Nachrichten
Museen
Zum 73. Geburtstag des Sammlers und Mäzens Prof. Hasso Plattner wurde in Potsdam das Museum Barberini eröffnet. Grundstock des Ausstellungsprogramms mit Präsentationen von den Alten Meistern bis ins 21. Jh. ist Plattners Sammlung. Unter der Direktion von Dr. Ortrud Westheider stellt das Museum „einzelne Themen, Künstler oder Epochen“ vor. Einer der Sammlungsschwerpunkte liegt auf Kunst aus der DDR-Zeit und Werken aus der Zeit nach 1989. Die Eröffnungsausstellung Impressionismus. Die Kunst der Landschaft sowie Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky läuft bis zum 28. Mai 2017 und gibt mit 170 Exponaten einen Einblick in die Sammlung. Geplant sind künftig drei Ausstellungen pro Jahr mit Werken aus der Sammlung, ergänzt um Leihgaben.
Zur Neueröffnung des Museums Barberini siehe auch den Report von Ronald Berg in diesem Band.
Die Skulptur Projekte Münster (10. Juni 2017 bis 1. Oktober 2017) erweitern ihr Aktionsfeld über das Stadtgebiet hinaus und gehen eine Kooperation mit dem Glaskastenmuseum Marl ein: „Die nordrhein-westfälische Stadt Marl mit 85.000 Einwohnern gehört sowohl zum Regierungsbezirk Münster als auch zum Ruhrgebiet. Anders als die kontinuierlich gewachsene Universitäts- und Kaufmannsstadt Münster mit ihren gut 300.000 Einwohnern entstand Marl durch den Zusammenschluss ehemaliger Dörfer mit den Siedlungen der Bergarbeiter und der Chemiebeschäftigten. “Aufgrund dieser Entwicklung hat Marl aber kein historisches Zentrum, sowie Münster mit seinem Prinzipalmarkt. Dafür verfügt Marl über Bausubstanz als „als innovatives Beispiel deutscher Nachkriegsmoderne heute unter Denkmalschutz und repräsentiert somit eine Epoche, die man in der nach historischem Vorbild wiederaufgebauten Stadt Münster nahezu vergeblich sucht.“ So werden denn im Rahmen des Skulpturenprojekts auch die „nach dem Zweiten Weltkrieg von beiden Städten gewählten Identitäten, Wiederaufbau und Kontinuität in Münster, radikaler Gestus in Mar“ reflektiert. Diskutiert werden derzeit die Möglichkeiten eines temporären Skulpturentauschs zwischen den beiden Städten und die Einladung von Künstlern, die in beiden Städten arbeiten wollen. Zudem plant der Glaskasten Marl „eine Ausstellung mit Modellen aus dem eigenen und aus dem Archiv der Skulptur Projekte“. Für den 13. bis 15. September 2017 wird ein Symposion zu der Frage vorbereitet, „ob und unter welchen Bedingungen Skulpturen, Mahnmale und Denkmäler im öffentlichen Raum ihre Berechtigung verlieren“.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) kündigte den Kooperationsvertrag mit dem Teheran Museum of Contemporary Art. Die Sammlung aus der Zeit von Schah Reza Pahlavi (regierte von 1941 bis 1979) sollte ursprünglich ab Anfang Dezember 2016 in der Berliner Gemäldegalerie gezeigt werden. Dies hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Teheran-Besuch im Mai 2016 mit seinen iranischen Gesprächspartnern vereinbart. Doch dann hatte es diplomatische Querelen gegeben: mal hieß es, eine Umbildung des Regierungskabinetts führe zu Verzögerungen bei der Ausfuhrgenehmigung, mal mutmaßte die „Zeit“, die Sammlung sei möglicherweise verwahrlost und die iranische Seite könnte auf die Idee kommen, Falsifikate auszuleihen, mal war von Misstrauen der Iraner die Rede, sie fürchteten, die Leihgaben würden vielleicht nicht zurück gegeben. Als zur Jahreswende 2016/2017 immer noch keine Ausfuhrgenehmigung vorlag, sagte Hermann Parzinger, Präsident der Preußen-Stiftung, die Ausstellung ab.
Aus dem Nachlass des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck stammt die Basis der Sammlung im Duisburger Lehmbruck Museum. Auf Bildhauerei und Installation liegt deswegen der Schwerpunkt der Museumsarbeit nach wie vor, dessen Glashalle der Sohn des Bildhauers, nämlich der Architekt Manfred Lehmbruck (1913-1992) im Jahr 1964 schuf, der auch 1987 am Erweiterungsbau wesentlich beteiligt war. Jetzt wird bei einem Klangkunstprojekt von Danica Dakic diese „Glashalle selbst zur Skulptur“. Bis zum 19. März 2017 realisiert die Künstlerin hier ihr Projekt „Missing Sculpture“ mit „komplexen Soundcollagen aus zusammengewobenen Stimmen von Menschen verschiedener Altersstufen und Milieus aus Duisburg“.
Der Düsseldorfer Fotokünstler Andreas Gursky schenkte der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sein vier Meter breites und über 2 Meter hohes Bild „Tote Hosen II“ (2014). Es war während eines Konzerts der gleichnamigen Punkrock-Band entstanden und zeigt die Bühne „mit dem abstrahierten Reflex der Musiker auf einer riesigen LED-Wand“.
