Monografie · von Peter Winter · S. 96
Monografie , 1982

Der Maler Norbert Tadeusz

von Peter Winter

Der vierzigjährige Düsseldorfer Maler Norbert Tadeusz gehört nicht gerade zu den beliebtesten und bekanntesten Künstlern im Lande. Dafür sind seine Figuren, Farben und Raumsichten zu aggressiv, zu sperrig-ungeschönt und undelikat-ruppig. Das Nette und Harmonisch-Harmlose, das Agitatorische und Betuliche überläßt er anderen. Akte im synthetisch-grellen Neonlicht, Akte in schräger verzerrter Draufsicht, zumeist passiv hingelagert und eingerollt, halb versteckt im bengalischen Dschungel der Interieurs, sind ein bevorzugtes Motiv seiner Leinwände.

Schon allein sein Temperament hebt ihn aus der Riege der zahlreichen Figurenarrangeure heraus, besonders aus der Realismus-Ebene Berliner Provenienz, wo vor allem zeichnerische Talente die Szene beherrschen. Vitale Koloristen waren bei uns, anders als in Frankreich und Italien, noch nie sehr zahlreich und werden zumeist nicht angemessen gewürdigt: Geschicktes manieriertes Formenspiel und Kopflastigkeit der Sujets erhalten hierzulande oft mehr Beifall als farbiger Impetus. Häufig ist man auch geneigt, zugunsten der „Aussage“ die malerischen Schwächen geflissentlich zu übersehen oder als zweitrangiges Phänomen in Kauf zu nehmen.

Norbert Tadeusz bekennt zwar lakonisch, kein Thema zu haben, jedoch versteckt sich hinter dieser Schutzbehauptung lediglich die Aversion gegen gängige Eingleisigkeit und eindeutige Einordnung. Der Maler, in dessen anregender Atelier-Landschaft die Beckmann-Tagebücher schnell greifbar obenauf liegen, wurde lange Zeit als voyeuristischer Aktmaler kategorisiert. Wie einseitig eine derartige Abstempelung seiner bisherigen Arbeit war, konnte der Besucher der Tadeusz-Ausstellungen im Kunstverein Braunschweig, Museum am Ostwall in Dortmund und in der Neuen Galerie Aachen überprüfen. Bei genauerem Hinsehen merkte der Betrachter bald, daß Umraum-Aspekte und kompositionelle Probleme viel stärker wirksam sind als Fixierung auf bestimmte weibliche Reizpunkte…

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