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Ausstellungen: Den Haag · von Wout Nierhoff · S. 437 - 437
Ausstellungen: Den Haag , 1995

Wout Nierhoff
Klaus vom Bruch

»on war & peace & art«
World Wide Video Centre, Den Haag, 25.2. – 30.4.1995

Im Vorbeigehen an der Straßenfront des Gebäudes, das das World Wide Video Festival im holländischen Den Haag beherbergt, blieb der Blick an einem Fernsehmonitor in einem Schaufenster hängen: Ein junger Soldat bricht zwischen zwei anderen vor einem Panzer zusammen – einmal und dann immer wieder. Das Stakkato der Bewegung im Sekundenloop der Videobearbeitung „Soldat“ offenbart nicht den Anlaß für den Fall des jungen Mannes: Wurde er von einer Kugel getroffen, bricht er ermüdet zusammen, oder hat ihn aus heiterem Himmel der sprichwörtliche Schlag getroffen?

Keine der hypothetischen Ursachen wollte von sich aus in die Knie gehen, so daß die verschiedenen Lesarten unaufgelöst und gleichermaßen gültig nebeneinander stehen bleiben mußten. Nur der Blick auf die Sequenz mit dem Gedanken an die unmittelbare Umgebung fand eine Möglichkeit: Jenseits der eindeutigen Referenz erschien das pochende Stakkato des fallenden jungen Mannes über dem Trottoir als totentänzerische Metamorphose des Stechschrittes paradierender Soldaten: Sag‘ mir wie Du gehst, dann sag‘ ich Dir, wer Du bist…

Konnte man hier guten Gewissens oder ohne Gewissen weitergehen, so kam man in den Maschinensaal im Inneren des Gebäudes, in dem nicht alles so lief, wie man das von technischen Geräten im allgemeinen erwartet. Bei Klaus vom Bruchs kulturphilosophischer Inkunabel, dem „Adorno-Canetti-Tisch“, spielt eine in die Jahre gekommene TEAC-Bandmaschine ein aufgezeichnetes Gespräch zwischen den beiden Geistesgrößen und Namensgebern ab. Ein schweigender Silikonabguß der Maschine ohne Reels nimmt den gleichen Platz im vitrinenähnlichen Fach des Tisches…



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