In Bottrop beschäftigt man sich derzeit mit der Erweiterung des Josef Albers Museums Quadrat. Das Bauvorhaben führt zu einem Zugewinn an 700 Quadratmetern Museumsfläche und kostet 10 Mill. Bis Ende 2018 soll der Erweiterungsbau fertig sein.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat zum Jahresbeginn 2017 neue Galerie-Räume in Berlin-Kreuzberg bezogen. Dort stehen in der Oranienstr. 161 den Mitarbeitern und Gästen auf zwei Etagen 500 qm zur Verfügung. In den Studioräumen finden Lesungen, Performances, Filmvorführungen, Tanz und Ausstellungen statt. Der DAAD ermöglicht etwa 20 Stipendiaten pro Jahr einen zwölfmonatigen Berlin-Aufenthalt.
Der schriftliche Nachlass und das Archiv des Frankfurter Künstlers Peter Roehr (1944 –1968) umfasst über 2.500 Dokumente, die zweieinhalb Jahre lang digitalisiert und für eine Online-Präsentation aufbereitet wurden. Roehr schuf in den 1960er Jahren serielle Bilder aus Werbeprospekten, Bierdeckeln, Preisetiketten und ähnlichen Alltagsmaterialen sowie Foto- und Filmmontagen, durch die ihn er zu einem wichtigen Vertreter der deutschen Nachkriegskunst avancierte. Paul Maenz, späterer Galerist von Peter Roehr, hatte 2011 das Archiv dem Museum Moderner Kunst Frankfurt geschenkt. Das komplette Archiv ist einsehbar über www.archiv-peter-roehr.mmk-frankfurt.de
Gottfried Helnwein schenkte der Wiener Albertina sieben seiner Gemälde. Das Museum kann nun für seine Schausammlung mit rund 500 Werken künftig auch einen Helnwein-Raum einrichten. Die Albertina unterhält Künstlerräume von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Anselm Kiefer, Alex Katz und Maria Lassnig.
Kulturpolitik
Kader Attia, Installationskünstler und Fotograf, wehrt sich mit einer juristischen Klage gegen das Musiklabel „Universal Music“ wegen eines Plagiats: Attia hatte in seiner Installation „Ghost“ Silhouetten aus Alufolie im Raum inszeniert, die wie am Boden hockende betende Figuren aussehen. Im Video „Putain d’époque“ der französischen Rapper Dosseh und Nekfeu sind ebenfalls Performer mit Rettungsfolie zu sehen, zum Teil hocken auch sie am Boden. Youtube hat das Rapper-Video inzwischen aus seinem Kanal entfernt. Kader Attia verteidigt sein Vorgehen mit den Worten: „Jeder Künstler, sei es ein Musiker oder bildender Künstler, muss für die Integrität seiner Arbeit und den Respekt ihr gegenüber kämpfen“. In Sachen „Approbation Art“ gab es auch früher schon Gerichtsprozesse um das Urheberrecht: Jeff Koons verlor z.B. 1987 einen solchen Prozess gegen den Fotografen Art Rogers, dessen Foto Koons für das Abbild eines seiner „Puppies“ als Vorlage genommen hatte – einen anderen Prozess in ähnlicher Sache im Jahr 2000 gegen die Fotografin Andrea Blanch gewann Jeff Koons allerdings. Wegen Verletzung des Urheberrechts wurde 2008 in New York auch der Künstler Richard Prince verurteilt, weil er Fotoarbeiten aus der „Canal Zone“ von Patrick Cariou ohne dessen Genehmigung benutzt und nur minimal verändert hatte. Der Galerist Larry Gagosian, der solche Prince-Werke für zehn Mill. Dollar verkauft hatte, wurde vom Gericht dazu verdonnert, seine Käufer darüber zu informieren, dass diese Werke nicht mehr öffentlich ausgestellt werden dürfen. Der südafrikanische Konzeptkünstler Kendell Geers hingegen bewertet das Plagiat ganz anders und forderte in einem offenen Brief Kader Attia auf, seine Klage gegen das Musik-Label zurück zu ziehen, denn nach Geers Meinung sollte jeder Künstler das Recht haben, „zu zitieren, zu sampeln, zu huldigen“.
Beim Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt kamen am 19. Dezember 2017 zwölf Menschen ums Leben. Der Täter hatte als Tatwerkzeug kurz zuvor einen polnischen Lastwagen gestohlen und den Fahrer ermordet. Die Diskussion, ob dieser Lastwagen nach Beendigung der kriminaltechnischen Untersuchungen zum Fundus des Museums Haus der Geschichte Bonn gehören soll oder nicht, empfinden manche als bizarr. So hielt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, die Debatte für „nicht würdevoll“, und auch der Stiftungspräsident des Museums Hans-Walter Hütter erklärte, wenige Wochen nach dem Anschlag sei es noch „zu früh“, darüber nachzudenken. Allerdings sei es ein „normaler Vorgang“, bei einem Museum, das die deutsche Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert, zu erwägen, was in die Sammlung aufgenommen werden soll. Musealisierung bedeutet allerdings oft nachträgliche Anerkennung oder gar Nobilitierung, und so fragte der „Stern“ bangend: „Ist das nicht gleichsam ein Ritterschlag für den Täter?“ Als Antwort versicherte Hütter, „das Geschehen darf auf keinen Fall nur aus Sicht des Täters dargestellt werden“, und im Berliner „tagesspiegel“ kommentierte Malte Lehming die frivole Möglichkeit, „sich Kaugummi kauende Teenies vorzustellen, wie sie vor dem Lastwagen Selfies machen.“
Wenn in den sozialen Medien verbal geholzt und auf manchmal übelste Weise gehetzt und gepöbelt wird, reagieren die Betreiber solcher Plattformen oft ziemlich dickfellig, Hasspropaganda und dergleichen zu löschen. Im Falle einer Karikatur des als „Bananensprayer“ bekannten Künstlers Thomas Baumgärtel über den US-Präsidenten Donald Trump als Banane verzehrenden Affen reagierten die Twitter-Verantwortlichen jedoch prompt und versagten dem Tweed die Genehmigung zur Veröffentlichung. Das Originalbild hatte Baumgärtel ausgerechnet am Tag von Trumps Amtseinführung an einen Sammler aus dem Ruhrgebiet verkauft. Der Künstler fühlte sich von Twitter zensiert, was in diesem Falle schon erstaunlich ist, da ja Donald Trump selbst bei seinen eigenen Twitter-Kommentaren ein Freund von bisweilen äußerst drastischen Formulierungen ist. Aber wie es in den Wald hinein schallt, so darf es aber offensichtlich nicht immer auch hinaus schallen.
