer schon. Wir haben uns jetzt zwei Jahre lang – mit Volkskunst und Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft intensiv mit Themen befaßt und sie durch große monografische Ausstellungen erweitert. Diese Phase wird Ende des Jahres mit der großen Ausstellung von Abraham David Christian abgeschlossen. Anschließend machen wir bewußt eine Denkpause, bedingt auch dadurch, daß Stadt und Land mit der Bitte an uns herangetreten sind, einige Großprojekte durchzuführen. Die Verpflichtung dazu haben wir, weil wir außergewöhnlich mehr Zuschüsse bekommen als andere. Wir machen also eine Denkpause. Was wir wissen, ist, daß wir in die Randbereiche gehen, aber nicht vor Ende 84, sowohl inhaltlich wie formal.“

A.P.: „Sie beteiligen sich an der DDR-Ausstellung aus Hamburg.“

T.O.: „Ja, das kommt uns inhaltlich und finanziell günstig ins Haus. Wir hätten immer gerne eine solche Ausstellung gehabt, hatten aber bisher andere Prioritäten. Ich respektiere auch die Auswahl vor allem wegen ihrer Komplexität. Was wir selber noch vorbereiten, sind zwei Projekte – und zwar parallel zur DDR-Ausstellung Anfang Februar bis Ende März eine große Ausstellung mit 15 kanadischen Künstlern durchweg im Alter von 25 bis 40 Jahren, konzentriert auf Installationen und Räume.“

A.P.: „Das ist ja fast schon exotisch.“

T.O.: „Ich habe gedacht, es wäre interessant zu zeigen, wie Künstler mehr abseits von der internationalen Jet-Set-Kunstszene Formen und auch eigenwillige Medien finden für das, was sie ausdrücken wollen. Das ist sicher keine nationale Szene. Zwischen Vancouver und Toronto gibt es gewissermaßen keine Berührung. Aber es gibt sehr engagierte Kuratoren für zeitgenössische Kunst, auch für europäische, in den Museen. Es gibt schon eine gewisse Eigenart, vor allem in der tiefenpsychologischen Art, wie man eine solche Abgeschiedenheit positiv ausdrückt.“

A.P.: „Gibt es da auch einen Haltungswandel zwischen den Generationen?“

T.O.: „Ja, weg von der theoretisch-wissenschaftlich fundierten Arbeit zugunsten von hintergründigen verhaltenspsychologischen Fragen. Sie sind vor allem sehr begabt im Einsatz technischer Medien.“

A.P.: „Und das zweite?“

T.O.: „Eine erste Retrospektive von Alice Aycock anhand ihrer Planzeichnungen und eine Arbeit, die sie hier im Haus macht. Dafür hoffen wir auf einige Partner, weil Alice Aycock auch bereit wäre, an jedem Ort in Bezug auf die Örtlichkeiten eine Arbeit herzustellen. Auf diese Sache freuen wir uns sehr.“

A.P.: „Gibt es für 84 schon Pläne?“

T.O.: „Ja, wir sind mit Mark de Suevero im Gespräch, auch mit Zorio, nach meiner Ansicht ein überragender italienischer Künstler. Ich würde gerne die Ausstellung von Erika Billeter (Kunstmuseum Lausanne) über das Selbstporträt in der Fotografie übernehmen und die Ausstellung des Deutschen Werkbunds über Reisefotografie. Außerdem bereiten wir für Polen, zu dem wir ja gute Kontakte haben, eine Ausstellung Künstler in Deutschland 1910-1945 anhand von etwa 35 guten monografischen Beiträgen unter dem Obertitel Individualismus und Tradition. Das Auswärtige Amt unterstützt das etwas.“

Frankfurter Kunstverein/Peter Weiermair

A.P.: „Sie haben eine sehr differenzierte Struktur in Ihren Ausstellungen, wobei es immer Verbindungslinien gibt.“

P.W.: „Da ist einmal die Entwicklung der Skulptur, Künstler, die mir wesentlich erscheinen für neue Vorstellungen. Da nenne ich die Ausstellung Alain Kirili, die wir von November bis Januar 82 zeigen und dann die Ausstellung von A.D. Christian vom 15.3.-24.4., die wir in modifizierter Form von Stuttgart übernehmen.

Dann ist durch die Hereinnahme des Mediums Zeichnung von der Jürgen Ponto-Stiftung, die wir vom 24.6. bis zum 31.7. zeigen, eine Verschränkung mit der Übernahme der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung von Markus Raetz gegeben. Außerdem auch die wichtige Übernahme der Retrospektive der Zeichnungen von Christian L. Attersee (27.1.-27.2.).“

A.P.: „Geht auch die Linie der Installationen weiter?“

P.W.: „Ja, im November/Dezember parallel zu Kirili Beate von Essen, ansonsten ist noch offen, wer eingeladen wird. Geplant: Annegret Soltau, Mauricio Nanucci. Und dann haben wir mit Medardo Rosso vom 21.11.83 bis Mitte Januar 84 die Retrospektive eines Künstlers, der zu Unrecht vergessen wurde.“

A.P.: „Sie legen aber doch auch erheblichen Wert auf die Fotografie?“

P.W.: „Ja, da spielt aber im Moment der historische Gesichtspunkt die größere Rolle, z.B. November/Januar. Platt Lynes, dann 2.5.-12.6. den tschechischen Fotografen Frantisek Drtikol. Aber auch Fotos von Künstlern wie die Übernahme der David Hockney-Ausstellung vom 15.3. bis 24.4. und auch Fotos von Rosso.“

A.P.: „Welche größeren Projekte haben Sie noch vor?“

P.W.: „Wichtig ist vom 23.9. bis 6.11. Kunst nach 45 aus Frankfurter Besitz, das soll bis in die ganz aktuelle Szene gehen. Ist natürlich auch ein Versuch, bestimmte Kreise wieder ans Haus zu binden. Das soll getrennt sein nach Medien. Wir werden lediglich Installationen nicht zeigen können. Und dann gibt es noch ein Projekt, das finanziell noch nicht gesichert ist, für den Sommer, vom 2.5.-12.6. möchte ich junge Deutsche Malerei im Verhältnis zur Tradition zeigen. Dafür brauchen wir aber Partner. Ich stricke nicht weiter an dem Teppich. Es soll eine erste analytische Ausstellung dieser Malerei sein auf dem Hintergrund a) der Tradition, nämlich der nächstliegenden, b) aber auch des deutschen Expressionismus. Eine Art Entmystifizierung.“

A.P.: „Die Beziehungen sind aber doch garnicht so mystisch.“

P.W.: „Aber es ist nie zu einer Konfrontation gekommen. Die Ausstellungen waren ja immer als eine Art monografischer Selbstdarstellungen konzipiert.

Wenn das nicht finanzierbar ist, bleibt der Termin auf jeden Fall der jüngeren deutschen Malerei vorbehalten, wobei vielleicht einmal die Frankfurter Tango-Gruppe den Berlinern oder Kölnern gegenübergestellt wird. Das ist noch offen. Parallel dazu ein Vorschlag des Beirats, eine Fotodokumentation über die Startbahn West. Das ist noch nicht vom Vorstand genehmigt.“

A.P.: „Sie legen aber auch Wert auf die Vorstellung der Medien als solche?“

P.W.: „Ja, durchaus, wenn eben auch bei der Fotografie im Moment der historische Gesichtspunkt die größere Rolle spielt.“

A.P.: „Medial, generationsmäßig legen Sie erhöhten Wert auf eine möglichst große Vielfalt.“

P.W.: „Ja. Das liegt auch am Ort. Wenn hier eine große Vielfalt gegeben wäre durch andere Institutionen, könnten wir uns mehr spezialisieren. Gewissermaßen ein Nachholbedarf.“

A.P.: „Was zeigen Sie eigentlich bei der großen Aktion der Kunstvereine 84?“

P.W.: „Stuttgart.“

Die 68er und die junge Generation

Eine beachtliche Anzahl von Instituten hat sich der Präsentation der letzten beiden Generationen zugewandt, vor allem auch solche, die zur Beschleunigung der jungen Kunstszene beitrugen wie J.Ch. Ammann an der Kunsthalle Basel, M. Kunz im Kunstmuseum Luzern, das Stedelijk Museum in Amsterdam, das Boymans van Beuningen Museum in Rotterdam und das Kunstmuseum in Düsseldorf.

