Titel: Get involved! , 2016

Der Algorithmus und wir

Über die Partizipation nicht-menschlicher Akteure

von Inke Arns

Über Partizipation in der Kunst ist schon viel geschrieben worden. Ein Aspekt hat dabei jedoch noch so gut wie keine Erwähnung gefunden: Dass wir es in unserer Welt zunehmend mit der Partizipation nicht-menschlicher Akteure zu tun haben. Wer heute noch denkt, dass diese Welt ausschließlich von Menschen gesteuert wird, könnte schnell eines Besseren belehrt werden. Heute steht nicht mehr nur der Mensch als autonom Handelnder im Zentrum, sondern vielmehr sind es hybride Konstellationen aus Menschen und Technologien, die zu autonom handelnden Quasi-Subjekten geworden sind. Handlungs- und Entscheidungsoptionen, die bis dato Vorrecht des Menschen bzw. Subjektes waren, werden heute zunehmend in vernetzte Maschinen und Programmierung ausgelagert. Und während die Nutzer (von Technologien) ausschließlich sich selbst als handelnde Subjekte sehen, wird es zunehmend schwieriger zu sagen, wer eigentlich handelt (also die Kontrolle hat). Die ersten fahrerlosen Autos sind im Testbetrieb auf unseren Straßen unterwegs, Dating-Webseiten werden von Chatbots bevölkert, welche Aktivität und Interesse simulieren, und ganze Zeitungsartikel werden von Algorithmen kompiliert. Und schon 2006 wurde ein Drittel aller Aktienverkäufe in der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten von automatischen Programmen beziehungsweise Algorithmen getätigt. Über den aktuellen Prozentsatz können wir nur spekulieren.

Nicht nur Hollywood-Filme (Her, USA 2013, Regie: Spike Jonze) und brillante Fernsehserien wie Black Mirror (UK seit 2011) und Real Humans (SE 2012-13) setzen sich aktuell mit dem Thema der Partizipation nicht-menschlicher Akteure auseinander – das Thema beschäftigt auch die zeitgenössische (Medien-)Kunst.

Der Algorithmus als Delinquent

Im Januar 2015 beschlagnahmte die Schweizer Staatsanwaltschaft einen…

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