Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Dokument aus dem Katalog

Raum

Die Rekonstruktion der Entwicklung von der Renaissance-Perspektive bis zum kybernetischen Raum könnte einen geradezu akademischen Charakter annehmen.

Ganze Bibliotheken sind über die Perspektive geschrieben worden und es sah so aus, als wäre zu diesem Thema nichts mehr zu sagen, bis durch jüngste Studien die Diskussion von neuem eröffnet wurde. Die Perspektive wird heute nicht mehr als mathematischer Gegenstand behandelt, sondern als Mittel zur Schaffung neuer Bilder, deren Betrachtung zu Untersuchungen über die Psychologie der Wahrnehmung Anlaß gegeben hat. Die Rolle des Betrachters im räumlichen Illusionsspiel wird heute wissenschaftlich von Kunsthistorikern und Psychologen analysiert. Zwischen den Künstler und das von ihm geschaffene Kunstprodukt schiebt sich der „Blick“ des Betrachters. Die wissenschaftliche Methode der Wahrnehmungsforschung rechtfertigt den Rückgriff auf Modelle, graphische Darstellungen und Projektionen in Verein mit Kunstwerken im eigentlichen Sinne. Diese Hilfsmittel dienen nicht dazu, ein Werk zu erklären, sondern sollen dazu anregen, vergessene Information ins Bewußtsein zurückzurufen. So ist das kleine Modell der von dem Astrophysiker Roger Penrose entworfenen „Unmöglichen Treppe“ neben den Stichen des Malers M.C. Escher ausgestellt, wo dasselbe Thema aufgegriffen wird. Escher benutzt die Perspektive, um paradoxe Bilder zu erzeugen, die den Betrachter dazu auffordern, sich in den absurden Gängen zu verirren, um sich nach der Entdeckung des richtigen Blickwinkels wieder darin zurechtzufinden. Escher selbst hat zugegeben, daß ihm der Einfall zu seinen Irrwegen nach dem Studium des Modells, das ihm Penrose 1956 zugeschickt hatte, gekommen war.

Neben den Originalentwürfen Borrominis für die Trompe-1’oeil-Kollonade des römischen Palazzo Spada wird in Maßstab eins zu eins eine Rekonstruktion…

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