Ausstellungen: Hamburg , 2016

Rainer Unruh

Raymond Pettibon

»Homo Americanus«

Sammlung Falckenberg/Deichtorhallen, Hamburg, 28.2. – 11.9.2016

Er ist nicht ganz so hässlich wie Donald Trump, aber eine Schönheit ist er auch nicht, der Homo Americanus, dem die Schau in der Sammlung Falckenberg ihren Titel verdankt. Mit Bass in der Hand, Black-Flack-Logo auf dem T-Shirt, erigiertem Penis und gefärbtem Irokesenschnitt auf dem Schädel starrt er ins Leere. Man hat den Schöpfer dieser Zeichnung, Raymond Pettibon (Jahrgang 1957), als Teil der Undergroundszene Kaliforniens in den Achtzigern einzuordnen versucht. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die Wut der Punks war pubertär, Pettibons Kunst dagegen von Anfang an reflektiert und voller Anspielungen auf Literatur, Kunstgeschichte und Populärkultur: mehr romantische Selbstbefragung, etwa in Form des Künstlerporträts, und weniger High-Speed-Krach im Stil der Ramones, mehr Ashcan School als Street Art.

Klar, Raymond Pettibon hat viele Flyer und Cover für das Label SST Records gemacht, bei dem sein Bruder Greg Ginn die Fäden in der Hand hielt. Auch das ist in Hamburg (und ab 19.11. im Museum der Moderne in Salzburg) zu sehen. Aber es ist bei weitem nicht das Interessanteste an dieser überbordenden Schau, die mit ihren mehr als 1200 Arbeiten die umfassendste Ausstellung des US-Künstlers ist, die jemals gezeigt wurde. Kurator Ulrick Loock hat versucht, eine Schneise durch das wuchernde Oeuvre Pettibons zu schlagen, das zwischen 20000 und 30000 Zeichnungen umfasst. Im Erdgeschoss sind Werke zu sehen, die immer wiederkehrende Themen Pettibons exemplarisch vor Augen führen, etwa das Motiv der Kathedrale und der Eisenbahn. Vor allem aber fordert gegenüber der Kasse eine mit…

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