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Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung · von Sabine B. Vogel · S. 126 - 133
Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung ,
Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung

Spurkunst

Lutz Hengst, Kunst- und Kulturwissenschaftler
im Gespräch mit Sabine B. Vogel

Im Hamburger Kunstverein fand 1975 die Ausstellung Spurensicherung. Archäologie und Erinnerung statt. Aus diesem Titel und kuratorischen Ansatz entwickelte der Kunst- und Kulturwissenschaftler Lutz Hengst seinen Begriff der Spurkunst, den er als Alternative für jenen der Künstlerischen Forschung versteht. In seinem Beitrag Felduntersuchungen im eigenen Vorgarten – Künstlerische Forschungen der 1970er Jahre zwischen Adaption und Abgrenzung in J. Siegmunds Band „Wie verändert sich Kunst, wenn man sie als Forschung versteht“ (2016) schreibt Hengst: „Forschen wird im spurkünstlerischen Materialaufschluss als kreativer Prozess außerhalb von Institutionen sichtbar, wahrt jedoch die Referenz auf diese. Der Forschungsprozess zeigt sich ebenso für die ästhetische Dimension von Sammlungsanordnungen empfänglich wie für die Integration alternativer Welterschließungsweisen (von hobbywissenschaftlichen über kindlich-naive bis zu quasi-schamanischen).“

Sabine B. Vogel: Künstlerische Forschung ist eine noch vergleichsweise neue kulturelle Praxis – wann und wie begann diese Arbeitsweise? Können Sie eine Definition geben?

Lutz Hengst: Als Neues tritt sie primär in einer Perspektive hervor, die eine disziplinäre, westliche Aufgabenteilung voraussetzt und die auch in der europäischen Kunst weder auf die Tradition der Erprobung von Arbeitstechniken und -materialien fokussiert noch auf ältere Konzepte wie das des Universalkünstlertums der Renaissance. Mit diesen Einschränkungen würde ich einen neuen Start forschungsaffiner Kunst im späten 19. Jahrhundert sehen. Das, was Marcel Duchamp rückblickend auf diese Zeit als „retinale Malerei“ abgetan hat, also etwas wie Georges Seurats konsequente Rezeption optischer Theorien für pointillistische Gemälde, kann als ein Beginn gelten. Und das, was Duchamp wenige Dekaden später selbst maßgeblich…


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