Titel: Kunst und Wissenschaft · S. 163
Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Dokument aus dem Katalog

Farbenlehre

Unter der allgemein üblichen Bezeichnung „colour order systems“ versteht man „eine Zusammenstellung von Farbproben, die nach den subjektiven Vaiablen ihrer chromatischen Erscheinung systematisch angeordnet sind.“ (W.D. Wright) Eben weil die Beurteilung der Farbwirkung subjektiv ist, ist eine so große Anzahl von chromatischen Systemen zu verzeichnen. Ein System unterscheidet sich von anderen nicht so sehr hinsichtlich der Anzahl und der Arten der Farbproben, sondern vielmehr in bezug auf die Kriterien, mit denen die Grautöne und die Farbwerte angeordnet und untereinander verteilt sind, also hinsichtlich der unterschiedlichen Auffassung des Komplexes „Farbe“, die ihnen zugrunde liegt.

Die zahlreichen Farbsysteme können nach folgenden Grundordnungsprinzipien klassifiziert und auf diese zurückgeführt werden:

Systeme, die auf der Mischung der Pigmente und Farbstoffe beruhen

Systeme, die auf der räumlichen und/oder zeitlichen Synthese der Stimoli beruhen

Systeme, die auf den Merkmalen der Farbwirkung beruhen

Systeme, die auf dem Kriterium der ästhetischen Einheitlichkeit bzw. der harmonischen Intervalle beruhen Systeme, die nicht auf den einzelnen Farben, sondern auf chromatischen Subgruppen beruhen Systeme, die auf der analytischen Beschreibung (Denotation) der Farbpunkte beruhen

Systeme, die auf der linguistischen Beschreibung (Konnotation) der Farbnamen beruhen

Der Überblick über die Colour order systems kann – unter der Voraussetzung, daß dieser moderne Begriff auch auf die historischen Systeme angewandt werden kann – für unsere Kultur grundsätzlich in zwei Zeitabschnitte eingeteilt werden: die Zeit vor 1600 und die Zeit danach. Vor 1600 ist das Farbsystem Teil des universalen Weltbildes und trägt, wie alle anderen Systeme, zu dessen Definition, Beschreibung und Aufbau bei. Nach 1600 wird auch das Farbsystem autonom, entwickelt seine eigene…

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