Monografie · von Annelie Pohlen · S. 108
Monografie , 1978

Annelie Pohlen

Aus dem immateriellen Raum zur plastischen Form

Zu den „Raumplastiken“ und Fotografien von Jaroslav Adler

Es ist nicht zuletzt unseren leidigen Vorstellungen von ‚Kunst am Bau‘ zu verdanken, daß das Bewußtsein für die Zusammenhänge zwischen Raum, Architektur und Skulptur im Abseits driftet. Architektur in ihrer barbarisierenden Monumentalität hat offensichtlich nichts mehr mit Umraum, schon gar nicht mit dem menschlichen zu tun; die Skulptur ist in ihrer Beziehung zur Architektur zur gesetzlich verankerten, in ihrer Ausführung lächerlichen Pflichtübung entartet, der Raum zum Un-Raum verschandelt; die Gebärde des Monumentalen ist zum Diktat geworden. Jaroslav Adler (geb. 1946 in Budweis/CSSR, seit 1970 in Düsseldorf) steht mit seinem ,raumplastischen‘ Werk in mancherlei Hinsicht in antithetischer Spannung zur aktuellen Raumausbeutung, die sich Architektur oder etwas verbrämter Raumplanung nennt. Grundsätzlich arbeitet Adler auf zwei Ebenen. Plastisches Material seiner ,bildhauerischen‘ Arbeiten sind Licht und Schatten; die in traditioneller Sicht skulpturalen Elemente, an denen sich Licht- und Schattenwürfe realisieren, sind nichts weiter als Hilfsmittel. Schablonen. Rechteckige Elemente, direkt in die Wand montiert, einfache Formelemente auf den Boden gestellt, Raumschablonen mit verschiedenartigen Öffnungen in den Wänden werden in Beziehung gesetzt zu natürlichen und/oder künstlichen Lichtquellen, die den immateriellen Raum der Licht- und Schattenzonen als positive Formung des Umraumes, als Aktivzone menschlicher Bewegungsfreiheit gestalten. Raum, der nicht im Moment seiner technischen Realisierung zum feindlichen Bollwerk gegen den Menschen errichtet wird, vielmehr in seiner Begehbarkeit zur Erlebniszone werden kann, insofern Licht- und Schattenzonen bezogen auf den darin befindlichen Menschen variabel sind. Ein bemerkenswerter künstlerischer, weil humaner Aspekt im Werke Adlers.

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