Amine Haase
Peter Vogt
Neue Galerie / Sammlung Ludwig, Aachen, 6.6. bis 27.7.1986
Schon bevor man den Ballsaal betritt, ist die Musik zu hören: Strauß, Verdi. Durch die Flügeltür ist der riesige Kristallüster zu sehen, der Marmorfußboden; merkwürdig, in der Mitte scheint jetzt ein Wasserbecken zu sein. Der Leuchter spiegelt sich darin; es ist ein quadratischer Spiegel, der in der Mitte des Saals wie ein klares Wasser liegt. Und er spiegelt Farben; woher kommen sie? Sind es die Kleider von Tänzern, die von der Musik angelockt wurden und von dem Versprechen »si balla« – man tanzt? Kein Tänzer im Ballsaal. Aber ringsum an den Wänden, in den Säulen-gerahmten, rundbogig geschlossenen Vertiefungen Bilder, rechteckig abschließend mit den Säulenkapitellen. Ballsaal? Das sind doch Bilder des Todes, ein Motiv, das der Bibel, dem Neuen Testament, entnommen ist: die Mutter Gottes mit dem toten, vom Kreuz abgenommenen Christus im Arm. Das kunsthistorisch wieder und wieder aufgenommene Thema der Pieta – heute gemalt, von dem Münchner Peter Vogt, ausgestellt in der Neuen Galerie Aachen, mit Musik kontrapunktisch begleitet.
Der Schock und der Schmerz, den der Zusammenprall von Todes-Visionen und Lebens-Zeichen erzeugen, sitzen tief. Der Boden öffnet sich, und unter der angehobenen Platte wird ein grün-gelbliches Gesicht erkennbar. Das Drama ist nicht überinszeniert; die Hinweise auf gestörte Grabesruh und Götterdämmerung sind sparsam und gezielt. Man kann die Inszenierung vergessen und sich den Emotionen, die sie auslöst, überlassen – ohne sich verraten zu fühlen, aber voll Trauer. Denn die Liebe und der Tod, die in den Bildern dargestellt sind, kommen…
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