Titel: Performance zwischen Tanz und Theater · von Giuseppe Bartolucci · S. 34
Titel: Performance zwischen Tanz und Theater , 1983

Falsche Bewegung

Theater und Performance in Italien
von Giuseppe Bartolucci

Nachdem die großen Regisseure (Strehler), die großen Schauspieler (Gassmann) und die großen Bühnenbildner (Damiani) nichts mehr zu vermitteln hatten und es auch keine nationale Dramaturgie gab, entstand in den sechziger Jahren das italienische Theater der Avantgarde. Es war vor allem Carmelo Bene, der die herkömmliche Szene mit seinen ausgefaserten und imaginationsreichen (barocken) Inszenierungen über den Haufen warf. Dazu trugen außerdem bei: Mario Ricci, der die Verzögerung und die Verwendung unscheinbarer Materialien mit ins Spiel brachte (sich an Malerei und Film orientierend); das Paar De Berardinis-Peragallo (Leo und Perla) mittels einer akzentuiert romantisch-symbolischen Interpretation, die sich auf einen grob skizzierten, negativen Apparat süditalienischer Mythen stützte (in filmischen Formen); und schließlich Carlo Quartucci, der in Opposition gegenüber dem traditionellen dramaturgischen Gehalt den szenischen Aufbau mit Ausdrucksmitteln aus anderen Bereichen verfremdete.

In den siebziger Jahren machten Giancarlo Nanni, Memè Perlini und Giuliano Vasilicò auf sich aufmerksam. Man hat sie als die römische Schule bezeichnet und von einem Theater des Bildes (teatro immagine) gesprochen, das auch vom Ausland her beeinflußt war (man denke an Bread and Puppet, Robert Wilson, die deutschen Expressionisten, die Surrealisten sowie de Sade, Proust, Roussel, Magritte, Duchamp, Cage usw.). Nanni benutzte die Zersplitterung des theatralischen Zusammenhanges (vor dem Hintergrund eines fruchtbaren Chaos); Perlini überließ sich ganz dem Imaginären (mit Bezügen zu Kindheit und Volkstümlichem); Vasilicò akzentuierte die Körperlichkeit (auf dem Nährboden obsessiver Literaturzitate). Ihre Arbeit fand in Italien ein positives Echo und hatte zwischen 1970 und 1972 auch im Ausland Rückwirkungen. Die Redundanz der…

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