Titel: Farbe und Architektur · von Pierre Loze · S. 135
Titel: Farbe und Architektur , 1983

Die Mauer als Leinwand

über Paul de Gobert

von Pierre Loze

Im Gegensatz zur intellektuellen Leere wie zur emotionalen Einöde mancher zum Dekor degenerierter Farbgestaltungen im Fahrwasser des Konstruktivismus (siehe den Beitrag von Walfried Pohl) besitzen die gegenständlichen Wandbilder des belgischen Malers Paul De Gobert eine Frische und Lebendigkeit, die nicht nur aus der meisterhaften technischen Beherrschung der Trompe I’oeil-Manier resultieren, sondern in hohem Maße auch aus ihrer inhaltlichen Bezogenheil auf den jeweiligen Ort. D.h., die Bilder Paul De Goberts sind nicht belanglose Applikationen „freier“ Kunst auf Großflächen im öffentlichen Raum (hierin scheint eines der Hauptprobleme sogenannter Kunst am Bau zu liegen), sondern es sind sehr intensive künstlerische Auseinandersetzungen mit den je besonderen Problemen des Ortes, an dem Gobert malt – topografisch, städtebaulich, architektonisch, soziologisch und kulturell. So gelingt es dem Künstler, jene „Markierungen der Identität des Ortes“ zu schaffen, von denen zweifellos Impulse zur Stadterneuerung, zur Revitalisierung der Stadt, ausgehen können.

Obwohl Paul De Gobert beim Essener Kolloquium „Farbe und Architektur“ seine Arbeit selbst vorgestellt hat, hat er es vorgezogen, in diese Publikation einen Text von Pierre Loze einzubringen. Pierre Loze ist der Autor eines Buches über Paul De Gobert, das demnächst im Verlag Atelier Vokaer, Rue du Grand Cerf 16, B -1000 Bruxelles, erscheinen wird (Subskriptionspreise: Normalausgabe 2.400 BF, Vorzugsabgabe mit einer Originalzeichnung des Künstlers 20.000 BF).

Paul de Gobert befaßt sich seit zehn Jahren mit Wandmalerei, damit, öffentliche Orte, Hausfassaden, Eingangshallen von Gebäuden, Bauzäune usw. zu bemalen. Als Maler hat er sich bewußt dafür entschieden, die Staffeleimalerei aufzugeben und mithin jene geschlossene…

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