Titel: Kunst lernen? , 2017

Accademia di Belle Arti, Rom

Arbeit am Genius Loci

von Tanja Klemm

An zwei Orten, die unterschiedlicher kaum sein können, befinden sich die Gebäude der römischen Accademia di Belle Arti. Stadthistorisch und -topographisch prägnant sind sie beide: Da ist auf der einen Seite das Hauptgebäude, gelegen in der schmalen Via di Ripetta. Als eine der drei schnurgeraden Hauptstraßen, die seit dem 16. Jahrhundert von der Piazza del Popolo im Norden des Zentrums in südliche Richtungen ausstrahlen, stößt sie im Westen an das Tiberufer: Ein Sitz in einem der Herzen der Stadt, in der Nachbarschaft des umglasten Friedensaltars Ara Pacis Augustae, unweit der Engelsburg und des Vatikan und nur wenige Schritte vom belebten Corso entfernt. Mauro Lucentini bringt es in seinem Romführer auf den Punkt, wenn er diese Gegend rund um die Via di Ripetta als das „Rom des Mittelalters, der Renaissance und der Päpste“ bezeichnet.1 Fast also sollte man meinen, die heutige Kunstakademie habe schon in der Renaissance hier gestanden, zumal sie im späten 16. Jahrhundert aus der päpstlichen Accademia di San Luca hervorging, die u.a. von dem Künstler und Kunsttheoretiker Federico Zuccari und dem Kardinal Federico Borromeo gegründet wurde.2 Doch statt eines Renaissancepalasts steht da das wuchtige Gebäude aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wegen seines Grundrisses auch „Il Ferro di Cavallo“ – „Hufeisen“ – genannt. Hier bezog die Kunstakademie in den Jahren nach der Vereinigung Italiens ihren Sitz; kurzzeitig wurde sie Istituto di Belle Arti genannt, eine Namensgebung, die über dem Hauptportal heute noch sichtbar ist.

Das labyrinthische…

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