Gespräche mit Sammlern , 1976

Das Sammlerporträt

11. Folge

Rolf Dittmar

Wir setzen diesmal das ‚Sammler-Porträt‘ mit einem Gespräch fort, das einer ‚kleinen‘ aber hochspezialisierten Sammlung gilt: von Künstlern gestaltete Objekt-Bücher oder Buch-Objekte. Ein Medium, das mehr und mehr untersucht, publiziert und ausgestellt wird; z.B. die Ausstellung im Dortmunder Museum am Ostwall (Januar 76) ‚artists‘ bookworks‘. Auch für die nächste documenta wird eine Abteilung über Künstler-Bücher eingerichtet. Rolf Dittmar ist Rechtsanwalt in Wiesbaden.

Kunstforum: Was verstehen Sie unter Objektbüchern und Buchobjekten?

Dittmar: Das Buch ist wesensmäßig Träger von Sachinformationen über einen fremden, d.h. außer ihm liegenden Sachverhalt. Gleichzeitig kann es Objekt sein, d.h. künstlerisch gestalteter Gegenstand; allgemeiner: Träger einer eigenen ästhetischen Information. Ein so gestaltetes Buch bezeichne ich als Objektbuch. Das Objektbuch ist einerseits Kunstobjekt, andererseits aber immer noch Träger von Sachinformationen. Im Gegensatz zum Objektbuch ist das Buchobjekt kein Buch mehr. Es sieht nur noch so aus.

Kunstforum: Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Dittmar: Vostell hat Bücher einbetoniert, Christo hat Zeitschriften verpackt. Spoerri hat seine Kleidung zu Büchern zerschnitten. Diter Rot hat Bücher aus Leder, mit Quark gefüllte Bücher und solche aus zerschnittenen Zeitungen hergestellt. Es gibt Bücher aus Holz, aus Metall, aus Tüchern, aus zerschnittenen Tapeten und Plakaten. Vasarely, Lourde Castro und Broodthaers haben Bücher aus Transparentfolien gemacht, die ihr Aussehen beim Umblättern von Seite zu Seite verändern. Gojowczyk hat Bücher zusammengeklebt, ausgebrannt, verbunden, eingegossen, geteert und gefedert. Es gibt Seite für Seite bemalte Bücher von Penck und anderen, durch Bemalung verfremdete Bücher. Es gibt verbrannte Bücher von Aubertin. Es gibt livres trouvées.

Kunstforum: Wie sind Sie zu Ihrer Sammlung…

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