Kommentar , 1975

Tagebuch

Klaus Honnef

Montag, den 3. Februar

Die Arbeiterwohlfahrt steht ins Haus. Jährlich gibt sie einen Kalender mit Abbildungen zeitgenössischer Kunst heraus. Jeweils zentriert um eine Region. Diesmal hat der Raum Koblenz-Trier-Saarbrücken den Vorrang. Ausgewählt wird aus einer Ausstellung, die im Rheinischen Landesmuseum gezeigt werden soll. Erste Vorbesprechung dafür.

Anmerkung: wie immer die Ausstellung aussieht -einige prominente Künstler nehmen teil, Hangen und Holweck etwa – sie führt, wenngleich dies nur noch unterderhand zugegeben wird, die alte Tradition eines sozialdemokratischen Engagements um die zeitgenössische Kunst fort. Die Vereinigung Griffel-Kunst entspringt dem gleichen Interesse. Merkwürdige zwanziger Jahre. Heute tut sich die Sozialdemokratie entschieden schwerer mit der zeitgenössischen Kunst. Wurde sie bürgerlicher als die von orthodoxen Linken beschimpfte bürgerliche Kunst?

Mittwoch, den 5. Februar

Die Jury für ‚manu factum‘ beginnt zu tagen. Wir haben unseren dritten Stock ausräumen müssen, die Anflut des nordrhein-westfälischen Kunsthandwerks schwemmte die Ausstellung der jungen Künstler Österreichs förmlich weg. Ein Horrortrip eröffnet sich. So viele Scheußlichkeiten auf einen Haufen habe ich selten zu Gesicht bekommen. Selbst einige Juroren schüttelt’s. Am Abend zuvor waren Heusinger von Waldegg und ich anläßlich der Jury-Tagung vom Kölner Handwerks-Präsidenten ins vornehme (jedenfalls teure) ‚Tulpenfeld‘ zum Abendessen eingeladen. Der joviale Präsident Günther machte kein Hehl daraus, was er von der gegenwärtigen Regierung in Düsseldorf hält. Und die beiden Direktoren aus den Ministerien für Kultur und Wirtschaft nahmen’s hin. Nach dem 4. Mai…, ja dann…

Donnerstag, den 6. Februar

Im Rheinland ist Altweiberfastnacht. Ich kriege die Grippe. Ein bezeichnendes Symptom?

Freitag, den 14. Februar

Die Ausstellungs-Macher treffen sich in Nürnberg. Ihre Absicht: mit…

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