Essay · von Dieter Hacker · S. 141
Essay , 1980

Dieter Hacker

Ein Modell: Die 7. Produzentengalerie

Jean-Luc Godard, der Filmemacher, Kritiker, Autor, Revolutionär und Poet hat mich immer mehr beeindruckt als jeder zeitgenössische bildende Künstler. Denn Godard ist ein Künstler, der nachdenkt und dessen Nachdenklichkeit sich in seiner Arbeit nachvollziehen läßt. Wäre er ein Denker und Theoretiker, der seine Ideen nur in eine künstlerische Form einkleidet, würden uns seine Filme langweilen wie „Tendenzliteratur“ oder das „Theater als moralische Anstalt“. Sein Slogan „Keine politischen Filme machen, sondern Filme politisch machen!“ betont aber gerade das Primat der künstlerischen Form und der Sinnlichkeit. Das heißt, er denkt darüber nach, was es bedeutet, 1960, 1970 oder 1980 Filme zu machen und gerät so zwangsläufig an die Wirklichkeit, die er in seine Arbeit aufnimmt und in die er mit seiner Arbeit wieder einzugreifen versucht.

Vor der Schwierigkeit, einen neuen gesellschaftlichen Standpunkt zu finden, hat die Masse der bildenden Künstler kapituliert. Trotzig ziehen sie sich auf ihr traditionelles Terrain zurück und versuchen, nicht wahrzunehmen, daß sie immer weiter aus dem kulturellen Leben der breiten Bevölkerung gedrängt werden. Die Renaissance der Malerei, die wir im Augenblick innerhalb der Szene beobachten, ist dafür ein Beispiel. Denn mit der Malerei tritt wieder ein Künstlertypus in den Vordergrund, der angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik eine restaurative Funktion ausübt: der „Machttyp“, der „einsame Wolf“, der „freie Künstler“. Davon abgesehen, daß oft die wahren Arbeitsbedingungen und Abhängigkeiten dieser „Malerfürsten“ so viel Selbstbewußtsein kaum rechtfertigen, ist ihre gesellschaftliche Rolle destruktiv, weil sie die Trennung von „hoher Kunst“ und allgemeinem kreativen Vermögen forcieren, statt…

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