Titel: Zwischenbilanz II - Neue Deutsche Malerei , 1983

Zwischenbilanz der Merkwürdigkeiten

von Gabriele Honnef-Harling

„Merkwürdig genug ist es ja, daß die Kunstkritik, nachdem die Welt jahrtausendelang ohne sie sehr gut ausgekommen ist, gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts mit einem Male auf der Bildfläche erscheint.“1 Merkwürdig ist das allerdings, und man möchte hinzufügen, daß die Welt auch heute noch sehr gut ohne die Kunstkritik auskommen könnte.

Dieser Verdacht erhärtet sich, feiert doch die junge deutsche Malerei trotz vernichtender Polemiken aus den Chefetagen der deutschen Kritik auch weiterhin wahre Triumphe; und ich wage die Behauptung, daß sie, allen Unkenrufen zum Trotz, auch weiterhin erfolgreich sein wird.

Man erinnere sich an einen hochgemuten Kritiker, der in simpler Projektion die Künstler als „hochgemute Nichtskönner“ bezeichnete, während ein anderer sich differenzierter mit diesen „Dilettanten“ auseinandersetzte. Konrad Fischer gelang eine bemerkenswerte Umdichtung. Ihm wurde die Mülheimer Freiheit zur Mülleimer Freiheit; und da er so sichtlich stolz auf diesen, seinen Gedanken war, sei hier an das Buch von Barbara Rose aus dem Jahre 1967 erinnert mit dem deutschen Titel: „Amerikas Weg zur modernen Kunst – Von der Mülltonnenschule zur Minimal Art“. Wenig anders äußerte sich ein alternder Anonymus angesichts der „Zeitschweiß“-Arbeiten von Immendorff. Der machte aus „Zeitschweiß“ kurzerhand „Zeitscheiß“. So einfach ist das.

Begeistert dagegen waren die Reaktionen des Hamburger „art“ Magazins. Muß auch die Bildschärfe des Blattes als brilliant bezeichnet werden, dem verzweifelten Versuch der Redaktion, „Spiegel“-deutsch und „Spiegel“-witz zu kopieren, ist trotzdem kein rechter Erfolg beschieden.

Die Liste der Unsäglichkeiten ließe sich beliebig verlängern, doch das hieße einmal mehr, Dummheit auch noch zu hofieren.

Gilt es also Zwischenbilanz zu…

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