Titel: Zwischenbilanz II - Neue Deutsche Malerei · S. 182
Titel: Zwischenbilanz II - Neue Deutsche Malerei , 1983

Markus Oehlen

In maßgeblichen Büchern zum Phänomen der neuen Malerei fehlt sein Name. Weder Achille Bonito Oliva und seine Koautoren erwähnen seinen Namen in der Schrift „Transavantgarde international“ (Milano 1982) noch Wolfgang Max Faust und Gerd de Vries in ihrer Publikation „Hunger nach Bildern“ (Köln 1982). Böser Wille ist keineswegs die Ursache, vielmehr der Umstand, das Markus Oehlen zu den „unbekannten“ Künstlern in unserem Lande zählt, weil er ein Einzelgänger, ja ein Außenseiter ist. Dabei manifestiert sich der „Geist“ der zeitgenössischen-avancierten Malerei in seinem Werk weit exemplarischer als im Beitrag mancher Künstler, die gegenwärtig zur „Szene“ gezählt werden, und die künstlerische Haltung, die er in seinen Bildern an den Tag legt, spiegelt nachdrücklich das Prinzip einer post-modernen Kunst, die sich durch eine „schizophrene Doppelcodierung“ (Charles Jencks) auszeichnet, einer Mischung aus Elitärem und „Jargon der Straße“ (Jencks), Malerei und zugleich AntiMalerei, aus methodischer Kalkulation und unvermittelter Spontaneität, das Prinzip auch der Transavantgarde, das Bonito Oliva mit den Adjektiven „nomadisch“ und „transitorisch“ charakterisiert hat. Die meisten seiner Künstlerkollegen unterhalten eine mehr oder minder intensive Beziehung zur Gegenwartsmusik, Parallelen zwischen den Hervorbringungen der Malerei und der populären Musik sind allenthalben schon bis zum Überdruß gezogen worden, doch neben Walter Dahn ist Markus Oehlen der einzige begabte Musiker unter seinesgleichen. Als Maler ist er hingegen Autodidakt. Dennoch betrachtet er sich als Maler, der gelegentlich seinen musikalischen Neigungen frönt, er komponiert und beherrscht etliche Instrumente, und nicht umgekehrt als malender Musiker. Über handwerkliche Fähigkeiten verfügt er zur Genüge, er hat mehrere handwerkliche Techniken erlernt und ist…

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