Andere Arten des Erzählens
Katrin Horneks künstlerische Forschungen
Ein Gespräch von Sabine B. Vogel
Künstlerische Forschung umschreibt meist einen auf umfassende Recherche angelegten, konzeptuellen Kunstbegriff. Oft steht dabei weniger die künstlerische Form als die Thematik im Fokus, wenn etwa die Wiener Künstlerin Katrin Hornek in ihrem Projekt „Stones Like Us“ (2018) mit in Nieren, Gallen oder Blasen produzierten Körpersteinen arbeitet. Oder nach Wegen sucht, Kohlenstoffdioxid zu mineralisieren. Teil ihres Arbeitsprozesses sind dabei Gespräche mit Spezialist*innen, wie etwa mit dem österreichischen Sedimentologen Michael Wagreich. Vor vier Jahren drehte sich dieser Ablauf um: Wagreich sprach Hornek an, gemeinsam in dem interdisziplinären Projekt „The Anthropocene Surge“ zusammenzuarbeiten. Ziel des vom WWFT auf vier Jahre geförderten Vorhabens ist es, die räumliche und zeitliche Entwicklung des Anthropozäns in den Wiener Sedimentschichten zu bestimmen – eines Zeitalters, das Menschlich dominiert ist. Dafür werden Bodenproben analysiert, Bohrkerndaten der MA 29 (Wiener Brückenbau und Grundbau) und Grabungsdaten der Wiener Stadtarchäologie ausgewertet. Was aber kann in diesem Projekt die Aufgabe einer Künstlerin sein?
Sabine B. Vogel: Meist treten Künstler*innen mit Fragen an Wissenschaftler*innen heran. In eurem Forschungsprojekt ist es umgekehrt?
Katrin Hornek: Ja, Michael Wagreich hatte mich angefragt – das finde ich auch eher untypisch, aber ich habe das Gefühl, da ändert sich gerade sehr viel. Das Projekt heißt die „anthropozäne Welle“ und es werden die menschengemachten Ablagerungen in der Schuttschicht unter Wien untersucht.
Was sind menschengemachte Ablagerungen?
Darunter versteht man alles, was „der Mensch“ berührt hat. Dazu gehört auch sogenannter ,modified ground‘, etwa Erdbewegungen durch Baggerschaufeln. Durch die von…
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