Gespräche mit Künstlern , 1995

Martin Honert:

»Es geht um die Rettung eines Bildes, bevor dieses in mir Wegstirbt«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Martin Honert, 41, einer der drei Biennale-Künstler im deutschen Pavillon, haßt die Verführung per perfekter Illusion, wenn er an Erinnerungen arbeitet, die ihn noch heute einholen, also so präsent sind, als hätten sie ihn nie verlassen. Er, Liebhaber des Unauffälligen, Perfektionist im Nachgestalten und langsamer Erkunder der erinnerten Zeit, operiert wie ein handwerklich geschulter Jasager des Dinglichen, wenn er rekonstruiert, was ihn bewegt, um das auf den Punkt zu bringen, was daran wesentlich ist. Darum bemüht, Subjektives zu generalisieren, sucht er nach entsprechenden Bildmöglichkeiten, die über reine Illustration weit hinauszielen und den Bereich des kollektiven Bewußtseins ansprechen. Im Grunde reiht er sich in die Garde der „Individuellen Mythologie“ ein, gewissenhaft, präzise im Ausdruck, aufrichtig gegenüber sich und ohne Scheu.

*

H.-N. J.: Trotz des klaren Objektcharakters Ihrer Kunst würde ich Sie nicht als Bildhauer bezeichnen.

M. H.: Stimmt! Ich jongliere zwar in gewisserweise mit bildhauerischen wie mit malerischen Elementen, aber ich bin weder Bildhauer noch Maler im klassisch-akademischen Sinne. Aber wer ist das heutzutage schon?

Meine Frage zielt auf keine Kategorisierung, sondern schildert meinen Eindruck.

In erster Linie fertige ich Objekte an. Schon deswegen, weil ich meistens an Reales anknüpfe, also Realem verpflichtet bin, kann man in meinem Fall nicht von autonomer Kunst sprechen. Immer Dingen wie Baum, Feuer oder Haus zugetan, überlege ich mir für jede Arbeit, wie sich etwas am besten umsetzen läßt. Ob ich mehr als Maler oder mehr als Bildhauer verfahre, darüber denke ich nicht…

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