Titel: Westkunst · von Klaus Honnef · S. 24
Titel: Westkunst , 1981

Vom Gebrauch der Kunst

Gedanken und Reflexionen zur Ausstellung „Westkunst in Köln“

von Klaus Honnef

Wer hätte sich noch ein paar Jahre zuvor ausmalen können, daß solch‘ gigantische Ausstellung wie „Westkunst“ in Köln ohne lärmende Begleitmusik um Thema und Auswahl über die Bühne gehen würde? Der wäre unweigerlich als weltfremder Spinner bezeichnet worden. Das Geschrei im Vorfeld einer documenta oder einer anderen großen Ausstellung zeitgenössischer Kunst drohte seinerzeit das fertige Ergebnis häufig zu überborden. Man hielt es gleichwohl für selbstverständlich. Intrigen wurden öffentlich gesponnnen, Beschuldigungen der beteiligten Organisatoren nicht weniger öffentlich herumgereicht, und die Künstler, zumal diejenigen, die sich keine Chance auf Teilnahme ausrechnen durften, ließen nichts unversucht, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Protest, wogegen auch immer, gehörte einfach zum guten Ton.

Nichts belegt schlagender die veränderte Situation in der Kunstszene. Der Einschnitt, der die siebziger Jahre von den achtzigern trennt, ist tief; tiefer als mancher, der Symptome nicht zu lesen vermag, wahrhaben will.

Zwar – auch „Westkunst“ blieb von Auseinandersetzungen nicht verschont. Was Wunder auch, wenn mehr als sieben Millionen deutsche Mark auf dem Spiele standen, mehr, als eine documenta kostet, viel mehr. Aber im Grunde überschritten die Querelen niemals den Pegel betulichen Geplänkels. Selbst, als ruchbar wurde, daß die unmittelbar zeitgenössische Kunst ausgespart werde, weil das Geld dazu fehle – wo hätte man sie auch unterbringen können, wenn die Kunst der sechziger Jahre sich schon auf vergleichsweise engem Raum drängelte? -, entfachte das unter der betroffenen Künstlerschaft allenfalls ein lindes Unmutsgesäusel. Und auch die Kommentare in den Massenmedien fielen ungewohnt mäßig, ja…

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