Jean Christophe Ammann/Kunsthalle Basel

J.C.A.: „Vom 2.10. bis 7.11. zeigen wir Markus Raetz mit Werken aus den letzten zwei Jahren. Das geht weiter ans ARC nach Paris und das Nouveau Musée von Villeurbanne. Dazu oben den jüngeren Schweizer Carlo Aloe. Dann starten wir (23. 1 .-27.2.) eine Retrospektive von Malcolm Morley, eine Gemeinschaftsarbeit mit der Whitechapel Art Gallery. Dazu oben die Fotos von David Hockney aus dem Centre Pompidou. Die deutsche Fassung des Katalogs erscheint bei Schirmer und Mosel.

13.3.-17.4. Miriam Cahn und dazu die Fotoausstellung von George Lynes, die der KV Frankfurt macht. 8.5.-19.6. das Spätwerk von Philip Guston (1913-1980) zusammen mit der Whitechapel Art Gallery und das Fotowerk des in Bern und New York lebenden Künstlers Balthasar Burkhard (sehr große Fotoleinwände). Dann folgt vom 10.7. bis 11.9. eine sehr gute, aber eher nationale Ausstellung zum 50jährigen Bestehen der Baseler Gruppe 33, die dort anläßlich der Bücherverbrennung in Deutschland 1933 gegründet wurde. Und vom 2.10. bis 6.11. zeigen wir von Hanne Darboven das „Geschriebene Werk“. Das geht dann ins ARC und in den Mannheimer Kunstverein. Das geht dann 84 weiter mit Enzo Cucchi (Januar) und Francesco Clemente (Mai/Juni) und dann General Idea. Für die ist 84 ja das magische Jahr, auf das sie seit 14 Jahren hinarbeiten.

Wenn man Rothenberg, Schnabel etc. gezeigt hat, ist es wichtig, Leute wie Morley und Guston zu zeigen; Dinge, die in Europa allenfalls punktuell bekannt wurden. Mit Morley wollte ich schon 72/73 zusammenarbeiten. Jetzt wollte er eine Ausstellung als Schotte in London machen, und da ergab sich die Zusammenarbeit. Und dann ist da immer noch das Projekt Picabia, das wir ja mit Düsseldorf zusammen machen wollten.“

A.P.: „Interessiert Sie Picabia in der gegenwärtigen Situation?“

J.C.A.: „Ich wollte schon in Luzern etwas machen. Da war die große Ausstellung in Paris. Ich hatte die Mittel nicht. Wir sind hier auch zu wenig Leute, als daß ich die Ausstellung im Alleingang realisieren könnte.“

A.P.: „Sie tendieren dann wieder nach Italien.“

J.C.A.: „Ich gehe immer von Gruppenausstellungen aus und greife dann auf einzelne zurück. Ich werde sicher auch auf den einen oder anderen aus der Ausstellung der jungen Deutschen zurückgreifen. Nur braucht man etwas Zeit und Distanz, damit die Leute auch arbeiten können.“

A.P.: „Haben Sie darüber hinaus Entdeckungen gemacht?“

J.C.A.: „Was mich interessiert, ist etwas mit Skulptur. Ich denke an Scott Burton und Bruce Robbins. Die zweite Sache sind die Arbeiten von Cindy Sherman, Barbara Kruger und Jenny Holzer, die ich jetzt in New York besuchen werde.“

A.P.: „Das sind ja nahezu Außenseiter.“

J.C.A.: „Mag sein. Aber Trends haben mich nie interessiert. Als ich mich 78 für die Italiener und 79 für die ‚Mühlheimer Freiheit‘ interessierte, da war von Trend auch nicht die Rede.“

Martin Kunz/Kunstmuseum Luzern

M.K.: „Wir haben nur bis zum Sommer ein reguläres Ausstellungsprogramm. In diesem Jahr zeigen wir noch zwei junge Schweizer – Al Meier und Thomas Stalder – in kleinen Sonderausstellungen. Dann zeigen wir einen Schweizer Surrealisten Max von Moos, der einen sehr großen Einfluß auf die Jüngeren hatte. Vom 6.2. bis zum 13.3. dann wahrscheinlich Marisa Merz und daran anschließend Salvo vom 27.3. bis 8.5.“

A.P.: „Warum die beiden?“

M.K.: „Ich finde schon, daß der Beitrag von Marisa Merz jetzt endlich gewürdigt werden muß. Sie hat ganz eigene Sachen gemacht und hat immer hinter ihrem Mann zurückgestanden. Jetzt, wo er sich ganz durchgesetzt hat, muß man sie wirklich zeigen. Und Salvo. Da interessiert mich die Entwicklung von den Concept-Arbeiten hin zur Malerei und auch die Themen, die er aufgreift. Er ist einer der ersten in Italien, die gemalt haben. Salvo ist für mich immer noch ein ungelöstes Problem. Das möchte ich mit der Ausstellung zu lösen versuchen.“

A.P.: „Du arbeitest dann zusammen mit Klaus Honnef an einer Ausstellung amerikanischer Kunst, warum?“

M.K.: „Weil es einen Nachholbedarf an guter und neuer Information über die letzten 10 Jahre gibt. Da ist einiges geschehen und wir sind zu einseitig informiert. Da ist Ende der 60er Jahre ein Bruch eingetreten. Von Europa wurde das als Schwächeanfall diagnostiziert. Aber ich glaube, daß da einiges passiert ist.“

A.P.: „Gibt es da wohl eine Haltungsverwandtschaft zur europäischen Kunst?“

M.K.: „Ja, das liegt an der Zeit. Aber die Ausstellung soll neben den Beziehungen auch Identitäten zeigen. Die Ausstellung beginnt, obwohl Klaus Honnef federführend ist, bei uns, vom 29.5.-24.7. Parallel dazu möchte ich Isolde Wawrin zeigen.“

A.P.: „Gewissermaßen als europäischen Kontrast?“

M.K.: „Ja. Und sicher wird auch eine Nino Longobardi-Ausstellung parallel zu Max von Moos klappen.“

A.P.: „Nach den Amerikanern ist das reguläre Programm zu Ende.“

M.K.: „Ja. Wir haben das 50. Jubiläum des Einzugs des Luzerner Museums in seine erste feste Bleibe, das Kunsthaus, und auch das 50jährige Jubiläum der Stiftung Eglin. Da werden wir drei Monate lang die Stiftung integriert in unsere Sammlung zeigen.“

A.P.: „Was ist das für eine Stiftung?“

M.K.: „Die hat sich vor allem in den 20er Jahren sehr um den Ankauf guter Schweizer Kunst des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gekümmert. Dann ist das Geld ausgegangen. Wir wollen sie jetzt reaktivieren, damit ihr wieder Gelder zufließen – und auch für das Museum. Die Gegenwartskunst hat ja in der Sammlung eine wichtige Rolle. Und wir haben nur einen Ankaufsetat von 30.000 Franken. Den möchten wir mindestens verfünffachen.“

A.P.: „Möchtest Du die nationalen oder regionalen Ausstellungen weiterführen?“

M.K.: „Nein. Das war ein sehr wichtiges Informationsinstrument. Aber jetzt möchte ich mehr Einzelausstellungen machen. Ich sehe auch keine Region mehr, wo so intensiv etwas passiert.“

Kunstmuseum Düsseldorf/Stefan von Wiese

Am Düsseldorfer Kunstmuseum zwingen nicht nur Etatkürzungen, sondern vorgesehene Schließungen von Ausstellungsräumen zu Veränderungen. Das Malhaus, seit der Schließung des Kunstmuseums einer der Plätze für das junge Kunstprogramm, wird „zu meinem Bedauern abgerissen, so daß wir keine intimere Ausstellung mehr machen können. (Räume an der Orangeriestraße nicht vergleichbar). Da wollen wir wenigstens noch eine Abbruchaktion machen, vielleicht mit Leuten, mit denen wir hier zusammengearbeitet haben (Sommer 83)“(von Wiese).