Hochschulen
Thomas Locher ist neuer Rektor der HGB-Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Locher löst seine Vorgängerin Prof. Ana Dimke ab, die die HGB seit 2011 leitete und „aus persönlichen Gründen“ das Amt aufgab.
Im letzten Wintersemester 2016/17 wurde Prof. Dr. Markus Holzbach zum neuen Dekan des Fachbereichs Design an der HfG Offenbach gewählt. Er löst Prof. Frank Georg Zebner ab, der das Amt seit 2010 innehatte. Markus Holzbach lehrt seit 2009 als Professor im Lehrgebiet Visualisierung und Materialisierung und leitet das Institut für Materialdesign IMD an der Hochschule.
Folke Köberling ist neue Professorin am Institut für Architekturbezogene Kunst im Department Architektur an der Technischen Universität Braunschweig. Sie trat damit die Nachfolge von Prof. Azade Köker an. Köbberling arbeitet künstlerisch mit subtilen Umnutzungen vorhandener Strukturen im urbanen Raum. Lehraufträge nahm sie bereits u.a. am Art Center College of Design Pasadena, der Metropolitan University in London, der UDK Berlin, der Universität für angewandte Kunst Wien und der Wayne State University, Michigan wahr. Matthias Reichelt veröffentlichte über Folke Köbberling und ihre Projekte zusammen mit Martin Kaltwasser eine Monografie in „Kunstforum“ Bd. 220 (213).
Die Dresdner Sommerakademie feiert in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen. Mit 18 klassischen und experimentellen Angeboten wird das Programm in diesem Jahr vom 23. Juli bis zum 5. August 2017 abgehalten. Dazu haben die Organisatoren Dozenten eingeladen, die von Anfang an dieses Projekt begleitet haben, „so Belle Shafir aus Tel Aviv (Plastik/Installation), Martin Puppe aus Chile (Skulptur Holz), Maria Rucker aus München (Skulptur Stein), die Leipziger Steffen Junghans (Fotografie) und Jochen Plogsties (Malerei), Gundula Schulze Eldowy aus Peru (Fotografie), Kerstin Schaefer aus Stuttgart (Malerei), Jan Brokof (Holzschnitt) und Henrik Schrat (Zeichnung) aus Berlin, Sándor Dóró (Zeichnung) und David Buob (Video) aus Dresden“.
Wer in Baden-Württemberg ein Zweitstudium absolvieren will und nicht aus einem EU-Land stammt, soll demnächst Studiengebühren bezahlen. Dem Stuttgarter Landtag liegt ein entsprechender Gesetzentwurf vor. Die Kunstakademie Stuttgart verweist auf Dänemark und Schweden, wo „vergleichbare bildungsökonomische Maßnahmen“ eingeführt wurden und befürchtet deswegen auch in Baden-Württemberg „einen Schwund der zahlungspflichtigen internationalen Studierenden auf ein Drittel des aktuellen Bestands … Sollte Baden-Württemberg als einziges Bundesland eine Gebühr für Studierende aus Nicht-EU-Ländern einführen, wird sich diese Rückgangsprognose aufgrund des zusätzlichen Konkurrenznachteils für die Akademie vermutlich weiter zuspitzen.“ Eine solche Bildungsökonomie konterkariert das akademische Selbstverständnis der Akademie und auch die politischen Zielvorstellungen des Landeshochschulgesetzes: „Der interkulturelle Austausch, das Anwerben und Auswählen qualifizierter, ausländischer Studierender, und die Bindung dieser als wertvolle Botschafterinnen und Botschafter an die Akademie, die Stadt und das Land, stellen kunstakademische Qualitätsmerkmale dar, von denen ausnahmslos alle profitieren. …Eine weitere Verengung der Anzahl an Bewerbungen für ein Studium an der ABK Stuttgart auf finanziell besser aufgestellte Bewerberinnen und Bewerber liefe den Bedürfnissen und Aufgaben der Akademie zuwider …“ www.abk-stuttgart.de
An der Kunstakademie Nürnberg wurden in der Klasse für Grafik-Design/ Visuelle Kommunikation von Prof. Holger Felten und Prof. Friederike Girst im Rahmen des Klassenwettbewerbs die Preise der Danner-Stiftung vergeben. Den ersten Preis erhielt Martin Kufieta für die Ausstellung 1000 Likes, die der Student gemeinsam mit Matthias Brandl im Sommer 2016 in der Akademie Galerie Nürnberg realisiert hat. Dabei ging es thematisch um die Autorenschaft von Fotoaufnahmen in den Zeiten des Internets. Den zweiten Platz belegten Jonas Höschl und Alf Rohn mit ihrer Publikation Inshallah/Patatas mit einer Dokumentation über die Flüchtlingscamps auf dem Balkan und auf Lesbos.
