Ausstellungen: Wien , 1984

Brief aus Wien

Der Brand war kein Regieeinfall der Ausstellungsmacher, sondern unbeabsichtigt. Er ging vom Kabel eines Schweißers aus knapp vor Abschluß der Sanierungsarbeiten am Dach des Museums des 20. Jahrhunderts und beendete die Großausstellung „1984 – Orwell und die Gegenwart“ abrupt. Sämtliche Kunstwerke konnten in einer Blitzaktion gerettet werden. Die Aufregung, die der Vorfall mit sich brachte, paßt in die hektische Stimmung in der Wiener Kunstszene am Ende der Saison.

Daß Attersee mit seiner Biennale-Beteiligung einen so großen Erfolg für sich verbuchen konnte hat das Selbstbewußtsein gestärkt. So manches ist in Bewegung geraten, Phänomene werden transparent, Kraftlinien kreuzen sich, Terrains werden abgesteckt, Fronten brechen auf, Bemühungen entlarven sich, Konfrontationen lassen sich nicht mehr vermeiden. Die spärlichen Auslandsconnections etwa sind eine Quelle von oft erbitterten Fehden.

Jüngstes Beispiel: Die Galerien Nächst St. Stephan und Krinzinger konnten ihre jungen Künstler in der von Weiermair in Bologna organisierten „Arte Austriaca 1960-1984“, der ersten repräsentativen Schau österreichischer Gegenwartskunst im Ausland unterbringen. Daß sich damit eine auf der Basis eines musealen Samples angelegte Ausstellung in der jungen Generation recht einseitig fortsetzte, führte zu einem Sturm im Wasserglas.

Dauerbrenner als Zankapfel ist die Renovierung des Messepalasts, wohin auch das Museum Moderner Kunst übersiedeln soll. Eine Museumsenquete Ende Juni, bei der eine Unzahl von Konzepten für dieses Jahrhundertprojekt einander gegenübergestellt wurden, hat das Thema aktualisiert und die Verwirrung vergrößert.Die Ausstellung „1984“ hätte von erster Qualität sein können, wäre sie nicht inkonsequent mit vielem, was gut und teuer ist, aber kaum mit 1984 zu tun hat, überladen worden. Um das historische…

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