„Ansonsten aber nach den großen Ausstellungen wie Treibhaus und 0211 eher eine „Atempause, um auch wieder mehr einzelne Werke zu sichten, vor allem viele Bildhauer. Jetzt muß man mal die Geschichten ein bißchen ordnen.“

Das sieht so aus: Nach M. Leves Fotodokumentation der Kunstszene der 50er Jahre (die auch an anderen Orten gezeigt wird) und Nam June Paiks Video-Gate, das „später einmal im Stadtgebiet realisiert werden soll im Rahmen des Skulpturenprogramms integriert in die Öffentlichkeit als großes elektronisches Labor, das auch jüngeren Künstlern zur Verfügung steht, und einer Ausstellung mit neuen Arbeiten von Doro Loeser folgt: im November im Malhaus Moshe Gershuni, ein junger israelischer Maler. Seit zwei Jahren malt er sehr persönliche Bilder, die eben mit ihm persönlich zu tun haben, aber auch mit Israel, über menschliche Zustände.

Parallel dazu eine kleinere Installation des amerikanischen Bildhauers Roland Gebhard. Gleichzeitig auch im Malhaus Arthur Stoll. Im Oktober im Malhaus „5 mal Agenzien“. Da werden fünf Künstlerinnen – Gabriela Fekete, Barbara Greul-Aschanta, Mareike Günther, Ella Kühl und Ingrid Schreiber – die verstehen sich als Freundeskreis – etwas machen, das mit persönlicher Mythologie zu tun hat.

Dann werden wir zusammen mit dem Stadtmuseum im Stadtmuseum in der Reihe Widerstand statt Anpassung in Düsseldorf den Nachlaß des antifaschistischen Künstlers Peter Ludwigs zeigen. Das soll 1985 einmünden in die große Gemeinschaftsausstellung von Kunstmuseum, Stadtmuseum und Kunsthalle über die Kunst der 20er Jahre in Düsseldorf. Da ist ja sehr viel passiert: Junges Rheinland, der internationale Kongress der Konstruktivisten u.a.“

A.P.: „Findet nicht etwas Ähnliches mit mehreren Städten statt?“

S.v.W.: „Das ist 1984 der Westdeutsche Impuls. Da sind wir auch dabei wie Wuppertal, Essen, Krefeld, Hagen und Köln. Das betrifft die Zeit bis 1914. Wir wollen die Schulen zeigen, die Kunstgewerbeschule, die gegenüber der Akademie sehr fortschrittlich war, wo ja Peter Behrens Direktor war. Vielleicht auch die Figur von Flechtheim. Das wird mit Originalen und Dokumentationen vorgestellt.“

A.P.: „Was wird denn 1983 noch passieren?“

S.v.W.: „Ich hoffe, daß in diesem Jahr noch – vielleicht Mitte November – eine Auktion in Verbindung mit einer Ausstellung klappen wird, die Polen zugute kommen soll. Der Pole Raphael Jablonka organisiert das mit einer Initiative von acht Künstlern. Ich habe noch keinen festen Ort. Dann zeigen wir im Malhaus Skulpturen von Alain Kirili, eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Frankfurter Kunstverein. Und im Kunstpalast A.D. Christian. Die große Ausstellung aus dem Kunstverein Stuttgart wird gesplittet. Wir zeigen die Skulpturen und Münster die Zeichnungen.“

A.P.: „Sie zeigen dann Ende Januar die Sammlung Ulbricht…“

S.v.W.: „Ich finde es wichtig, hier einen Düsseldorfer Sammler vorzustellen, möglichst akzentuiert um neue Ankäufe, um keine Wiederholung der Bonner Ausstellung zu bringen.“

A.P.: „Sammlungen, Stiftungen u.a. nehmen im Ausstellungsprogramm nicht nur bei Ihnen zu. Ist diese Betrachtung der privaten Kunstförderung auch ein Impuls aus finanziellen Gründen?“

S.v.W.: „Wir haben mit Ulbricht seit vielen Jahren zusammengearbeitet. Es gibt noch eine Tournee mit einer Sammlung, obwohl das gerade sehr teuer wird. Die Sammler haben ja auch bestimmte Vorstellungen, was den Katalog betrifft. Wir zeigen das Busch-Reisinger Museum aus Cambridge USA im Mai/Juni. Das ist das einzige deutsche Museum in den USA mit Impressionisten, ein paar guten Expressionisten, aber auch den Nachlässen von Gropius und Feininger. (Anschließend in Frankfurt und im Bauhausarchiv in Berlin). Dann haben wir die Japan-Wochen im Juli. Da machen wir eine Skulpturen-Ausstellung mit Haraguchi, Shirakawa, Takeoka und vielleicht Hirose.“A.P.: „Künstler, die hier leben und solche, die in Japan arbeiten?“

S.v.W.: „Es geht um Künstler, die versuchen, zwischen europäischer Kultur und japanischer Tradition eigene Lösungen für eine plastische Sprache zu finden.“

A.P.: „Wie sieht es dann aus?“

S.v.W.: „Dann ist alles unter Vorbehalt. Wenn z.B. Neuwahlen (!) kommen, müssen wir den Kunstpalast zur Verfügung stellen, für das Wahllokal, weil wir ja nur Gäste sind. Geplant sind noch für Sommer/Herbst Maria Lassnig, Gotthard Graubner mit Papierarbeiten, gewissermaßen Ergebnis der Biennale und für die Orangerie noch Hansik Gebert mit einer Installation, dann auch noch Lohse zu seinem 80. Geburtstag und eine große Jochen Gerz-Ausstellung.“

Westfälischer Kunstverein, Münster/Thomas Deecke

A.P.: „Sie haben mit Vorzug Einzelausstellungen gemacht, und dabei immer solche Künstler, die gewissermaßen Außenseiter sind, oder sagen wir so, sich nicht einordnen lassen.“

T.D.: „Ja. Ich mag gewissermaßen die, die antizyklisch arbeiten, auch die Schwierigkeiten mit sich selber haben. Mich interessieren nicht die Leute, die wir alle schon x-mal gesehen haben. Ich versuche auch jedesmal einen persönlich gestalteten Katalog zu machen. Ich möchte aber etwas voranschicken, wovon ich träume. Das wäre eine Auseinandersetzung mit der neuen Malerei, eine vom Ansatz her kunsthistorisch gesehene Konfrontation mit den sogenannten oder von den Kritikern hingehaltenen Vorbildern. Einen ganz kleinen Versuch haben wir ja schon anläßlich der Soutine-Ausstellung im Landesmuseum mit „10 mal Malerei“ gemacht. Etwas mit den wichtigsten Beispielen innerhalb der neuen Generation zu machen, davon träume ich. Ich bin zu sehr Kunsthistoriker, als daß ich es auf Dauer zulassen könnte, schlechte Malerei als Stil zu akzeptieren. Aber vielleicht überholt sich das auch ganz schnell.“

