Titel: Erotik in der Kunst heute · von Annelie Pohlen · S. 96
Titel: Erotik in der Kunst heute , 1981

„Gott oder Geißel?-„

Eine Frage ohne Antwort
von Annelie Pohlen

Wie auch immer man Eros sehen will, eines ist gewiß, er ist der Rebell gegen das Hordendiktat der Gesellschaft. Aus diesem Konflikt bezieht der Künstler, Partner von Eros, seine schöpferische Kraft, um Anpassung zu verweigern, das Diktat der Gesellschaft zu überwinden.

Die für die Ausstellung und die folgende Dokumentation ausgewählten Künstler bieten keinen repräsentativen Überblick über alle heute möglichen Aspekte des Erotischen. Doch in den für jeden einzelnen aus dem ‚Gesetz‘ der persönlichen Wahrhaftigkeit ’notwendigerweise‘ anders gelagerten Schwerpunkten bündelt sich wie in einem Prisma exemplarisch der Geist des unbegrenzten schöpferischen Eros.

Das Bemühen, allen Einschränkungen zum Trotz durch die Auswahl gewissermaßen antithetischer Positionen eine Art übergreifender Spannung entstehen zu lassen, führte zu Gegenüberstellungen eines spielerisch-träumerischen Aspektes mit Arbeiten von Duane Michals und Juliao Sarmento und eines nun eben von den Wunden des Konsums und der Gewalt gezeichneten Eros in den Beiträgen von Ida Appelbroog, Günter Brus, Charly Banana, Astrid Klein, Ilona und Wolfgang Weber.

Die für die 70er Jahre entscheidende Auseinandersetzung mit dem Individuum – und hier natürlich mit dessen von gesellschaftlicher Normierung zu befreienden erotischen Energien – ist mit exemplarischen Beiträgen aus der Sicht von Künstlern und Künstlerinnen präsent. Dem utopisch-visionären Charakter dieser Beiträge, der in der Selbstfindung des Individuums implizierten Hoffnung auf die Veränderung der Gesellschaft, stehen die Arbeiten jüngerer Künstler gegenüber. Hier wird keineswegs der inzwischen eingeschliffenen Theorie von der Negierung jeglicher gesellschaftlicher Relevanz durch die Jüngeren gehuldigt. Im Gegenteil. Doch wird man die vornehmlich in die erotische Innenwelt des Subjektes eintauchende Chiffrensprache,…

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