Titel: Globale · von Michael Hübl · S. 172
Titel: Globale , 2015

Schlosslichtspiele

Der visuelle Sound hyperdynamischer Metamorphosen

von Michael Hübl

Hat Friedrich Schiller nur eine alte psychologische Erkenntnis formuliert oder beschrieb er ein Grundprinzip modernen Marketings, als er 1793 im Achten Brief „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ feststellte, dass „der Weg zu dem Kopf durch das Herz muss geöffnet werden“? Zumindest folgte er Jean-Jacques Rousseau, der rund drei Jahrzehnte zuvor in seinem Roman „Julie ou la Nouvelle Héloïse“ konstatiert hatte: „Wenn es die Vernunft ist, die den Menschen ausmacht, so ist es die Empfindung, die ihn leitet.“ Peter Weibel hätte sich mithin auf zwei bedeutende Gewährsmänner berufen können, als er sich entschied, die GLOBALE mit einem sinnlich intensiven, gleichsam herzerwärmenden visuellen Angebot anzureichen. Unter dem Motto „Schlosslichtspiele“ wurden vom 20. Juni bis 26. August 2015 allabendlich nach Einbruch der Dunkelheit Video Mappings von Teams wie Maxin10sity mit 300 Fragments, Playmodes Studio mit Dazz oder Xenorama mit Oneironaut auf die barocke Hülle des (im Zweiten Weltkrieg ausgebombten und im Inneren modern gestalteten) Karlsruher Schlosses projiziert.

Technisch war das Unternehmen anspruchsvoll, denn es erforderte exakt austarierte Programmierungen, damit es bei den aus mehreren Abschnitten zusammengesetzten Projektionen zu keinen Überschneidungen kam. Meteorologisch war es begünstigt, denn das anhaltend freundliche Sommerwetter verlockte Tausende dazu, sich auf dem Platz vor dem einstigen Herrschersitz einzurichten und Arbeiten wie Reflections von Jesper Wachtmeister oder Noise3 von ruestungsschmie.de auf sich wirken zu lassen. Und atmosphärisch war die Veranstaltung schon deshalb ein Erfolg, weil sie beim allgemeinen Publikum die Sympathiewerte für die Globale insgesamt steigen ließ, von der sonst mancher vielleicht…

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