A.P.: „Zurück zur Realität.“

T.D.: „Ich bin kein großer Freund von Themenausstellungen, wo die Kunst zur Illustration eines Themas dient. Außerdem habe ich ja auch nur den einen großen Raum. Deswegen weiterhin Einzelausstellungen. Als Übernahme vom 17.12.-30.1.83 A.O. Christian. Und dann ist mir die wichtigste Ausstellung, die auf einer wahren Entdeckung beruht. Das sind die ca. 250 großformatigen Zeichnungen, die Otfried Rautenbach zwischen 1963 und 1971 in einer Phase hoher Sensibilität und Erregtheit gemacht hat. Das erscheint mir in der Diskussion um emotionale Malerei heute äußerst wichtig. Das wird auch in Heidelberg gezeigt und im Reiner-Verlag/Berlin erscheint ein Buch mit allen Arbeiten. Das ist eine Künstlerpersönlichkeit, die Maßstäbe setzen kann. Dann möchte ich Isolde Wawrin zeigen und hoffe, daß sie Arbeiten für den Raum schafft. Ich glaube, daß sie unter den jungen Einzelgängern eine der begabtesten ist. Und im Sommer möchte ich Michelangelo Pistoletto zeigen.“

A.P.: „Sie haben schon einmal eine Ausstellung mit ihm gemacht. Zeigen Sie die neuen Arbeiten?“

T.D.: „Ja, da werden viele Kritiker vielleicht lachen. Das hat ein wenig mit dem zugegeben miserablen Eindruck zu tun, den seine Arbeiten auf der documenta machen. Der scheint mit falsch, obwohl ich auch Schwierigkeiten habe damit. Da wirkt sich die Konzeptlosigkeit aus. Die Ausstellung soll zeigen, daß er immer noch ein wesentlicher Künstler ist, der mit seinen neuen Arbeiten, die sich konsequent aus seinen Spiegelbildern entwickeln, wesentlich zum Sehen beigetragen hat und eben auch einer der präzisesten Denker aus Oberitalien ist.“

A.P.: „Was folgt dann?“

T.D.: „Ich habe einige Ideen. Andeuten kann ich, ohne mich festzulegen, da ich mit den Künstlern z.T. nicht gesprochen habe. Ich habe bei der Künstlerbundsausstellung Zeichnungen von Galli entdeckt. Ich kenne sie noch nicht, habe gehört, daß sie jetzt große Bilder machen will. Ist nur eine Idee. Ich möchte nicht über ein Jahr hinaus mich festlegen, auch weil ich meinen Lebensabend nicht in Münster verbringen möchte, so viel Freiheiten ich hier auch genieße.“

Stedelijk Museum, Amsterdam/Hendrik Drissen

H.D.: „Wir haben 1982 noch einige Ausstellungen mit amerikanischen Künstlern zur 200 Jahrfeier von Amerika. Vom 15.10.-28.11. Susan Rothenberg und vom 22.10.-5.12. Robert Mangold mit großem Katalog zur Übersicht seiner Arbeit von 1964 bis heute.“

A.P.: „Susan Rothenberg hat es in Frankfurt und Basel schon gegeben.“

H.D.: „Das ist eine neue Ausstellung. Das sind meistens Arbeiten von 82, keine Pferde mehr. Es gibt auch einen neuen Katalog.“

A.P.: „Mangold gewissermaßen als Gegenpol der 68er Generation?“

H.D.: „Gewissermaßen. Wir versuchen noch, die Ausstellung weiterzugeben. Dann folgt vom 24.12.-6.2. Cindy Sherman.“

A.P.: „Eine Koproduktion?“

H.D.: „Wir machen das alleine, für 83, vom 3.2.-21.3. haben wir ein großes Projekt, wissen aber nicht, ob das möglich ist wegen der Finanzen. Wir wollen W. de Koonings Arbeiten von Long Island aus der Mitte der 60er Jahre zeigen, auch mit Zeichnungen. Seine Arbeiten haben sich ja in dieser Zeit geändert. Vielleicht wird die Ausstellung vom Louisiana-Museum in Dänemark übernommen. Und dann noch vom 21.1.-28.3. die von der Whitechapel Art Gallery organisierte reisende Ausstellung von Philip Guston.

Vom 18.3.-25.4. zeigen wir Sandro Chia. Er war ja auch bei der Ausstellung der jungen Italiener dabei.“ A.P.: „Wird Italien weiterhin ein Schwerpunkt sein?“ H.D.: „Ja, wir zeigen Ende des Jahres auch Enzo Cucchi.“

A.P.: „Die machen Sie auch selbst. Ich wundere mich, daß Sie bei der Finanzknappheit solche Ausstellungen, die doch auch an anderen Orten vorkommen, alleine machen.“

H.D.: „Wir finden, daß die Auswahl in anderen Museen manchmal nicht so gemacht wird, wie wir das tun würden.“

A.P.: „Es gibt ja noch vom 25.2.-4.4. noch ein Projekt. „Das Neue Bauen“, zu dem fünf holländische Museen gleichzeitig Ausstellungen machen.“

H.D.: „Ja, wir gehen von den 20er Jahren bis zu den 40er Jahren und werden die Pläne von C.v. Eesteren, neue Gebiete in Amsterdam zu bebauen, zeigen.“

A.P.: „Werden Sie sich um die holländische Kunstszene kümmern?“

H.D.: „Wir machen jedes Jahr fünf oder sechs Ausstellungen mit neuen Arbeiten von holländischen Künstlern. Vom 18.2.-5.4. Ben Akkerman und bis Ende Februar noch Jaap van den Enden. Wir wollten die früheren Atelier-Ausstellungen durch diese Form ersetzen. Es gibt sicher noch andere Ausstellungen. Aber wir haben schon sehr viele Ausstellungen von holländischen Künstlern gemacht. Es gibt keine Hunderte davon, die man immer zeigen kann. Die Funktion des Museums ist eine internationale.“

A.P.: „Es gibt aber auch andere Regionen als Amerika und Italien oder Holland.“

H.D.: „Ja. Und wir haben noch das Prentenkabinett. Da ist das Programm noch offen. Wir haben auch noch ein sehr interessantes Projekt für 84, die Abschiedsausstellung von Edy de Wilde, der 85 in Pension geht. Da sollen die großen Meister wie Matisse, Picasso und Braque den neuen ‚Meistern‘ gegenübergestellt werden.“

A.P.: „Also ein Vergleich von Gegenwart und Tradition, und so ein letzter Rechenschaftsbericht von de Wilde?“

H.D.: „Ja, es ist der Versuch, Beziehungen zu zeigen und auch wie vielfältig die Kunst dabei bleiben kann. De Wilde ist ja ein großer Liebhaber von Malerei. Es wird sicher eine sehr teure Ausstellung sein.“

Museum Boymans – van Beuningen, Rotterdam/Paul Donker

A.P.: „Werden Sie weiter den Schwerpunkt auf die junge Generation legen?“

P.D.: „Ja, das kann man sagen. Wir haben zwar vom 27.11.-13.2. wie ja auch weitere holländische Museen die Ausstellung Das Neue Bauen. Wir zeigen die Zeit von 1920 bis 1960 in Rotterdam mit Modellen, Zeichnungen und Fotos. J.J.P. Oud ist ein Architekt und auch J.A. Bhnkman. Aber dann zeigen wir junge holländische Künstler.“

A.P.: „Nur figürliche Malerei?“

P.D.: „Nein, nicht nur holländische ‚Wilde‘, auch andere Maler, Skulptur und auch Fotografie. Die letzte Auswahl ist noch nicht getroffen. Gleichzeitig möchten wir David Salle zeigen, also März, April. Aber das ist noch unsicher wegen der Finanzen. Er möchte gerne auch. Aber wir haben nicht genug Geld und suchen Partner. Außerdem zeigen wir die Ausstellung von Malcolm Morley, die die Whitechapel Art Gallery organisiert hat vom April bis Mai. Und die letzte Ausstellung, die fest ist, findet im Juni statt und zeigt 5 Aspekte von Keramik zwischen Skulptur und Gebrauchskeramik.“

A.P.: „Gibt es denn weitere Pläne?“

P.D.: „Ja, natürlich, aber das ist alles so unsicher wegen der Finanzen, daß wir es nicht nennen können. Vielleicht zusammen mit Eindhoven eine Polke-Ausstellung. Wir sind auch sehr interessiert an den jungen Deutschen und den jungen Amerikanern. Wir würden auch gerne eine Ausstellung mit Clemente machen.“

Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven/Jan Debbaut

Von einer starken Konzentration auf die neue Entwicklung jener Künstler, die in der 68er Ideenwelt maßgeblich beteiligt waren und sind, ist die Ausstellungsplanung in Eindhoven bestimmt.

