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Ausstellungen: London · S. 338 - 339
Ausstellungen: London , 1984


Neo-Naturists

Es waren einmal zwei Schwestern, die waren nichts lieber als nackend. Die eine ritt am liebsten auf Pferden, die andere am liebsten auf (Hexen-)Besen. Die eine malt Hengste und Rüden und geht nach Süden, die andere läßt ihre Haare blonden und geht nach London. Die Binnie Sisters.

Hier in Camden, London, leben sie wiedervereint zusammen mit fünf Katzen, drei Hunden und einer Taube, die in ihrem Zimmer aufs Botenfliegen trainiert wird. Im Garten, mitten im Gras, sehe ich zwei frisch gestochene Löcher in der Form von Füßen. Christine macht nämlich gerade einen Kursus für praktische Magie, das hier im Gras ist Teil ihrer Hausaufgaben: „Man stehe jeden Morgen im Garten, vergrabe die Füße in Erde und mache Atmungsübungen. Dann erleuchte man das Badezimmer mit Kerzenlicht, bade in parfümiertem Wasser und wasche sich mit Salz. Nach 30 Tagen wird etwas geschehen, das Dein Leben völlig verändert.“ Davon bin ich bei Miss Binnie mit und ohne Magie überzeugt.

Jennifer erzählt von ihrer letzten Performance mit Wilma, der dritten im Bunde, am Pancake-day, dem ersten Tag im Frühling, an dem traditionell Butter, Milch und Mehl aufgebraucht werden ob der folgenden Fastenzeit. In den Freizeiträumen einer Kirche ließ sie sich in einem Bikini aus selbstgemachten Pfannkuchen an eine Staffelei binden, während Wilma ihren Pfannkuchenleib mit Acrylfarbe bemalte. An den folgenden Abenden fanden etliche Aufführungen statt, gut besucht von Szenen- und Kirchgängern (jungen). Bis zu dem Tag, an dem in der Kirche das Licht flackerte. Ein Warnzeichen, das die Kirchenväter wachrüttelte und zu einem Besuch ihres…


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