Get involved!
Partizipation als künstlerische Strategie, deren Modi Interaktion, Kooperation und Kollaboration und die Erfahrung eines „Mittendrin-und-draußen“
Eine Einführung von Max Glauner
„Wie nicht in Teilnahme versinken?“
Emanuel Lèvinas, 1957
I. PARTIZIPATION – VON PLATON ZUM WEB 2.0
Partizipation, aus dem Lateinischen für Teilhabe oder Teilnahme, lässt sich ohne Umschweife als Kernparole unserer neoliberalen Lebenswelt bezeichnen. Ihre Losung „Mach mit! Sei dabei!“ ergeht von überallher. „Get involved! Be part of it!“, die Aufforderung tönt dem Zeitgenossen mittlerweile von nahezu jeder Website und App entgegen. Sie durchzieht alle Gesellschaftsbereiche, von der Politik, der Wirtschaft bis in die Unterhaltungsindustrie und den Kulturbetrieb.1
Wer sind die Agenten dieses ubiquitären Rufs nach Partizipation? Dem wachen Zeitgenossen, drängt sich der Verdacht auf, dass hier zwei Bewegungen ineinander greifen: Auf der einen Seite kompensiert und verstellt der Ruf die historisch gewachsene Unfähigkeit des post-modernen Menschen zu Empathie und vertieften Beziehungen. Auf der anderen Seite verschärft die Parole „Get involved!“ – gerade darum ist sie so erfolgreich – die existenzielle Entleerung, die sie vorgibt zu beseitigen und erfindet darum permanent neue Kompensations-, sprich Partizipationsangebote.
Ein wesentlicher Grund dafür lässt sich ideengeschichtlich nachvollziehen: Der Teilhabe haftet von Haus aus Scheinhaftigkeit an. Sie gehört in der Philosophie zunächst nicht zu den kapitalen Themen. Bei Platon firmiert sie als „Methexis“, die das derivate Verhältnis zwischen Abbild, der veränderlichen Erscheinung eines Dings in dieser Welt, und seinem immerwährenden Urbild, seiner vollkommenen, jedoch transzendenten Idee bestimmt.2 Methexis markiert also von Anbeginn des abendländischen Denkens ein Mangelverhältnis. Das Erscheinende hat zwar Anteil an der Idee, doch eben nur zum Teil….
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