Titel: Farbe und Architektur · von Rainer Wick · S. 2
Titel: Farbe und Architektur , 1983

Zu diesem Heft

Was das Kunstforum vor nicht allzu langer Zeit im Themenheft Wilde Bilder – Graffiti und Wandbilder, Band 50 präsentiert hat, war ein Stück faszinierender Alltagsästhetik, die inzwischen jedoch schon im Begriff ist, in Sphären der Außeralltäglichkeit abzudriften. Wir sahen auf Mauern und Fassaden gesprühte, gemalte und gekratzte Bilder von zum Teil bezwingendem ästhetischem Reiz und bemerkenswerter formaler Qualität, inhaltlich dabei meist von respektloser Direktheit und subversiver Kraft; Bilder, die – politischen Saubermännern ein ständiges Ärgernis – Ausdruck einer neuen Gegenkultur sind, einer Gegenkultur indes, die zu schwach zu sein scheint, um sich der Nobilitierung als „Kunst“ im Museum entziehen und der Einverleibung in den „offiziellen“ Kulturbetrieb erfolgreich erwehren zu können.

Nicht von diesen mittlerweile spektakulär gewordenen, genuin subkulturellen Formen kritischer Erwiderung auf eine als inhuman erfahrene Betonarchitektur, die als Symbol einer zementierten Gesellschaft zu deuten nicht allzu aufwendig ist, soll in diesem Heft erneut die Rede sein, sondern von jenen alltäglichen ästhetischen Aktivitäten, die sich auf die Gestaltung von Architektur mit und durch Farbe beziehen, bevor dann Sprayer, Grafitto-Mane und Polit-Maler kommen und ihre Spuren hinterlassen. Und um Mißverständnissen vorzubeugen: auch handelt dieses Heft nicht (oder nur sehr randseitig) von jenen Phänomenen des schönen Scheins, die allgemein unter dem zum Schmähwort gewordenen Etikett „Kunst am Bau“ rangieren (und die ebenfalls in Kunstforum 50 vorgestellt wurden).

Überhaupt geht es in diesem Heft nur selten um „Kunst“, sondern in erster Linie um etwas scheinbar so Triviales wie die „Gestaltung“ unserer gebauten Umwelt mit Hilfe von Farbe. Ohne uns hier Definitions- und Begründungszwängen…

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