Kritischer Optimismus
Exo-Evolution und Allahs Automaten
von Michael Hübl
Jakob/Jacopo de Chirico, Künstler und Kunstaktivist mit hohem Freiheitsanspruch und nicht minder ausgeprägtem Provokationspotenzial, hat sich zeitweise einer exklusiven Form des Mundraubs befleißigt. Im Habitus eines Gläubigen besuchte der Tiroler, der in München bei Günter Fruhtrunk studiert hatte, christliche Gottesdienste, schritt während der Eucharistiefeier vor zum Altar und ließ sich dort vom Priester eine Hostie in den Mund legen, die de Chirico nun aber nicht speisend und einspeichelnd dem körpereigenen Metabolismus zuführte, sondern, so rasch es ging, wieder aus dem Mund herausnahm. Das geweihte Teigplättchen diente dem Künstler als Material für seine Objekte, mit denen er unter anderem die Rituale der katholischen Kirche als Manipulationsfaktoren kritisch befragte. Indem er sich gleichsam das Allerheiligste aneignete, streifte der ästhetisch-politisch aktive Rebell nebenbei ein verschiedentlich auftauchendes Befremden, das in der Frage gipfelt, ob da nicht ein kannibalischer Akt vollzogen werde, wenn Christen den ‚„Leib des Herrn” inkorporieren.
Positiv gewendet könnte man sagen: Zumindest symbolisch ist den westlichen Gesellschaften der Verzehr von Elementen der eigenen Gattung nicht unvertraut. Insofern dürfte es BesucherInnen der Ausstellung Exo-Evolution nicht weiter irritieren, wenn ihnen dort Gelegenheit gegeben wird, Joghurt der Marke „Maya“ zu sich zu nehmen. Ein Exklusivprodukt, denn in Supermärkten ist „Maya“ nicht erhältlich. Mithin bestünde ein zusätzlicher Reiz, das Milcherzeugnis zu konsumieren, handelt es sich doch um eine Spezialität, deren Genuss nicht überall zu haben ist. Und doch gibt es immer wieder Vorbehalte, ein entschiedenes Zurückzucken. Das liegt daran, dass „Maja“ mit Hilfe eines sehr eigenen genetisch…
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