A.P.: „Sie greifen in die junge Szene kaum ein.“

J.D.: „Wenig im Moment. Das hat zu tun mit der finanziellen Situation. Wir haben in den letzten 2 bis 3 Jahren unglaublich viele Ausstellungen gemacht, etwa 20 pro Jahr. Das war notwendig als Rudi Fuchs Direktor wurde, um viel zu zeigen, was anderswo nicht gezeigt wurde. Außerdem muß man in Eindhoven dynamischer sein als in Amsterdam oder Rotterdam, wo es viele Touristen gibt. Dann wurde es aber mit der Reduzierung der Finanzen so, daß wir in diesem Jahr Bruce McLean, Byars nicht mehr machen konnten. Das werden wir dann 1983 tun. Wir eröffnen am 17.9. eine Ausstellung des belgischen Künstlers Dan van Severen (bis 24.10./zusammen mit dem Museum Gent), und dann zeigen wir vom 29.10. bis 5.12. in 10 Räumen im alten Gebäude Per Kirkeby mit einem Überblick über wichtige Akzente seiner Arbeit und eine Serie neuer Bilder. Eine Publikation seiner kunstkritischen und -theoretischen Texte unter dem Titel Bravura haben wir ja schon herausgegeben; wahrscheinlich machen wir noch einen Katalog. Und dann folgt vom 10.12.82-16.1.83 die große Ausstellung von Bruce McLean.“

A.P.: „Ist das die Baseler Ausstellung von 1981?“

J.D.: „Wir wollten die zusammen mit der Whitechapel Art Gallery und Basel machen. Wir haben schon den Katalog mitfinanziert. Vielleicht wird es einen neuen Katalog geben. Es wird wohl so sein, daß wir eine Dokumentation seiner älteren Arbeiten zeigen. Der Schwerpunkt werden aber die neuen Arbeiten sein. Es ist die erste Einzelausstellung in einem holländischen Museum und darum eine Art Einführung.

Für 83 sind die Termine noch ganz offen. Wegen der Finanzen ist alles unter Vorbehalt. Wahrscheinlich zeigen wir auch in zehn Räumen James Lee Byars mit seinen wichtigen Werken und dann von März bis Ende April eine Retrospektive von Jack van der Heyden, Ende April bis Anfang Juli Carlo Mariani und die erste Präsentation von Boyd Webb in Holland, im Sommer neue Arbeiten von Ger van Elk und für den September planen wir unser größtes Projekt des Jahres. Wir wollen zusammen mit Amsterdam eine sehr große Sol LeWitt-Ausstellung machen, in Eindhoven die Skulpturen und in Amsterdam die ‚walldrawings‘. Das ist ein sehr wichtiges Projekt wie 1980 Gilbert & George und 1981 Kounellis. Wir suchen auch, eine Tournee zu organisieren, z.B. mit Bern, Paris und London. Ein Oeuvre-Katalog der ‚walldrawings‘ ist in Zusammenarbeit mit einem Verlag geplant.

Für den Winter ist ein Austausch der Sammlungen mit dem Kunstmuseum in Bonn vorgesehen.“

A.P.: „Also kein Eingriff in die junge Szene, eher Beruhigung.“

J.D.: „Ja. Dann müssen wir anfangen mit neuen Ideen. Und wenn wir doch mehr Geld bekommen, versuchen wir kleinere Ausstellungen mit jungen Künstlern.“

A.P.: „Sie könnten ja auch jetzt statt der älteren Künstler jüngere zeigen.“

J.D.: „Das hat mit der Ausstellungsorganisation zu tun. Solche Projekte wie Sol LeWitt muß man zwei Jahre vorher beginnen. Es ist auch wichig wegen der Identität unseres Hauses und der Sammlung.“

A.P.: „Wie weit ist Rudi Fuchs beteiligt?“

J.D.: „Vollkommen.“

Groninger Museum/Frans Haks

Von der jungen Kunst ist seit dem Amtsantritt von Frans Haks die Identität von Haus und Sammlung in Groningen geprägt.

F.H.: „Als ich dort angestellt wurde vor vier Jahren, da habe ich gesagt, ich möchte für Ausstellungen und Ankäufe ein Programm der ganz zeitgenössischen Kunst machen. Wir haben gerade jetzt eine Ausstellung mit ganz großen Zeichnungen von Enzo Cucchi und parallel dazu die Grafik-Mappen-Edition von Peter Blum mit Penck, Winnewisser, Borofsky und anderen. Dann folgt vom 15.10.-21.il. die Ausstellung der Neuerwerbungen, die wir für die Kunsthalle in Wilhelmshaven schon zusammengestellt haben.“

A.P.: „Wo liegen die Schwerpunkte?“

F.H.: „Da sind z.B. die Franzosen Combas, di Rosa, einige Bilder der ‚Mühlheimer Freiheit‘, aus Berlin M. Neumann und Middendorf, einige ältere wie Penck, Baselitz, Kiefer, auch Polke, einige große Stücke von den Italienern Chia, Clemente, Cucchi, Paladino, de Maria, auch von der römischen ‚Gruppe‘ Bianchi, Ceccobelli, Gallo und aus der Schweiz Disler.“

A.P.: „Die Schweiz haben Sie nicht so stark ins Blickfeld gezogen wie Deutschland, Frankreich und Italien.“

F.H.: „Wir sprechen über eine Ausstellung mit Martin Disler.“

A.P.: „Wie ist es mit den Österreichern?“

F.H.: „Da erwägen wir auch Ausstellungen.“

A.P.: „Die Gruppen sind immer national bestimmt.“

F.H.: „So kann man erst einmal zeigen, was die Mentalität in einem Lande ist. Dann gehen wir weiter mit Einzelausstellungen. Es ist nicht die Absicht, nationalistisch zu sein.“

A.P.: „Denkbar wäre doch auch eine Präsentation von jungen Künstlern über die Grenzen hinaus.“

F.H.: „Das wollen wir auch machen.“

A.P.: „Hat Sie denn die documenta hinsichtlich der Jungen inspiriert?“

F.H.: „Leider, nein.“

A.P.: „Was ist denn nun im einzelnen bei Ihnen zu erwarten?“

F.H.:„Gleichzeitig zu den Neuerwerbungen zeigen wir eine kleine Ausstellung über den Einfluß von Goethes Farbenlehre auf Kirchner und Ian Wiegers, einen expressionistischen Maler aus Groningen. Dann vom 26.11.82-2.1.83 Gemälde von H.N. Werkman, das ist auch ein Groninger Expressionist. Für das nächste Jahr stehen die Daten noch nicht fest. Wir planen für Januar/Februar eine Übersicht über die Gemälde von Middendorf; für März die Franzosen Combas, di Rosa, Blanchard, Boisrond; für April/Mai eine Serie der Gemälde Clementes mit der Whitechapel Art Gallery und zusammen mit Waddington in London Skulpturen von Barry Flanagan. Später, das steht noch nicht genau fest, Salome und Salvo.“

A.P.: „Wie ist denn Ihre Einstellung zu Themenausstellungen?“

F.H.: „Die sind für uns zu kompliziert zu machen. Wir machen wahrscheinlich im Mai etwas über Niederländische Architektur 1950-1980. Ich bin nicht prinzipiell dagegen. Sobald ich eine gute sehe, nehme ich die gerne. Aber wenn wir ein Forum für junge Kunst sein wollen, ist unser Plan mit acht Ausstellungen voll.“

Rheinisches Landesmuseum/Klaus Honnef

Sieht man von einigen Foto-Ausstellungen ab (- Dezember object, illusion, reality, Fotografie der amerikanischen Westküste und dort auch zusammengestellt; Januar, George Hoyningen-Huene Eye for elegance, .und der Wanderausstellung Manfred Leve), so liegt der Schwerpunkt im Bonner Landesmuseum eindeutig auf der jungen Szene. Das beginnt mit der von W. Skreiner für Luzern zusammengestellten Neuen Kunst aus Österreich vom 27.10.-28.il. und findet eine gewichtige Fortsetzung mit der Jubiläumsausstellung des Deutsch-Französischen Jugendwerkes im Mai unter dem Titel Egal, Hauptsache gut.