Galerien
Die Berliner Galeristin Barbara Weiss ist nach langer Erkrankung im Alter von 56 Jahren verstorben. Sie war Ehefrau des Kurators und Museumsleiters Kasper König. Nachdem sie seit Ende der 1980er Jahre in Berlin mit Michael Johannes Wewerka die Galerie Wewerka und Weiss betrieben hatte, gründete sie 1992 ihre eigene Galerie in der Potsdamer Straße und erregte schon mit der ersten Ausstellung Aufsehen, als sie den amerikanischen Fotografen und Filmemacher Larry Clark präsentierte: dieser war bis in die 1990er Jahre in Deutschland nur Insidern bekannt. Clark hatte mit seinem ersten Fotoband „Tulsa“ 1971 die dortige Drogenszene und in den 1980er Jahren unter dem Titel „Teenage Lust“ die Sexualität Jugendlicher dokumentiert, und dies in einer schonungslosen Bildsprache, die mitunter kontroverse Diskussionen auslöste. Der Galeristin ist auch die Wiederentdeckung der rumänischen Künstlerin Geta Brătescu zu verdanken, die im Westen bis dato kaum bekannt war. Im Laufe der Jahre wurde Barbara Weiss zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Galeristinnen in der Hauptstadt und im internationalen Kunstbetrieb: ihre Galerie, mit der sie 2001 in die Nähe des Checkpoint Charlie und vor fünf Jahren in die Kohlfurter Straße umzog, beschreibt die „Süddeutsche Zeitung“ als „Pilgerort für ein inhaltlich interessiertes Publikum“. Über das stets um bewusste Zurückhaltung bemühte Auftreten der Galeristin urteilte „artnet.news“ in einem Nachruf, sie sei ein „master of understatement“ gewesen. Zu den Stammkünstlern ihrer Galerie gehören u.a. Nicole Eisenman, Amelie von Wulffen, Monika Baer, Maria Eichhorn, Niele Toroni, Roman Signer, Thomas Bayrle, Boris Mikhailov und Andreas Siekmann, deren Aktivitäten die Galerie auch kontinuierlich mit Publikationen begleitete; von ihnen erschienen viele im Kölner Verlag der Buchhandlung Walther König. Wie „Monopol“ berichtet, soll die Galerie weiter geführt werden: wegen ihrer Erkrankung hatte Barbara Weiss schon zu Lebzeiten die Leitung in die Hände von Bärbel Trautwein und Daniel Herleth gelegt.
Das Gallery Weekend Berlin präsentiert vom 28. – 30. April 2017 Ausstellungen mit etablierter und neu zu entdeckender Kunst in 47 Berliner Galerien. So präsentiert z.B. die Galerie Eigen + Art den Künstler Olaf Nicolai und die !Mediengruppe Bitnik; Charlotte Posenskes Arbeiten sind bei Mehdi Chouakri zu sehen und Werke des Performers und Medienkünstlers Jürgen Klauke in der Galerie Guido W. Baudach. Die Galerie Carlier I Gebauer schickt Thomas Schütte ins Rennen und Max Hetzler stellt Günther Förg und Toby Ziegler aus. Die „ZEIT“ gelangte zu dem Urteil: „Das Gallery Weekend Berlin hat sich zu einem der wichtigsten Termine im internationalen Kunstgeschehen entwickelt. Drei Tage lang … zeigen die Berliner Galerien zeitgleich ihre wichtigsten Künstler des Jahres und machen deutlich, was die Kunstwelt der Hauptstadt zu bieten hat. Das gilt nicht nur für die … offiziellen Teilnehmergalerien, sondern auch für die mindestens 300 inoffiziellen, die sich dem Ereignis anschließen
“
www.gallery-weekend-berlin.de
Biennalen
Christine Macel, künstlerische Leiterin der kommenden Biennale Venedig und Biennale-Präsident Paolo Baratta präsentierten auf einer Pressekonferenz Programm und Künstlerliste. Das diesjährige Motto lautet „Viva Arte Viva“ (Es lebe die Kunst, sie lebe), wobei Barrata mit deutlichen Worten auf die aktuelle weltpolitische Situation einging: die Ausstellung ließe sich von einem Humanismus inspirieren, und dieser sei „ein Humanismus, in dem das künstlerische Handeln gleichzeitig ein Akt des Widerstands, der Befreiung und der Freigebigkeit wird“. Das Leitmotiv ist als „Ausdruck der Leidenschaft für die Kunst“ und als Bekenntnis zum Status des Künstlers gemeint. Die kommende Biennale sei eine solche, die „mit den Künstlern durch die Künstler und für die Künstler entworfen“ sein wird. Die Hauptausstellung wird in 9 Transpavillons aufgeteilt sein. Der Parcours beginnt mit dem „Pavillon der Künstler und der Bücher“, geht über in den „Pavillon der Freuden und der Ängste“. Weitere Pavillons widmen sich der Erde, den Traditionen, den Schamanen, dem Dionysischen, den Farben, der Zeit und der Unendlichkeit. Parallel zur Ausstellung werden diverse Ereignisse und Performances stattfinden. 120 Künstler bestreiten die diesjährige Biennale und von ihnen sind 103 das erste Mal in der Hauptausstellung vertreten. Aus Deutschland sind Michael Beutler, Andy Hope, Fiete Stolte und Franz Erhard Walther eingeladen, ebenso die in Mailand lebende Irma Blank und die deutsch-amerikanische Künstlerin Kiki Smith (New York). Auch etliche andere Künstler leben und arbeiten in Deutschland, so z.B. Kader Attia, Olafur Eliasson oder Agnieszka Polska Dazu in diesem Band: Ein ausführliches Gespräch mit Christine Macel: Ein Ausruf, ein leidenschaftlicher Schrei für die Kunst. www.labiennale.org
