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Titel: Zwischenbilanz II - Neue Deutsche Malerei · S. 59 - 60
Titel: Zwischenbilanz II - Neue Deutsche Malerei , 1983

„…so gräßlich häßlich“?

Gedanken zur neuen Kunst, gedacht beim Wiederlesen von Adornos „Ästhetischer Theorie“
von Sabine Schütz

Indifferent und entschieden, ablehnend und enthusiastisch, hilflos und selbstbewußt, in jedem Falle aber vielfältig und kontrovers sind die Reaktionen, die die neue deutsche Kunst seit ihrem spektakulären Debüt vor rund fünf Jahren in der deutschen Kulturlandschaft gezeitigt hat; und bisweilen kann der kunstinteressierte Beobachter der Szenerie sich eines beklemmenden Gefühls nicht erwehren, muß er doch, in Anbetracht so mancher Kritikeräußerung, zu dem Schluß kommen, daß die Kunst, von einigen schon gegen Ende der siebziger Jahre für tot erklärt, nun endgültig im Begriff ist, unter wilden Zuckungen ihren Geist aufzugeben. Hier und da schien man sich gar genötigt zu fühlen, die letzten Reserven des kunstkritischen Repertoires anzubrechen und konfrontierte die Kunst, wohl in der Absicht, sie in einen existentiellen Gewissenskonflikt zu stürzen, mit einem geradezu vernichtenden Urteil: häßlich sei sie! Oder, in koketter Abschwächung: „schön häßlich“; immerhin nämlich berufe sie sich auf eine „Tradition der ‚häßlichen Malerei'“ – gemeint ist der deutsche Expressionismus (nachzulesen im „Kunstforum“ Nr. 47).

„Schön“ und „häßlich“ – Begriffe, mit denen in der aktuellen Debatte recht großzügig operiert wird, deren Definition aber regelmäßig Kontroversen heraufbeschwört, die denen um die Frage, was denn nun eigentlich Kunst sei, kaum nachstehen. Das endet dann meist in einem Chaos der Unverbindlichkeiten, hilflos zieht man sich auf die höchst subjektive „ich finde“-Position zurück. Was immer das Häßliche auch sei, der bürgerlichen Ästhetik (zu deutsch: der Lehre vom Schönen) lag immer daran, seine Existenz in der Kunst zu beschneiden,…

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