Titel: 150 Jahre Fotografie III · von Klaus Honnef · S. 196
Titel: 150 Jahre Fotografie III , 1977

3.1. Reportage – Fotografie

Wie fast alle inhaltlichen und methodologischen Weiterungen des Mediums Fotografie ist auch die Fotoreportage ein Produkt fortschreitender Technik. Obwohl die Initiative zur Herstellung von Reportagen Sache eines oder mehrerer Fotografen gewesen ist, mußte die Technik erst einmal den Boden dafür bereiten. Je mehr sich die Technik verfeinerte, indem sie Apparate anbot, die Belichtungszeiten von Sekundenbruchteilen erlaubten sowie Filme, die so empfindlich waren, daß sie auch noch bei miserablen Lichtverhältnissen Aufnahmen gestatteten, desto ausgeprägter entfaltete sich die Reportage. Im Gegensatz zur Einzelbildfotografie zieht die Reportagefotografie ihren Sinn und Wert aus einer Folge von Bildern. Die Bilder durchläuft der rote Faden eines ganz bestimmten Themas. Sie sind aufeinander abgestimmt, ergänzen und kommentieren sich. Das angeschnittene Thema wird durch das Insgesamt der Bilder orchestriert. Die einzelne Fotografie bringt lediglich e i-n e n Gesichtspunkt zur Anschauung, vermag das Thema allenfalls anzuschlagen und keineswegs gültig zu artikulieren. Gewicht gewinnt sie allein im Verband mit den anderen Bildern. Darüberhinaus besitzt die Reportagefotografie einen erzählenden Charakter. Sie beschreibt einen Vorgang, vergegenwärtigt eine Geschichte in kontinuierlichem Prozeß. Sie erschließt gewissermaßen Wirklichkeit durch die Reihung von verschiedenen (auch in der Gewichtung) fotografischen Bildern, die den ausgewählten Wirklichkeitszusammenhang aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten oder verschiedene seiner Aspekte herauskristallisieren. Doch auch die fotografische Reportage ist nicht imstande, eine Totalsicht der Wirklichkeit zu entwerfen. Gleichwohl kann man Siegfried Kracauers Urteil im Vorwort zu seinem wichtigen Essay ‚Die Angestellten‘ über die literarische Form der Reportage, die der Bildreportage äquivalent ist, nur bedingt zustimmen: ‚Aber das Dasein ist nicht dadurch gebannt,…

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