Obwohl die Türkei das Abkommen „Kreatives Europa“ aufkündigte und deswegen keine Fördergelder mehr von der EU für den Kulturaustausch erhält, wollen Michael Elmgreen und Ingar Dragset als Kuratoren an der Istanbul Biennale festhalten: trotz der innenpolitischen Spannungen und trotz der Terroranschläge in jüngster Zeit soll die Biennale allen Widrigkeiten zum Trotz wie geplant im September 2017 stattfinden. Allerdings ist die Situation für die Kuratoren äußerst schwierig: auf Druck der regierenden nationalkonservativen Erdogan-Partei AKP war vor einigen Wochen die Kuratorin der Cannakale-Biennale zurückgetreten. Kenner des türkischen Kunstbetriebs beurteilen auch die derzeitigen Rahmenbedingungen für die Galerien in Istanbul als politisch und wirtschaftlich schwierig; manche mussten in jüngster Zeit schließen. Die Anziehungskraft der Stadt für Touristen hat deutlich nachgelassen, der Boom mit der Gründung neuer Kunstmessen, Biennalen und Galerien ist spätestens seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 vorbei. Beral Madra, Kuratorin der ersten beiden Istanbul Biennalen 1987 und 1989 und ebenso mehrfach Kommissarin für den türkischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, beschrieb die Stimmung nach dem Putschversuch im Interview mit der „ZEIT“: „Die Hauptproduzenten der zeitgenössischen Kunst, die Künstler, Kuratoren und Kritiker, haben… keine Macht. Der Kunstbetrieb bildet eine ganz kleine Zivil-Initiative in der Türkei, er stellt aus Sicht der Regierung keine Gefahr dar. Die Kunst wird hier von den Mächtigen nur wahrgenommen, wenn sie dem Kulturtourismus oder der herrschenden Ideologie hilft. Repression und Zensur sind allerdings keineswegs fremd in der Kunst der Türkei ….“ http://bienal.iksv.org
OMA ist eine Initiative von Architekten und Urbanologen mit Büros in Rotterdam, New York, Hongkong, Peking, Dubai, Brisbane und Doha (Katar). Für die Manifesta 12 in Palermo ist OMA als „Creative Mediator“ eingeladen. Zu führte OMA soeben eine „Kick-off Woche“ mit einer ersten Forschungssitzung in Palermo durch, um die verschiedenen Aspekte „von Palermos verschiedensten Vierteln zu erkunden und einen genaueren Blick auf den sozialen, historischen und wirtschaftlichen Kontext dieser Stadt zu werfen. Die Forschungsaktivitäten wurden von lokalen Spezialisten wie Sozialarbeitern, Studenten, Architekten und Einwanderern durchgeführt, die … eine genaue Vorstellung vermittelten, wie man die Komplexität von Palermo in all seinen Aspekten verstehen kann …“ Die nächste Manifesta findet 2018 im Palermo statt. www.oma.eu
Nach 2009 und 2012 findet die Katmandu Triennale jetzt zum dritten Mal statt (24. März bis 9. April 2017). Kurator ist Philippe Van Cauteeren, künstlerischer Direktor des S.M.A.K-Museums in Gent. Bei der Biennale von Venedig 2015 hatte Van Cauteren den irakischen Pavillon kuratorisch betreut. Zum Triennale-Thema „My City, My Studio / My City, My Life“ lädt er jetzt ca. 50 Künstler nach Katmandu ein. Sie kommen aus 25 Ländern, „Patron artist“ für die Ausstellung ist der gebürtige Belgier Françis Alÿs. Austauschmöglichkeiten, Gesprächsrunden, Workshops und Meisterklassen ergänzen das Programm. http://kt.artmandu.org
Messen
Die „South China Morning Post“ apostrophierte die Art Basel Hongkong (23. bis 25. März 2016) als „Asiens Kunstmesse Nr. 1“. Auch der dort arbeitende Museumskurator Tobias Berger sieht in der Sonderwirtschaftszone einen eindeutigen Standortvorteil und beschrieb diesen in einem Interview mit der „ZEIT“: „… eine Messe wie … in Hongkong wäre in Peking oder Shanghai schlicht nicht möglich. Man bekommt die Kunstwerke nur schwer nach Festlandchina hinein, die müssen alle geprüft werden, und das dauert. Man kann sie zum Teil nicht ausstellen. Und dann bekommt man sie auch schwierig aus dem Land hinaus. Bestimmte kritische Werke dürfen Sie nicht aus China exportieren. Welcher Galerist oder Sammler will sich das antun?“ Die etwa 240 Galerien bieten einen Überblick über die aktuellen Tendenzen in einem globalisierten Kunstbetrieb; die Veranstaltung versteht sich zugleich aber auch als „Portal für Kunst aus der Region“: für Galerien aus Asien und dem asiatisch-pazifischen Raum steht der Sektor „Insight“ zur Verfügung. Im vergangenen Jahr kam etwa die Hälfte der 231 Teilnehmer aus Asien. Im Sektor „Galleries“ sind etwa 180 – 190 Aussteller vertreten, die Kunst des 20./21. Jh. aus der Epoche der Moderne und der zeitgenössischen Kunst anbieten. Ein dritter Sektor „Discoveries“ ist für junge, aufstrebende Künstler am Anfang ihrer Karriere reserviert. Hier können Galerien einen Künstler aus ihrem Programm in einer Solo-Show vorstellen oder ein Werk, das eigens für diese Kunstmesse geschaffen wurde. www.artbasel.com/hong-kong
„Cutting Edge“ bedeutet im Englischen „Schnittkante“ und unter „Cutting Edge Art“ versteht man innovative topaktuelle Kunst. Dieser jungen zeitgenössischen Kunst will die Art Cologne (26. bis 29. April 2017) künftig in ihrer Halle 11.3 mehr Raum geben und führt daher einen neuen Bereich „Neumarkt“ ein: Mit diesem neuen Format „haben junge Galerien, die maximal zehn Jahre alt sind, die Chance, sich auf drei unterschiedlichen Standflächen zu präsentieren. Damit werden die bereits bekannten Formate NEW CONTEMPORARIES und die COLLABORATIONS in einer Plattform integriert und bilden“ auf der Art Cologne nunmehr „den zentralen Ort für junge Kunst“. Neben Flächen für kleine Stände (20 Quadratmeter) mit besonderen Solopräsentationen gibt es ebenso mittelgroße Stände (30 Quadratmeter) „mit sorgfältig ausgesuchten Gruppenausstellungen von maximal drei Künstlern“ und größere 40 qm-Stände „für kuratierte Präsentationen von Galerien aller Altersklassen“. In dieser „Neumarkt“-Abteilung findet man Galerien wie The Journal (New York), Clages (Köln), Choi & Lager (Köln) oder Emmanuel Layr (Wien). Die Halle 11.2. ist für Zeitgenössische Kunst mit Galerien wie Hans Mayer (Düsseldorf) oder Thaddaeus Ropac (Salzburg) reserviert. In der Halle 11.1. findet man die Klassiker. Hier bieten Galerien wie Levy (Hamburg), Margarete Roeder (New York) oder Le Minotaure (Paris) ihr Programm an.
