Report: Frankreich · S. 21
Report: Frankreich , 1984

Unser größtes Kapital steht in keiner Galerie

Aspekte der Künstler-Szene Düsseldorf in den 80er Jahren
von Heinz Thiel

Derzeit mit Künstlern über Kunst, Galerien oder Ausstellungen zu reden, bedeutet, irgendwann, meist aber gleich zu anfang eines Gesprächs, nach ‚der‘ Ausstellung dieses Herbstes gefragt zu werden. ,,’Von hier aus‘ ist überall im Gespräch“ – das ‚Düsseldorfer Amtsblatt‘ meldet es stolz und zutreffend. Kasper Königs ‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘ hat die gesamte Medienöffentlichkeit auf Trapp gebracht. Tief in der Provinz oder hoch in den Lüften, wer zum Blättern oder Lesen ein deutsches Presseprodukt in die Hand nahm, wurde mit der Ausstellung in der Halle 13 der Düsseldorfer Messe konfrontiert. Und wie um die bereits perfekt laufende PR-Maschine noch zusätzlich zu unterstützen, gab es einen entrüsteten Kunstmaler, der Salomes Triptychon „Rosa Zeiten“ mit einer Sprühdose zu Leibe rückte und gerade zwei Wochen später brannte eine benachbarte Halle nieder und konfrontierte ungewollt, aber optisch ungemein symbolträchtig die Besucher mit dem Aspekt der Vergänglichkeit.

Über die Vergänglichkeit dieser Ausstellung allerdings läßt sich derzeit nur spekulieren; noch bestimmt die Gegenwart das Bild, und diese Gegenwart ist eher das Meinungsbild über die Ausstellung als die Ausstellung selbst. Die geballte Medienöffentlichkeit hat Düsseldorf für einige Wochen zumindest tatsächlich „in das Zentrum der Kunstszene“ gerückt (wie es, wiederum, selbstbespiegelnd das Düsseldorfer Amtsblatt formuliert). Aber die Verantwortlichen von Stadt und Trägerverein, die ‚Von hier aus‘ als eine Schau der Superlative bewundern, scheinen sich im Zentrum der Kunstszene nicht recht heimisch zu fühlen. Nur aus dem Gefühl, eine vorübergehende Gastrolle zu spielen, läßt sich erklären, warum…

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