Titel: Kunst und Wissenschaft · S. 118
Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Interview mit Ernst Gombrich von Gislind Nabakowski

‚Man sollte die Nase der antiken Statue diskret ersetzen.‘

Symmetrie + Ornament + Kunst

G.N.: Am Anfang ist mir die Mitteilung wichtig. Ihnen meine Bewunderung für Ihre sehr konzentriert geschriebene Wissenschaft auszusprechen. Ich sehe darin nicht nur ein formales Kompliment.‘ Vielmehr verbindet sich das mit der Frage, wie Sie sich Ihren Tag einteilen?

E.G.: Gar nicht. Ich meine, ich habe keine feste Tageseinteilung. Ich war ja viele Jahre lang Direktor eines Instituts1 und habe als solcher auch recht viel mit Verwaltung und anderen Dingen zu tun gehabt, wo das Schreiben in der Regel dann zu Hause am Abend und an den Wochenenden stattgefunden hat. Ich habe es alles irgendwie verbinden müssen, und halbwegs ist es gelungen.

G.N.: Ihre Bücher sind in besonderer Weise sorgfältig geschrieben. Dabei haben Sie einen epischen Schreibstil, was in der Kunstwissenschaft auf diese Weise sehr selten ist. Wenn Sie Thesen entwickeln, dann kommen Sie zyklisch und in weiteren Kapiteln wieder auf Sie zurück. Das ist wohl auch der Fall, weil Sie Ergebnisse verschiedener Wissensgebiete in Ihre Geschichtsphilosophie aufnehmen. Könnten Sie jungen Lesern beschreiben, welche anderen Wissenschaften für Sie von Bedeutung sind?

E.G.: Ja gerne. Natürlich will ich nicht behaupten, daß die, die für mich von Bedeutung sind, auch notwendigerweise für andere von Bedeutung sein müssen. Mich hat seit meinen Studienjahren2 die Psychologie, die Wahrnehmungspsychologie und damit auch die Philosophie interessiert. Wenn man schließlich einen Dr. phil. hat, dann ist das schon Philosophie. Und ich war eben auch in Kontakt mit Philosophen wie Karl Popper und…

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