Satellitenmessen zur Art Cologne hatten es immer schwer in Köln. Ob „Unfair“ in den 1990er Jahren oder „Tease Art Fair“ im Jahrzehnt nach dem Millennium – kaum eine Nebenmesse hielt länger als drei Jahre durch. Auch die ART.FAIR wandert in diesem Jahr nach Düsseldorf ab, und so ist die Kölner Liste im immerhin vierten Jahr die einzige, die als „Entdeckermesse“ als etablierte Programm der Art Cologne ergänzt. Auf der Kölner Liste sind unter den etwa 100 Teilnehmern nicht nur Galerien zu finden, sondern auch Projekträume und Künstlergruppen, so dass das Programm nicht so „kunstmarktkonform“ wirkt wie bei den großen Edel-Messen. Kurator ist wie schon bisher der Berliner Kunstjournalist Peter Funken. Veranstaltungsort ist das X-Post-Gelände am Rande der Innenstadt, mit der Art Cologne auf der anderen Rheinseite per Shuttlebus-Service verbunden. www.koelner-liste.org
Unter der Regie der neuen künstlerischen Direktorin Myrna Ayad wird die Art Dubai vom 15. bis zum 18. März 2017 in Madinat Jumeirah, Dubai, ausgerichtet. Zugelassen sind ca. 90 Galerien aus 44 Ländern. 25 von ihnen nehmen zum ersten Mal an dieser Messe teil. Eingeteilt ist der Parcours in einen zeitgenössischen und einen modernen Bereich. Dabei umfasst der Sektor „Art Dubai Contemporary“ ein Teilnehmerfeld von 77 Galerien. Dazu gehören u.a. die Marianne Boesky Gallery (New York), Carlier | Gebauer (Berlin), die Galleria Franco Noero (Torino) und die Marlborough Gallery (New York, London, Barcelona, Madrid). 14 Galeristen bespielen mit ihrem Angebot die Sektion „Moderne”; sie kommen aus dem Mittleren Osten, Afrika und Asien. www.artdubai.ae
Personalien
Gerhard Richter feierte am 9. Februar 2017 seinen 85. Geburtstag. An diesem Tag wurde auch seine Ausstellung im Kölner Museum Ludwig eröffnet, in der seine neuesten Bilder aus dem Jahr 2016 zu sehen sind (Laufzeit bis 01.05.2017). Anschließend zeigt das Dresdner Gerhard Richter Archiv diese Arbeiten vom 20.05 – 27.08.2017 im dortigen Albertinum. „Sie unterscheiden sich von allen anderen, seit 1976 gemalten abstrakten Bildern, und stehen für einen dynamischen malerischen Neuanfang. Die insgesamt 26 Arbeiten knüpfen an die Werke der späten 1980er Jahre an und beeindrucken durch ihre leuchtende und kleinteilige Vielfarbigkeit.“Aus Anlass seines Geburtstages präsentieren außerdem die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die Kabinettausstellung „Benjamin Katz fotografiert Gerhard Richter“ mit einer Auswahl an Arbeiten des Fotografen Benjamin Katz aus den Jahren 1964 bis 2016 (Laufzeit bis 21.05.2017). Einen vollständigen Überblick über Gerhard Richters Editionen bietet das Essener Museum Folkwang ab dem 7. April 2017. Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren und studierte von 1951 bis 1956 dort an der Hochschule für Bildende Künste. 1961 ging er nach Düsseldorf, wo er an der dortigen Kunstakademie von 1971 bis 1993 Professor für Malerei war. Wichtige Retrospektiven seines Werkes hatte er in Venedig (1972), Düsseldorf (1986), Paris (1993), New York (2002) und London (2012). Zur Richter- Ausstellung im Museum Ludwig Köln siehe auch die Rezension in diesem Band.
Bruce Nauman, Pionier der Video- und Performancekunst, feierte kürzlich seinen 75. Geburtstag. Unlängst zeigte die Schirn Kunsthalle Frankfurt sein Werk in einer Gegenüberstellung mit Alberto Giacometti. Nauman präsentierte dort Videos, Zeichnungen, Fotoarbeiten, Skulpturen und raumgreifende Installationen. Im deutschen Kunsthandel wird Bruce Nauman von der Konrad Fischer Galerie (Düsseldorf/Berlin) vertreten. Aktuell ist Bruce Nauman bis zum 1. April 2017 an der Gruppenausstellung „Mouse in the Machine: Nature in the Age of Digital Art“ der Thoma Art Foundation in Santa Fé beteiligt.