K.H.: „Das sind alle Künstler, die irgendwann einmal gefördert wurden durch Stipendien oder an Symposien teilgenommen haben. Das soll so etwas wie ein Event werden mit Aktionen, Theater, Performances, Musik, also zu den Ausstellungen auch die Zwischenbereiche. Da sich mehrere Institute beteiligen – im Ausstellungskommitee sind gegenwärtig außer dem Landesmuseum noch das Städtische Museum und die Galerien Klein und Magers vertreten – werden wir die Künstler nach Absprache auf die diversen Räume verteilen.“

A.P.: „Es gibt dann eine große Amerika-Ausstellung – und das jetzt, wo man doch immer von der europäischen Kunst redet, für die Du Dich ja auch durch ‚Schlaglichter‘ zum Fürsprecher gemacht hast.“

K.H.: „Ich möchte ein wenig den herrschenden Antiamerikanismus korrigieren. Ich bin auch der Meinung, daß Amerika immer noch eine starke Kraft besitzt. Da möchte ich ein wenig vom Klima und von der Haltung vermitteln, was ich einmal ‚Post Vietnam Art‘ nannte. Das soll sehr konzis werden und zeigen, wie vielfältig die Kunst dort ist.“

A.P.: „Also nicht nur Maler?“

K.H.: „Sicher vornehmlich Bilder, aber auch Leute, die mit Fotos arbeiten wie Cindy Sherman, die sicher dabei ist.“

A.P.: „Nur die junge Generation?“

K.H.: „Nicht einmal die ganz jungen, eher zwischen 30 und 45.“

A.P.: „Auch ältere?“

K.H.: „Ja, so fünf bis sieben, die eine herausragende Rolle spielen, z.B. Philip Guston.“

A.P.: „Dann werden wieder auch die Leute wie Schnabel, Salle etc. im Vordergrund stehen.“

K.H.: „Nein, ich denke, daß man die bekannteren durchaus mit weniger Platz vorstellen kann, dafür unbekanntere breiter. Ich möchte vor allem den Begriff ’new decoration‘ genauer definieren. Da ist viel Mythisches drin und auch viele versteckte Bezüge zu aktuellen Dingen.“

A.P.: „Wie ist es, wenn man angesichts der Finanzen nur noch weniger Ausstellungen persönlich machen kann und damit weniger Akzente selbst setzt? Ich denke an Deine Tätigkeit in Münster.“

K.H.: „Sicher kann ich das weniger. Aber ich habe ja in diesem Hause nicht die Aufgabe, mich selbst zu verwirklichen, sondern ein gutes und informatives Ausstellungsprogramm zu machen – solange die Leute noch ins Museum gehen – und das tun sie. Da muß man neue Wege der Kooperation und der Finanzierung suchen. Wir haben hier in Bonn ja auch die Botschaften. Außerdem halte ich es auch für wichtig, daß wie im Fall von Skreiner sich auch persönliche Temperamente anderer Ausstellungsmacher hier darstellen können.“

A.P.: „Gibt es Pläne über 83 hinaus?“

K.H.: „Ja, für 84 eine große Les Levine-Retrospektive.“

Neue Galerie-Sammlung Ludwig, Aachen/Wolfgang Becker

A.P.: „Sie haben sich in der Vergangenheit durch den Schwerpunkt der Malerei unter dem Begriff der ‚Jungen Wilden‘ hervorgetan und dann auch durch die neuerlichen Interessen von Ludwig bezüglich der sowjetischen zeitgenössischen Kunst.“

W.B.: „Wir begreifen uns ja als Explorationsinstitut mit Wagnissen und Entdeckungen. Der große Sammlungsblock sowjetischer Kunst wird jetzt von uns aufbereitet und in zusammengefaßter Form auf Tournee geschickt: nach Wien, Regensburg, Lübeck, Oslo, Trondheim, Saarbrücken, Mainz u.a. Wir haben mit diesen Schwerpunkten einen starken Einfluß ausgeübt, der uns einseitig erscheinen ließ.“

A.P.: „Was heißt das in der Konsequenz?“

W.B.: „Wir müssen diese Einseitigkeit auflösen. Daher zeigen wir mit den Künstlern Nikolaus Störtenbecker, Günther Knipp und Klaus Schmelz drei extreme Positionen realistischer Malerei und Skulptur heute. Wir wollen diversifizieren in der Stoßrichtung und in den Medien: darum, vom 10.12.-23.1.83 Luciano Fabro mit einer Installation. Er hat 1981 den ersten Kunstpreis der Neuen Galerie-Sammlung Ludwig erhalten. Mit dem Verlag der Gebr. König geben wir seine Schriften in deutscher Sprache heraus.

Parallel dazu zeigen wir Inszenierte Fotografie, eine Übernahme aus dem Lijnbaan-Centrum in Rotterdam. Hierzulande bekannt v.a. C. Sherman und Boyd W ebb.“

A.P.: „Bleiben Sie weiter auch der jungen Kunst treu?“

W.B.: „Natürlich: vom 6.2.-8.3. Helga Bosten, Reiner Malich, Lorenz Wilms, drei Künstlern aus dem Aachener Raum und Karl Huisman, einem Holländer aus Heerlen. Junge und unbekannte Künstler allesamt. Danach ist alles im Stadium von Projekten: geplant vom 20.3. bis 19.4. Wolf Kahlen, die Ausstellung aus dem NBK Berlin (29.10.-27.11.), aber variiert und auf die Räume bezogen. Gleichzeitig eine auf einen Raum zugeschnittene Installation von Jakob Mattner.Danach, vom 1.5.-31.5., Möbel von Künstlern.

Dann übernehmen wir die Wiener Ausstellung der Zeichnungen von Christian L. Attersee und zeigen parallel aus unseren Beständen Zeichnungen von Baselitz (12.6.-26.7.). Vom 31.7.-27.9. stellen wir Neuerwerbungen der Sammlung aus.“

A.P.: „Das sind?“

W.B.: „Wir beginnen, darüber nachzudenken. Vom 2.10.-15.11. planen wir eine Einzelausstellung von Hansik Gebert.“

A.P.: „Eine, die man schon kennt?“

W.B.: „Nein, hier kommt es zu Installationen, die man nicht wiederholen kann. Außerdem verhandeln wir mit A.B. Oliva über eine Ausstellung italienischer Künstler.“

A.P.: „Also wieder Chia, Clemente, Cucchi…“

W.B.: „Wer weiß, wie seine Künstlerliste bis dahin aussieht. Ende des Jahres sollen Einzelausstellungen von Christiane Möbius und Rudolf Schoofs folgen.“

A.P.: „Werden Sie denn im kommenden Jahr, also 84 die ‚alten‘ Schwerpunkte wieder aufgreifen?“

W.B.: „Abrunden und ergänzen. Wir werden aber vor allem nach neuen Schwerpunktbildungen in der Szene ausschauen.“

A.P.: „Wie ist es denn mit dem traditionellen amerikanischen Schwerpunkt?“

W.B.: „Der wird durch Neuerwerbungen ergänzt. Die letzten sind solche von Borofsky.“

A.P.: „Sie haben auch immer Video und Film beachtet.“

W.B.: „Das werden wir auch weiter tun. Unser kleiner Ankaufsetat ist ja auf Filme und Videobänder von Künstlern spezialisiert. Das werden wir im nächsten Jahr mit einem Katalog dokumentieren.“

A.P.: „Was halten Sie von verstärkter Kooperation?“

W.B.: „Mit jungen und unerprobten Künstlern lassen sich schwer Weitergaben bewerkstelligen.“

Akzente besonderer Art

Bei aller Vielfalt, die die Institute anstreben, fallen zwei der Befragten aus dem Rahmen. Das gilt allem voran für die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) in Berlin und für den Kölnischen Kunstverein.

