Titel: 150 Jahre Fotografie III , 1977

2.5. Industrie und Technik

Peter Weller

Peter Weller (1868 – 1940) – ein Kaufmann, der die Fotografie zu seinem Hobby gemacht hat. Sein Werk war jahrelang fast unbekannt, bis es von Bernhard Becher in einem Siegerländer Heimatmuseum seiner Bedeutung gemäß richtig eingeschätzt wurde. Weiler folgte offenbar enzyklopädischen Absichten: Er fotografierte die Industrieanlagen seiner Heimat, porträtierte die Menschen, die dort arbeiteten, schlüsselte die spezifischen Tätigkeiten der Bauern auf, lichtete die verschiedenen Hausformen ab und bereitete somit gewissermaßen das Material für eine Bildgeschichte des Siegerlandes zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor. Weller ist stets da am eindrucksvollsten, wo er auf keine bildnerische Vorlage zurückgreifen konnte. Etwa bei der Darstellung der Industrie. Er gab das Fotografieren abrupt auf, nachdem er als angeblicher Spion bei der Aufnahme eines Bahnhofs im Jahre 1917 verhaftet wurde.

Charles Sheeler

Charles Sheeler (1883 – 1965) – Maler, seit 1912 auch Berufsfotograf, prägte Sheeler eine besondere Bildrhetorik aus. Er war fasziniert von technischen Bauwerken, von Raffinerien und auch Wolkenkratzern, denen er in seinen Bildern einen Schuß Überwirklichkeit vermittelte. Häufig fotografierte Sheeler sie aus leichter Untersicht, aus der Froschperspektive, um ihr gigantisches Ausmaß noch eigens hervorzuheben. Unterschwellig ist seine Bildwelt von der Vorstellung durchzogen, die man Albert Renger-Patzsch aufgrund eines ungeliebten Buchtitels unterschob: ‚Die Welt ist schön‘. Trotzdem bestechen Sheelers Bilder durch ihren klaren, übersichtlichen Bildaufbau, der die Wirklichkeit mit einem strengen formalen Reglement versieht, auch wenn er nur Produkt des Bildausschnitts ist, und die Tatsache, daß sich in ihnen zwei technische Welten begegnen: die der technischen Architektur und die der Fotografie.

Germaine Krull

Germaine Krull…

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