Tristram Hunt übernimmt die Leitung des Victoria and Albert Museum in London. Der Labour-Abgeordnete für Stoke-on-Trent gibt dafür seinen Sitz im britischen Parlament auf. Er tritt damit die Nachfolge von Martin Roth an. Der promovierte Historiker Hunt veröffentlichte mehrere Bücher und produzierte auch TV-Beiträge zur Geschichte Großbritanniens.
Antoine de Galbert, Sammler, schließt seinen Pariser Ausstellungsraum „La maison Rouge“ Ende 2018. Das Kunstzentrum mit 2.000 qm Fläche existierte auf dem Boulevard de la Bastille seit 2004. Ihm sei schon bei der Eröffnung klar gewesen, dass dies ein zeitlich begrenztes Projekt sei, das man irgendwann aus freiem Entschluss auch wieder beenden müsse. Ab 2019 will de Galbert dann neue Formen der Schirmherrschaft entwickeln. Mit Antoine de Galbert hatte Heinz-Norbert Jocks für „Kunstforum“ Bd. 211 (2011) ein ausführliches Interview geführt.
John Berger (1926 – 2017), britischer Künstler, Kunstkritiker, Schriftsteller und Dichter, starb im Alter von 90 Jahren. Die documenta 14 hatte sein Werk 2015 in ihrer temporären Magazinreihe „South as a state of mind“ in einem Text von Nikos Papastergiadis vorgestellt. Berger begann seine Karriere in den späten 1940er Jahren als Maler, wurde später Zeichenlehrer und Kunstkritiker. Mit seinem Eintreten für einen humanen Marxismus und als Aktivist der Friedensbewegung in den 1950er Jahren war er in der Zeit des Kalten Krieges umstritten – damals war der Zeitgeist im Westen durch einen strikten Antikommunismus geprägt. 1962 siedelte John Berger nach Frankreich über. Für seinen Entwicklungsroman „G,“ wurde er 1972 mit dem Booker Prize bedacht. 2006 machte er Schlagzeilen, als er wegen der Besatzungspolitik Israels eine Veröffentlichung seiner Texte in einem großen israelischen Verlag ablehnte. Auf deutsch erschienen zuletzt 2016 im Münchener Hanser Verlag seine Essays „Der Augenblick der Fotografie“.
Preise
Isa Genzken nimmt am 7. Oktober 2017 den Kaiserring der Stadt Goslar entgegen. Die in Berlin lebende Bildhauerin gilt als eine der wichtigsten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart; sie führe seit mehr als 30 Jahren „den internationalen Diskurs der Bildhauerei mit an, so die Jury. In ihren Fotografien, Installationen und Skulpturen thematisiere sie die „Umbrüche, Gegensätze, Gewalt und Brutalitäten unserer Gesellschaften“. Der Kaiserring-Preis ist undotiert, zählt aber nach wie vor zu den wichtigsten Auszeichnungen für renommierte Künstler. Er besteht aus einem schlichten Goldring mit dem Bildnis des am 11. November 1050 in Goslar geborenen Kaisers Heinrich IV.
Hans Haacke nimmt am 31. März 2017 im Kunsthaus Zürich den Roswitha Haftmann-Preis entgegen (150.000 Franken). Der Preis geht auf die 1998 verstorbene Zürcher Galeristin Roswitha Haftmann zurück und wird seit 2011 an „namhafte Künstler“ vergeben. Haacke wird für „sein jahrzehntelanges mutiges und unangepasstes Engagement, seine Fähigkeit, durch künstlerische Provokation gesellschaftliche Debatten auszulösen, aber auch seine intellektuelle Brillanz und die formale Qualität seiner Arbeiten“ geehrt. Er lebt seit 1965 in New York und profilierte sich als politischer Künstler. Für Aufregung sorgte 1971 die Absage seiner Ausstellung im New Yorker Guggenheim Museum im Jahr 1971, bei er eine Arbeit über Immobilienbesitz und -spekulation zeigen wollte. 1993 wurde er zusammen mit Name June Paik mit dem Goldenen Löwen für den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig ausgezeichnet. Für seine Installation „Germania“ zerstörte er im Pavillon den Bodenbelag aus der Nazizeit. 2015/2015 durfte er den vierten leeren Denkmalsockel am Londoner Trafalgar Square bespielen. Haackes Beitrag „Gift Horse“ bestand aus einem schwarzen Pferdeskelett mit einem „Geschenkband“, das aus einem Liveticker mit den Börsenkursen bestand.
Anish Kapoor spendet sein Preisgeld in Höhe von einer Million US-Dollar für die Flüchtlingshilfe. Mit dem Preis zeichnet ihn die The Genesis Foundation für sein soziales Engagement aus. Die Ehrung gilt in der Fachwelt als „Jewish Nobel Prize“. Kapoor ist Träger des renommierten Turner-Preises und wurde von der Queen zum Ritter geschlagen. Mit einem Privatvermögen von etwa 152 Mill. Euro gilt er als einer der reichsten Künstler Großbritanniens.
Douglas Gordon darf jetzt den Titel Commandeur der Arts et des Lettres tragen. Die Auszeichnung wurde 1957 vom französischen Kulturminister ins Leben gerufen und ist die höchste der drei Ehrungen, die der französische Staat an Kulturschaffende und Intellektuelle vergibt. Der aus Glasgow gebürtige Künstler arbeitet im Medienbereich; sein jüngster Film aus dem Jahr 2016 beschäftigt sich mit Jonas Mekas, einem der wichtigsten Protagonisten des Avantgardefilms.
