Essay , 1980

Ästhetik für Produzenten

Der folgende Artikel von Hans Haacke über seine „Arbeitsbedingungen“ ist der zweite Beitrag zu unserer Reihe „Ästhetik für Produzenten“, die in Band 37 mit einem Essay über ein Bild von Laszlo Lakner und Dieter Hackers Aufsatz „Ein Modell: die 7. Produzentengalerie“ eröffnet wurde.

Es ist kein Zufall, daß Hans Haacke sofort der Einladung nachgekommen ist, zu dieser Reihe einen Beitrag zu liefern, eine solche Themenstellung konnte ihn kaum überraschen. Seit Jahren gehört die Reflexion seiner Produktionsverhältnisse zu den Themen seiner künstlerischen Arbeit, sein Werk ist ein seltenes Beispiel dafür, wie man politische Kunst machen kann, ohne die eigene artistische Herkunft leugnen zu müssen und ohne die politische Auffassung zur Phrase werden zu lassen.

Hans Haacke lebt in New York, seine Untersuchung der engen Verbindung von Werbung und Kunst in den USA könnte sich auf den ersten Blick als exotische Auskunft ausnehmen, deren Relevanz für das Verständnis der Lage in der Bundesrepublik gering ist. Das Gegenteil ist der Fall: was Haackes detaillierte Studie über die amerikanischen Verhältnisse gerade in der gegenwärtigen Situation für die Bundesrepublik so wichtig werden läßt, ist, daß hier die Entwicklung beginnt, deren Auswüchse Haacke bereits im Mutterland der europäischen Kulturkolonie studieren konnte. Philip Morris, eine Firma, die sich bereits seit längerem, United Technologies, die sich seit kurzer Zeit in den Kunstvermittlungsbereich der Bundesrepublik einschalten, eine Figur wie Peter Ludwig oder eine Initiative wie Atika-Freizeit-Kultur zeigen im Bereich der „öffentlichrechtlichen“ Kunstvermittlung, daß die Verhältnisse in den USA sich auf die hiesigen abzubilden beginnen.

Diese Entwicklung gilt es genau zu…

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von Walter Grasskamp

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