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Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung · von Kathrin Busch · S. 108 - 119
Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung ,
Titel: Leonardo im Labor. Kunst & Wissenschaft im 21. Jahrhundert - 2 — Künstlerische Forschung

Das Gespenst der künstlerischen Forschung

Ein Bildessay von Kathrin Busch

Jacques Derrida hat von Bildern behauptet, das Gespenstische sei ihnen immanent. Es gäbe „Entschwundenes in der Erscheinung als dem Wiedererscheinen des Entschwundenen selbst.“ Gleiches lässt sich vom Wissen in der künstlerischen Forschung sagen. In ihr hat das Wissen, das sie in sich aufnimmt und zur Kunst macht, eine wiedergängerische Form: Als gesichertes wird es zum Verschwinden gebracht und kehrt als ungewisses, spekulatives oder phantasmatisches zurück.

Hatte sich die konzeptuelle Kunst Begriffe für ihre reflexive Praxis erschlossen, so leistet die künstlerische Forschung vergleichbares in Bezug auf Theorie. Mit ihr werden alle Varianten des Erkennens, seien es philosophische Einsichten oder wissenschaftliche Ergebnisse zum Material von Kunst, das sie traktiert und verschiebt. Der Stand des Wissens fließt nicht in die künstlerischen Werke ein, vielmehr verwandelt die Arbeit an ihm die Kunst in eine Erkenntnisform eigenen Rechts. Das ästhetische Regime der Künste, das Jacques Rancière für die Moderne geltend macht, wird durch ein epistemisches Regime ersetzt. Mut zur Wahrheit, Attraktion von Theorie und Lust am Denken werden zu relevanten Größen in der Produktion und Rezeption von Kunst. War die Kunst bis dahin Gegenstand der philosophischen Kritik und wissenschaftlichen Erforschung, wird sie nun zu deren Subjekt – oder besser: Sie tritt in ein Gefüge von Wissenspraktiken ein, dessen gesamter Charakter sich dadurch transformiert. Kunst erschließt die Ausdrucksdimension von Wissen in jeweils singulärer, verkörperter, affektgeladener oder libidinöser Form. Sie erprobt das Wissen, strapaziert seine Ränder, Bruchstellen und Verwerfungen, findet in ihren Falten ungeahntes Material oder die Abgründe epistemischer Gewalt….

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