Nikolaus Gerhart

Forum Kunst Rottweil, 11.6. – 10.7.1983

Was hat eine Gruppe von Säulen und Pfeilern in einem Forum für zeitgenössische Kunst zu suchen? Nikolaus Gerhart hat diese klassischen Stützen der Architektur dorthin gebracht und sie ganz bewußt dem historischen und symbolischen Beziehungsnetz ausgesetzt.

Sie weisen einige Schmuckelemente auf, wie sie eben zu Säulen und Pfeilern gehören: spiralförmige Rillen und Wülste am Schaft, regelmäßige, halbkreisförmige Ausbuchtungen an Basis- und Pfeilerrand. Daß es sich hierbei nur um Arbeitsspuren handelt, wird aus der Arbeitsbeschreibung sofort klar: Nikolaus Gerhart hat aus einem rechteckigen Steinblock mit einem Rundschnitt einen Säulenschaft herausgeschnitten, dann in Höhe der Basis ( = Standplatte) den Mantel angebohrt, hochgestemmt und abgehoben. Die Gruppe von Säulen und Pfeilern ist damit nichts anderes als das Nebeneinander von Bohrkernen und Hüllen. Sie ist aber gleichzeitig die Bloßstellung der endgültigen Profanisierung, Entideologisierung und auch Entfunktionalisierung dieser klassischen Gebäudestützen.
Hanne Weskott

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