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Monografien / Gespräche mit Künstlern · von Michael Stoeber · S. 202 - 213
Monografien / Gespräche mit Künstlern ,

Camille Henrot

Unerhört und ungesehen
Ein Gespräch von Michael Stoeber

2013 zeigte Camille Henrot auf der Biennale von Venedig ihren Videofilm „Grosse Fatigue“. Mit ihm wurde die damals 35-jährige Pariser Künstlerin, die Animationsfilm studiert hat, schlagartig bekannt. In dem brillanten, nur 13 Minuten dauernden Bilderwirbel des Werks hat sie klug und unterhaltsam sowohl die Schöpfungsgeschichte als auch die Entwicklung des menschlichen Wissens inszeniert. Ihre visuelle Tour de Force wurde von der Jury mit dem Silbernen Löwen belohnt. Gefertigt hatte Henrot ihren Film als Stipendiatin der Smithsonian Institution in Washington DC, dem größten Museumskomplex der Welt. Auch wenn Filme einen gewichtigen Teil ihrer Kunst darstellen, ist sie bei ihnen allein nicht geblieben. Das machte letzthin eine Ausstellung in der hannoverschen Kestner Gesellschaft deutlich. Darin präsentierte die Künstlerin zwar auch ihren vorläufig neuesten, ebenfalls eindrucksvoll choreografierten Film „Saturday“ (2017), der zeitgenössische Erlösungsfantasien, primär die der Siebenten-Tags-Adventisten, zum Thema hat. In der Hauptsache aber waren Gemälde sowie umfangreiche Serien von Zeichnungen zu sehen, die Henrot zum großen Teil während des Lockdowns in New York geschaffen hatte. Sowie eine bedeutende Versammlung ihrer Skulpturen und Installationen aus verschiedenen Jahren. Diese Werke bestechen durch die gelungene Zusammenführung unterschiedlicher ästhetischer Sprachen und die Vielfalt der in ihnen verhandelten Themen. Über Form und Inhalt ihrer Kunst sprach Michael Stoeber mit Camille Henrot, die vor einiger Zeit zum zweiten Mal Mutter geworden ist.

Michael Stoeber: Madame Henrot, die Einladungskarte der hannoverschen Kestner Gesellschaft zu Ihrer Ausstellung verzeichnet lediglich Titel Ihrer Werke ohne Bilder. Sie sind wie ein Gedicht arrangiert. Welche…


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