Manfred Schmalriede
Konzeptkunst und Semiotik

Der Begriff „Konzeptkunst“ steht für eine Auffassung von Kunst, deren Charakter konzeptuell, begrifflich ist und der keineswegs beschränkt ist auf die Conceptual Art, einer Kunstrichtung, die sich in den sechziger Jahren in Amerika auszubreiten begann. Es geht daher auch nicht um eine kritische Bestandsaufnahme der Concept-Art, eher wird ein Faden aufgenommen, der in direkter Verbindung zu einer Kunstpraxis steht, die in einem sozialen Kontext wirksam ist.

Im folgenden werde ich zwei Aspekte herausarbeiten, die die Voraussetzung schaffen, die Concept-Art zum einen auf theoretischer Ebene mit der Semiotik in Beziehung zu setzen und zum ändern in ihr eine Möglichkeit zu sehen, Kunst im sozialen Kontext als sinnvoll zu erfahren.

Die Diskussion um die konzeptuellen Arbeiten von Joseph Kosuth, wie sie mit Mitgliedern der Art & Language-Gruppe in der Publikation seiner „Investigations“ geführt worden ist, zeigt exemplarisch, welche Schwierigkeiten und Mißverständnisse die theoretische Neuorientierung in der Kunst mit sich brachte.1 Überraschend ist die Tatsache, daß Mal Ramsden die frühen Arbeiten von Kosuth als in einer traditionellen Kunstauffassung stehend, beschreibt, in denen er lediglich den Keim der Idee von „Konzeptkunst“ erkennt.2 Ramsden folgert aus diesen Arbeiten: „Es war offenbar möglich, wahrscheinlich sogar notwendig, das „Objekt“ zu überwinden. Dies im Rahmen einer weiter gefaßten Vorstellung dessen, was „visuelle“ Kunst sein soll.“3

Kosuth formulierte 1970 selbst: „Diese Conceptual Art ist mithin eine Untersuchung, vorgenommen von Künstlern, die verstehen, daß künstlerische Tätigkeit nicht allein auf die Artikulation von Kunstaussagen beschränkt ist, sondern darüber hinaus in der Untersuchung sämtlicher (Kunst-) Aussagen und in deren Erörterung…


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von Manfred Schmalriede

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