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Report · von Ronald Berg · S. 250 - 255
Report ,

Kulturforum Berlin: DER ABSTIEG INS PROFANE

von Ronald Berg

Der Dichter Gottfried Benn kam beim Blick auf eine zufällig ausgesuchte Seite eines Geschichtsbuchs zu dem Schluss: „Das Ganze ist zweifellos die Krankengeschichte von Irren.“1

Zu ähnlichem Schlüssen könnte man kommen bei der Betrachtung der Geschichte des Berliner Kulturforums. Es sind im Grunde nur rund 60 Jahre, die diese Geschichte im engeren Sinne umfassen, aber auch innerhalb dieser vergleichsweisen kurzen Zeitspanne haben sich die Ansichten darüber, wie ein Kulturforum aussehen soll immer wieder verändert und mitunter ganz verkehrt. Das Kulturforum scheint nicht allein durch seine topografische Lage am hochverdichteten Potsdamer Platz von besonderer Bedeutung, sondern vor allem als Idee. Denn hier geht es doch wohl um die Frage, welchen Rang Kunst und Kultur im Gefüge von Stadt und Gesellschaft einnehmen sollen.

Wider das Klischee und wieder zurück

Das Kulturforum ist auf einer Tabula rasa entstanden. Nicht nur der Krieg hat die einstige Villengegend vor dem Potsdamer Tor in Berlin abgeräumt, auch die Nationalsozialisten ließen für die Welthauptstadt Germania bereits Häuser abreißen. Die Idee eines totalen Neuanfangs nach 1945 war daher durchaus naheliegend. Einzig die Matthäi-Kirche hat in den fünfziger Jahren ihre Auferstehung aus Ruinen erlebt.2

Die Idee eines Kulturforums als Teil eines „geistigen Bandes“, das vom alten Kulturzentrum auf der Museumsinsel in Berlins Mitte bis nach Charlottenburg reichen und damit die in Ost- und West geteilte Stadt verknüpfen sollte, stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Architekt Hans Scharoun als Stadtrat des ersten noch gesamtberliner Magistrats bettete solche Gedanken in die Vorstellung…

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