Richard Deacon wird mit dem Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur der gleichnamigen Stiftung bedacht (30.000 Euro). Mit der Auszeichnung ist eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn im Herbst 2017 verbunden. Deacon arbeitet mit raumgreifenden Skulpturen in fließenden Formen. Mit dem Künstler hat Sabine B. Vogel ein Interview für Kunstforum Bd. 244 (S. 158) geführt.
Katharina Sieverding erhält den Käthe-Kollwitz-Preis 2017. Mit der Auszeichnung würdigt die Akademie der Künste eine Künstlerin, die seit den 1960er Jahren das Zeitalter der großformatigen Fotokunst einleitete. Ihr Grundthema ist die „Identität als Individualität und Dividualität und als kollektives Individuum“. Zu ihren Hauptwerken zählen der „Stauffenbergblock“ 1969 und seit 1973 das umfangreiche Transformer-Projekt in monumentalen raumbezogenen Multi-Channel-Projektionen. In den 1970er Jahren entstanden auch Fotoserien von mehrfach übereinander geschichteten weiblichen und männlichen Ektachrome-Porträts.
Ausschreibungen
Das Land Salzburg vergibt Stipendien in Höhe der Kursgebühr zum Besuch der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg vom 17. Juli bis 26. August 2017. Darum bewerben können sich begabte Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen der allgemein bildenden höheren Schulen und ab der 3. Klasse bzw. ab dem 3. Jahrgang der berufsbildenden Schulen sowie Salzburger Kunst- und Architekturstudierende (z.B. an der Universität Mozarteum in Salzburg, der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, der Akademie für bildende Künste Wien und der Universität für angewandte Kunst in Wien). Deadline: 3. April 2017. Die Bewerbung erfolgt ausschließlich online über die Website der Sommerakademie: . Insgesamt vergibt die Sommerakademie 80 Stipendien für die18 Kurse, deren Gebühren sonst zwischen 370 ud 1.2000 Euro liegen. Dozenten sind in diesem Jahr Michael Beutler, Kimberly Bradley, Diana Campbell Betancourt, Tony Chakar, Distruktur (Melissa Dullius/Gustavo Jahn), Melissa Gordon, Valérie Jouve, Aisha Khalid, Andreas Lolis, Bernhard Martin, Till Megerle, Sabrina Möller/Sabine B. Vogel, Marc Monzó, Ruth Noack, Paulina Olowska, Lukas Pusch, Tex Rubinowitz, Mark Van Yetter. Für die Kurse sind Anmeldungen bis zum 2. Mai 2017 möglich. Infos: www.summeracademy.at/KURSE-2017_194.html
Die Ruhrtriennale und der Ringlokschuppen Ruhr laden für den Projektzeitraum: 1. bis 25. Sept. 2017 drei junge Theaterkollektive ein, im Rahmen einer Masterclass 2017 eigene Projekte weiterzuentwickeln und zu präsentieren. Die Auslobung richtet sich an Gruppen am Anfang ihres Berufslebens. Ziel ist eine Aufführung (max. 60 Minuten) zum Themenkreis „Neue Welten“. Die eingereichten Projekte dürfen in der geplanten Form nicht bereits aufgeführt worden sein. Einsendeschluss ist der 26. März 2017. Weitere Infos: http://bit.ly/2jnbzAs Bewerbungen ausschließlich digital als PDF-Dartei per E-Mail an: campustriennale-masterclass @ruhrtriennale.de
Das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow vergibt im Bereich bildende Kunst dreimonatige Arbeitsstipendien für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2017. Das Stipendium ist an einen Arbeitsaufenthalt während im Schloss Plüschow gebunden und. Im Schloss befinden sich fünf Gastateliers in der Größe von ca. 80 –100 qm, die jeweils aus einem Arbeits- und einem Wohnraum bestehen; außerdem steht eine Radierwerkstatt zur Verfügung. Die Höhe des Stipendiums beträgt monatlich 1.000 Euro, abzüglich der Energie- und Telefonkosten. Bewerbungen per Post sind bis zum 2. Mai 2017 möglich. Download Unterlagen unter www.plueschow.de
Künstler aus NRW, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen und noch keine 40 Jahre alt sind, können die Förderung eines Auslandsaufenthalts beantragen. Dabei können Zuwendungen in einer Höhe von monatlich bis zu 1.500 Euro gewährt werden. Zusätzlich kann ein einmaliger Reisekostenzuschuss in Höhe von maximal 500 Euro bewilligt werden. Die Bewerbung ist bis zum 30. April 2017 jeden zu richten an: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen Kulturabteilung Referat 421/Auslandsstipendien, Haroldstraße 4, 40213 Düsseldorf. Infos und Formblatt:
Mit zwei Förderpreisen unterstützt das Filmbüro Bremen die Herstellung und Präsentation von zwei Videokunstprojekten. Gefördert werden zwei Projekte, die bislang noch nicht realisiert wurden mit einem 1. Preis in Höhe von 5.000 Euro und einem 2. Preis mit 1.500 Euro. Die Ausstellung der mit Hilfe der Preisgelder realisierten Projekte soll in Bremen stattfinden. Hierfür ermöglicht das Filmbüro 2018 eine Ausstellung der Preisträgerarbeiten in einem der renommierten Bremer Museen oder Ausstellungshäuser. Deadline ist der 20. März 2017. Kontakt: Videokunst Förderpreis Bremen, Filmbuero Bremen e.V., Hinter der Holzpforte 1, 28195 Bremen, Tel: 0049 421 708 48 91, E-Mail: vkp@filmbuero-bremen.de. Infos und Teilnahmeformular unter:
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