Ausstellungen: Hamburg · von Rainer Unruh · S. 248
Ausstellungen: Hamburg , 2017

Zeichnungsräume II

Positionen zeitgenössischer Graphik

Hamburger Kunsthalle 25.11.2016 – 21.05.2017
von Rainer Unruh

Ohne die Linie wäre der Mensch ein armer Wurm, hilflos ausgesetzt in einem sich endlos erstreckenden Raum, ohne Konturen und ohne Halt. Kaum aber drückt man ihm den Pinsel in die Hand, erwacht in ihm die Schaffenskraft und er legt los, als gäbe es kein Morgen mehr. Ein Dach über dem Kopf muss her, und wie das geht, das zeigt der Niederländer Robbie Cornelissen in dem mit leichter Hand inszenierten Video „Agoraphobia“ (2009): eine Cartoon-Figur zeichnet sich ihr Heim mit einfachen Strichen, und schon bald begehrt eine zweite Person Einlass, als ob ein Quadrat aus schwarzer Farbe ein Fenster wäre.

Es ist kein Zufall, dass eine Ausstellung, die sich mit rund 100 Arbeiten der Zeichnung in der Gegenwart widmet, einen Animationsfilm an den Anfang stellt. Das Medium wird mobil. Die Zeichnung löst sich von Wand und Papier, sie greift in den Raum aus, in den realen, aber auch den virtuellen. Eines der besten Beispiele für diesen Trend ist die Serie „Der zweite Blick“ (2015). Zehn gerahmte Zeichnungen mit den Maßen 21 mal 29,7 Zentimeter hängen in Höhe des Betrachters nebeneinander an der Wand. Carolin Jörg hat die Tusche laufen lassen, bis sich Formen herausbildeten, abstrakte Gebilde, die ins Organische hineinspielen, die oft zart und zerbrechlich wirken, auch wegen der subtilen Schattierungen in matten Farben. Nimmt man das Tablet, das auf einem Bord vor den Zeichnungen ruht, in die Hand, setzt dazu noch Kopfhörer auf und richtet die Kamera des Computers…


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