Ausstellungen: Köln , 1995

Uta M. Reindl

Walter Dahn und Philip Pocock

»Growing up and coming down«

Jörn Bötnagel Projekte, Köln, 28.4. – 27.5.1995

Direkt im ersten Ausstellungsraum stand „The House of the Blues“, das Modell eines Südstaaten-Hauses. An den Wänden Gemälde und Zeichnungen mit Text-Zitaten. Im größeren Raum – ebenfalls in loser Anordnung an den Wänden – weitere Schriftbilder. Manche der spontan beschriebenen Gemälde und Blätter hier ließen etwa auf Rock & Roll oder Country Western schließen. In einer kleinen Bar nebenan gekleisterte Kopien von Fotoporträts renommierter Blues- oder Popmusiker an den Wänden, und aus dem letzten Raum Video.

Als „Schnitzeljagd durch die Pop- und Bluesgeschichte Amerikas“ bezeichnet Walter Dahn diese Ausstellung, die aus einer Kolaboration zwischen ihm und dem Kanadier Philip Pocock hervorgegangen ist. Zweifellos provozierte das Konzert aus Schriftbildern mit Song-Zitaten, aus Bilddokumenten und Musik-Videos eine Spurensuche durch die wichtigen Etappen der schwarzen und weißen Musikhistorie Nordamerikas zwischen Folk und Pop, zwischen Blues und Rock seit den zwanziger Jahren bis heute. Ein kleiner Ghetto-Blaster rundet das synästhetische Erlebnis ab.

In diesem Sinne sieht auch Pocock die Gesamt-Installation als „einen Schritt gegen das zeitgenössische Auseinanderklaffen von Lesen und Sehen“, vor allem aber als einen Appell, die Rolle des bildenden Künstlers zu überdenken. Seine Zeit als „lonesome cowboy hero“ sei nun wirklich vorüber.

Die Räumlichkeiten waren optimal: „Ein bißchen Kneipe, ein bißchen Wohnzimmer“, wie Pocock schmunzelnd beobachtet. Ausgediente Geschäftsräume im Belgischen Viertel, die demnächst einem Neubau weichen müssen, hatte Jörn Bötnagel aufgetan und darin in enger Zusammenarbeit mit den beiden Künstlern „Growing up and coming down“ inszeniert. Denn sein Konzept…

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von Uta M. Reindl

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