Ausstellungen: München · von Michael Hauffen · S. 432
Ausstellungen: München , 1995

Michael Hauffen

Peter Wüthrich/Aribert von Ostrowski

»So ist die Welt«

Galerie Albrecht, München, 7.3. – 28.4.1995

Titel von Ausstellungen sind in der Regel eine Art konzentrierter Programme. Wer die Sprache des Zeitgeistes beherrscht, kann unter Umständen in einem Wort schon klarmachen, wie die darunter subsumierte Kunst verstanden werden soll. Insofern es in der Kunst darum geht, jede Instrumentalisierung zu sabotieren, ergibt sich daraus ein Konflikt, der ein bezeichnendes Licht auf die Bedingungen ihrer Existenz wirft. Der Titel dieser Ausstellung, dessen – wenn auch verstaubter – Universalismus ihn als ein Musterexemplar positiver Programmatik auszuweisen scheint, stammt von Peter Wüthrichs gleichnamiger Arbeit, wo er tatsächlich eine diesbezüglich prägnante Ambivalenz zum Ausdruck bringt.

Beim Betreten des Galerieraums fällt zunächst das am Boden ausgebreitete buntgescheckte Oval auf, das Wüthrich als „literarisches Aquarell“ bezeichnet. Ausschließlich unter formalen Gesichtspunkten betrachtet, läßt es sich als Beispiel konkreter Kunst beschreiben. Demgegenüber räumt der Titel der Arbeit eine gegenständliche Lesart ein; es kommen sogar landschaftliche Deutungen in Betracht, wie etwa die, daß es sich um eine Art abstrakter Visualisierung eines kleinen Sees handelt. Darüber hinaus sind die bunten Rechtecke, aus denen sich dessen Oberfläche zusammensetzt, nicht einfach gemalt, sondern die Rückseiten von Büchern – das eigentliche Markenzeichen des Künstlers stellt also eine Verbindung zu dem her, was sich als Objektkunst in die jüngste Kunstgeschichte einordnen läßt. Es sind ausschließlich in Leinen gebundene Bücher, mit denen Wüthrich anstelle traditioneller Materialien arbeitet, und womit ihm die wesentliche Rückführung der Bedeutungen gelingt. Der Stoff, aus dem hier die Träume sind, ist signifikanter Bestandteil einer kulturellen Praxis, die…

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