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst/Valdis J. Abolins

A.P.: „Halten Sie weiterhin die Fahne der Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft hoch?“

V.A.: „Auf jeden Fall.“

A.P.: „Sie arbeiten immer in zwei Bereichen, einmal das Realismusstudio und dann die großen thematischen Ausstellungen.“

V.A.: „Das Realismusstudio machen wir ja in unseren eigenen Räumen, wo wir Ausstellungen von jüngeren und ganz jungen Künstlern zeigen unter der Frage Was ist Realismus, wo dieser Begriff eben immer neu erarbeitet wird.“

A.P.: „Welche Künstler und in welchem Sinne?“

V.A.: „Das ist außer Werner Büttner und Albert Oehlen für 29.10.-26.11. und vom 10.12. an Dorothea Teuscher mit Bildern aus New York noch nicht festgelegt. Da entscheiden wir kurzfristig. Aber es geht um Künstler im Sinne der Reaktion auf und Engagement für gesellschaftliche Probleme.“

A.P.: „Und die großen thematischen Ausstellungen.“

V.A.: „Da geht es immer um Gesellschaft und Kunst, entweder im Sinne von thematischen Zusammenhängen oder wie bei der großen Heinrich Vogeler Ausstellung, die wir vom 1.5.-5.6. in der Staatlichen Kunsthalle zeigen, um das ganze gesellschaftliche und kulturelle Umfeld eines Künstlers. Also immer das gesellschaftliche Umfeld in Beziehung zur Kunst. So zeigen wir z.B. vom 28.11.82-12.1.83 im Künstlerhaus Bethanien die Geschichte der Berliner S-Bahn, auf die ja auch heute noch Künstler anspielen in Fotos, Bildern, Dokumenten etc.; dann in der Akademie der Künste vom 16.2.-27.3. Kunst und Alltag 1945-1955, also die Zeit des Wiederaufbaus. Und schließlich vom 13.3.-24.4. in der Staatlichen Kunsthalle Das andere Amerika“.

A.P.: „Was bedeutet das?“

V.A.: „Die Ausstellung handelt eben auch in Gemälden, Grafiken, Fotos, Plakaten über die kulturgeschichtliche Entwicklung der amerikanischen Arbeiterbewegung von 1700 bis heute. Wir werden vor allem auch einbeziehen die Beziehung zwischen Deutschland und Amerika – bei den Freiheitskriegen und dann die Bewegung der Einwanderer, die ja dann immer die Arbeiter abgaben.“

A.P.: „Und im 2. Halbjahr?“

V.A.: „Dann müssen wir nach diesen großen Ausstellungen eine Pause machen. Wir arbeiten ja mit Arbeitsgruppen. Wir haben Pläne für 84/85, z.B. zum Thema Rationalisierung, dann etwas über die Entwicklung vom Fahrrad zum Fließband und vor allem denken wir an ein großes Projekt über die ästhetische Faszinatioon des Faschismus unter dem Titel Die Inszenierung der Macht. Wir wollen nach der nicht gelungenen Frankfurter Ausstellung aufzeigen, was an faschistischer Kunst faszinierend war und ja noch ist. Das bedeutet noch viel Arbeit und läßt sich nicht absehen, wann das stattfindet. Im 2. Halbjahr 83 machen wir dann nur kleinere Geschichten.“

Kölnischer Kunstverein/Wulf Herzogenrath

A.P.: „Du hast ja immer ein Programm gemacht mit speziellen Akzenten, z.B. auch Film, Foto, Video, Performance. Geht das weiter?“

W.H.: „Ja, z.B. machen wir anläßlich der Photokina den ersten großen Photogalerien-Markt. Das ist eine Idee von Kicken, Wilde und mir. Das entspricht meinen Interessen und ist auch sehr hochkarätig. Dann zeigen wir in einer Koproduktion mit der Nationalgalerie, wo die Federführung liegt, und dem Lehnbachhaus vom 12.11. bis Mitte Dezember „Junge Kunst in Deutschland – privat gefördert“. Da haben wir ja aus den über hundert Geförderten 16 ausgewählt für die Ausstellung, 12 die mehrfach gefördert wurden, was wir für repräsentativ hielten. Das sind z.B. Isa Genzken, Rebecca Horn, A.D. Christian, Franz Bernhard, AIf Lechner, Reinhard Mucha, Wolf gang Nestler …“

A.P.: „Nicht gerade im Trend des Kunstmarktes …“

W.H.: „Richtig, namentlich Skulptur und Objekte raumbezogen. Das sind alles erstklassige Namen, die auf dem Kunstmarkt aber eben nicht 5 und 6stellige Preise erzielen. Wir wollen eben auch einmal diese Preisstifter (wie Glockengasse, Köln, Böttcherstr., Bremen, Grohmann-Stipendium, Pontostiftung etc.) in den Vordergrund schieben, weil das ja auch den Künstlern als Bargeld direkt zur Verfügung steht. Das ist wirklich auch Mäzenatentum. Und wir freuen uns auch, daß wir uns als Kunstverein, die wir ja auch private Kunstförderer sind, da beteiligen können.“

A.P.: „Auch als Impuls für noch mehr private Förderung?“

W.H.: „Natürlich.“

A.P.: „Wie geht es weiter?“

W.H.: „Ende Januar planen wir zusammen mit der Kölner Gesellschaft für Neue Musik etwas zwischen Musik und Performance, und dann setzen wir im März/April unsere Reihe Künstler der 20er Jahre fort mit einer Retrospektive von Anton Räderscheidt, nicht nur 20er Jahre, sondern in Schwerpunkten sein Gesamtwerk. Da hat sich auch ein Freundeskreis gebildet, der die Finanzierung unterstützt. Mai/Juni setzen wir dann auch die Reihe Künstler in Köln fort. Namen stehen noch nicht fest. Aber das soll die Breite der Szene belegen von Malerei bis zu Foto oder Film und auch Skulptur. Danach stehen die Zeiträume nicht fest. Mein größter Wunsch wäre Ende 83 eine Retrospektive von John Hilliard zusammen mit dem Frankfurter KV und der Bremer Kunsthalle. Das geht vielleicht mit Unterstützung des British Council. Kunsthalle. Dann übernehmen wir noch eine Ausstellung, die mir exemplarisch scheint für die künstlerische Fotografie hier in der Stadt der Photokina. Das ist die Sammlung Krauss.“

A.P.: „Weitere Pläne für 84 und danach?“

W.H.: „Ja, da kommt ja 84 der Westdeutsche Impuls, wo wir dann auf die Werkbund-Ausstellung und die Architektur der Zeit eingehen. Das läuft ja gewissermaßen in 6 Städten flächendeckend. Da ist dann auch die Finanzierung durch Kultusministerium und das Kultur-Sekretariat in Wuppertal gesichert. Und Sommer 84 dann die Aktion der 35 Kunstvereine, da zeigen wir den Münchener Raum. Die Vorgespräche mit Minister Baum und den Herren aus dem Innenministerium waren recht positiv. Das wird sicher eine spannende Sache, wenn auch die einzelne Präsentation klein ist ..Wir werden uns ganz bewußt vor allem auf die Szene der 80er Jahre konzentrieren.“

A.P.: „Einzelausstellungen gibt es bei Dir wenig.“

W.H.: „Ja, das ist auch sehr schwer zu finanzieren. Da muß ich sehen, wie ich das 84 mache. Deshalb auch Hilliard, was jetzt eben gehen wird, weil wir drei Institute sind. Eine Einzelausstellung hat auch nur Sinn, wenn man einen anständigen Katalog machen kann.“

Die Finanzen

Die Spannweite reicht von dramatisch bis gut.

