Monografie , 1975

Günter Metken

Jochen Gerz

Bilder einer Ausstellung
die Optische Verweigerung des Jochen Gerz

Alles was sich hier
abgebildet und beschrieben findet,
ist ein Teil von dem,
was abgebildet und beschrieben
werden kann.
Es ist zu betrachten in steter Abhängigkeit
von dem, was nicht reproduzierbar,
d.h. original ist.
(J.G.)

‚Gelebt – nicht gelebt‘ steht unter den Photoarbeiten von Jochen Gerz, mit einem Kreis zum Ankreuzen. Die Alternative wird zur Aporie: Leben heißt in seiner Optik, von Wiedergaben absehen – aber wie weiß man dann, ob diese gelebten Augenblicke auch stattgefunden haben? Und Wiedergabe bedeutet, diese durchlebten Augenblicke durch Kodifizierung auszulöschen. Die Zeit der Beschreibung, Gerz‘ letztes Buch, ist deshalb ein Nicht-Buch, weil sich für ihn das Momentane der Beschreibung entzieht.

Hinter solchen Symptomen wird etwas Allgemeineres deutlich: die Krise der Mitteilung. Ihrer Visualisierung gilt ein Gutteil der Auftritte und Wort-Bild-Kombinationen von Jochen Gerz Wenn er an der Pariser Nordautobahn oder einer saarländischen Sandgrube gegen Laster- und Flugzeuggeräusche bis zur Erschöpfung ‚Hallo‘ anruft, wenn er sich zwei Stunden lang mit dem türkischen Künstler Sarkis ‚unterhält‘, jeder in seiner Landessprache, wenn er sich auf der Straße neben seinem plakatgroßen Porträt postiert und trotz diesem Steckbrief nicht erkannt wird, so sind das einprägsame Demonstrationen eines Tatbestandes, der in Text und Bild differenziert wird.

Dabei wird von einem generalisierten Mißtrauen ausgegangen:

– Mißtrauen gegenüber der Wahrnehmung, die etwas stets vor Augen Stehendes, z.B. einen Baum, nur in einem bestimmten Zusammenhang über die Schwelle der Perzeption rücken läßt;

– Mißtrauen gegenüber dem sich verselbständigenden Bild-Wort-Fluß der Medien, in den man, wie Heraklit in sein…

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von Günter Metken

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