Berlin
1.000 Scores
Pieces for Here, Now & Later
Rimini Apparat, 1.000 Scores 18.06.2020 – 31.12.2021
von Angelika Schoder
Seit die ägyptische Künstlerin Laila Soliman sich erinnern kann, pflegt sie ein bestimmtes Ritual. Immer wenn sie traurig ist, sich einsam fühlt oder einen Moment für sich alleine braucht, kniet sie sich zu Hause vor die Waschmaschine und steckt ihren Kopf hinein. Sie lauscht dann dem Geräusch ihres Atems in der Wäschetrommel, die wie eine Echokammer wirkt. Wenn sie sich niedergeschlagen fühlt, nutzt sie diesen Raum, um zu weinen. Sie flüstert sich zu oder spricht mit sich selbst, um sich zu beruhigen. Die Waschmaschinentrommel ist auch ein Ort, an dem die Künstlerin Dinge mit Menschen bespricht, denen sie physisch nicht begegnen kann. So beklagte sie sich hier in ihrer Kindheit oft bei der bereits verstorbenen Großmutter, immer wenn sie sich von ihrem Vater ungerecht behandelt fühlte. Manchmal singt Laila Soliman auch laut, wenn ihr Kopf in der Waschmaschine steckt, oder lacht über die absurde Situation. Dieses Ritual pflegt die Künstlerin bis heute und teilt es nun unter dem Titel „Dear You“ (2021) mit der Öffentlichkeit. Ihre Arbeit ist nur eine von zahlreichen Online-Performances im Rahmen von „1.000 Scores“.
Das Projekt „1.000 Scores. Pieces for Here, Now & Later“ wurde ins Leben gerufen von Helgard Haug, Autorin und Mitbegründerin der Performance-Gruppe Rimini Protokoll, von David Helbich, Komponist und Performance-Künstler, sowie von Cornelius Puschke, Dramaturg und Autor. Im Zentrum stehen sogenannte „instructional pieces“, also anleitungsbasierte Performances von internationalen Kunstakteuren. Koproduziert wird „1.000 Scores“ von PACT Zollverein, dem…
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