Ohne Klagen: der KV Hamburg ist „ganz zuversichtlich. Wir hatten einen erheblichen Zuwachs an Subventionen, weil wir in der Vergangenheit viel schlechter bezuschußt waren als vergleichbare Institute. Zuschüsse von der Kulturbehörde waren 514.000 DM, der Gesamtetat beträgt 1.137.000 DM bei ca. 3000 Mitgliedern. Für nächstes Jahr ist aber alles noch offen.“

KV Stuttgart: „Mit Kürzung rechnen wir relativ wenig. Das liegt an der glücklichen Situation mit Herrn Rommel. Vom Image der Kulturfreundlichkeit gehen die so schnell nicht runter. Aber wir haben uns in den letzten zwei Jahren sehr ausgelaugt. Da findet jetzt eine Phase der Regeneration statt. Wir können alles finanzieren.“

Badischer Kunstverein: „Die Situation ist hier nicht so hysterisch wie anderswo. Wir hatten keine Kürzungen und haben vielleicht auch im nächsten Jahr keine. Das bedeutet natürlich immer einen Verlust. Es gibt keine Expansion mehr. Man muß sich umstellen und ganz gezielt auch Kooperation suchen. Gesamtetat beträgt 600.000 DM, davon ca. 300.000 DM für Unterhaltung des Hauses und Personal, der Rest theoretisch für Ausstellungen. Da muß man aber noch mal ca. 100.000,– abziehen, was nicht direkt mit Ausstellungen zu tun hat.“

Haus der Kunst/München: „Wir werden es schaffen. Da bin ich ganz zuversichtlich. Wir sind auch, glaube ich, das einzige Institut, das sich aus eigener Kraft finanziert. Der Verein, der das Haus trägt, ist gemeinnützig. Im Prinzip muß man davon ausgehen, daß sich die Ausstellungen selber zu tragen haben.“

Am extremen Pol steht gewissermaßen das Krefelder Museum, wo Storck angesichts der angespannten Finanzlage keinerlei Angaben über die Zukunftspläne machen wollte.

Kunsthalle Düsseldorf: „Die Stadt ist offensichtlich bemüht, uns nicht so zu beschneiden, daß wir unter unser Niveau gehen müssen. Wir versuchen, verstärkt Kataloge mit Verlagen zu produzieren.“

Kunsthalle Bielefeld: „Entwurf für Ausstellung und Kataloge 125.000 DM, Zuschüsse des Landes noch ungewiß. Wenn es so bleibt, wie bisher, bedeutet das natürlich immer eine Einbuße.

Schlimmer sieht das in Köln aus, wo man aus der Not eine Tugend macht, wie Ruhrberg durch Ausstellungen, die „nichts kosten“ oder die Konzentration auf die Jungen („Ankaufsetat praktisch gleich Null“) oder wie Gohr an der Kunsthalle ein Programm ohne Gewißheit über die Finanzen macht, aber dennoch zuversichtlich ist und man am Kunstverein zwar von einer „dramatischen“ Lage spricht, aber dennoch durch Partner und andere Unterstützung (trotz der Verluste der Zuschüsse von Landschaftsverband, die Halbierung der Katalogzuschüsse vom Land auf 30.000 DM, und der Kürzung der Städtischen Zuschüsse um 20.000 DM auf 110.000 DM) wieder auf einen Etat von 600.000 bis 650.000 DM kommt. „Wir müssen sehen, daß wir ein Programm finanzierbar machen.“

Kunstverein Münster: „Schlecht, wenn auch nicht sehr schlecht. Etat: 110-120.000 DM, 50% besorgen wir selbst von Mitgliedern und aus Vermögen. Zuschüsse von Stadt und Landschaftsverband zusammen 150.000 DM. Davon müssen wir alles bezahlen. Dafür sind wir aber auf Grund des Vertrages mit dem Landesmuseum mietfrei und haben sonst einige Hilfen. Das muß man schon mit ca. 100.000 DM veranschlagen. Wenn wir immer die Hälfte selbst besorgen, dann macht uns das freier.“

KV Frankfurt: „Finanzgeplänkel in Frankfurt im Moment hoch. Wir haben einen Ausstellungsetat von 230.000 DM, der soll um 20% gekürzt werden; dann gibt es da noch die stille Kürzung eines Etats für Sonderausstellungen. Eine evtl. Kürzung im Personalhaushalt um 20% ist nicht auffangbar durch das, was ich über den Ausstellungsetat von 230.000 DM hinaus selbst erwirtschafte. Und Sponsoren laufen nur langsam an.“

Landesmuseum Bonn: „Ich habe jetzt für ein ganz anderes Haus 1982 mit 100.000 DM einen Etat, der nicht höher ist als der, den ich im Kunstverein Münster hatte. Also eher düster. Da muß man neue Wege suchen, Botschaften, Mäzene, Kooperationen. Vielleicht muß man auch Faltblätter statt Katalogen machen.“

Kunstmuseum Düsseldorf: „Etat praktisch um die Hälfte auf 100.000 DM gekürzt und da sind noch weitere Kürzungen drin.“

Nationalgalerie Berlin: Ausstellungsetat 175.000 DM, Sondermittel gibt es nur für große Projekte. Ob die Sondermittel des Bundes für Berlin weiter gezahlt werden, ist ungewiß. In diesem Jahr einige Füllsel, wo Geld rein kommt.

In Holland nehmen sich die Prozente der Kürzungen weniger dramatisch aus. Sie liegen zwischen 8 und 10 °7o. Aber selbst wenn in Amsterdam der Etat – so hofft man – gleich bleibt, bedeutet das Verluste und gefährdet das Niveau, wenn man nicht Sponsoren findet, was insbesondere für die amerikanischen Ausstellungen zu gelingen scheint. In Groningen sucht man bei einem Budget von 220.000 Gulden nach der Beteiligung von Verlagen bei der Katalogproduktion. In Rotterdam büßt man von einem Gesamtbudget von 14 Millionen immerhin 2 Millionen Gulden ein. Für Ausstellungen stehen 200.000 bis 300.000 Gulden zur Verfügung.

Schmerzlicher getroffen ist der Baseler Kunstverein, wo man von der Stadt und dem Kanton „Keinen Rappen mehr erhält. Wir haben uns auffangen können, indem wir Eigenversorgung anstreben durch neue Pächter im Restaurant und eine Ausweitung der Bar!“ Immerhin! Mitgliederbeiträge, Katalogverkäufe und Eintritt gehören hier zur Wirtschaftsbasis wie andernorts. In Luzern ist man „an wenig Geld gewöhnt“. Für Ausstellungen stehen 120.000, für Ankäufe 30.000 Schweizer Franken zur Verfügung; der Gesamtbetrieb läuft mit 700.000 SF; 250.000 SF müssen als Minimum selbst erwirtschaftet werden. Ähnlich hoch das Gesamtbudget in Bern, pro Ausstellung kalkuliert man zwischen 30.000 und 50.000 Schweizer Franken ein. Betont wird eine gewisse Unabhängigkeit des Instituts durch die Mitgliederbeiträge.

Der Betrieb läuft also weiter, allen Einsparungen zum Trotz. Der Versuch, die private Hand zu aktivieren, wird zur Lebensnotwendigkeit wie das Streben nach Kooperation. Für Selbstdarstellung von Ausstellungsmachern, sollten sie das je angestrebt haben, werden die Zeiten schlecht. Der Trend zu den gesicherten Werten ist durchaus nicht der Maßstab. Es gibt auch die andere Seite: die Hinwendung zu den Jungen als Tugend in der Not.