Ausstellungen: Berlin · von Hermann Pfütze · S. 302
Ausstellungen: Berlin , 2015

Hermann Pfütze

The Botticelli Renaissance

Gemäldegalerie Berlin, 24.9.2015 – 24.1.2016

Victoria and Albert Museum London, 5.3. – 3.7.2016

Die „Geburt der Venus“ aus Wind, Wellen und Wald von 1482/83 und das zwischen 1475 und 1487 entstandene, ähnlich große Breitformat der aus der Erdnymphe Chloris in die Frühlingsgöttin Flora verwandelten „Primavera“ gehören zu den im 19. und 20. Jahrhundert meistverwerteten Weiblichkeitsikonen der Renaissance, in Dekor und Kitsch nicht weniger als in der Kunst. Allerdings sind die beiden berühmten Ursprungsbilder selbst nicht zu sehen, weil sie aus den Uffizien in Florenz nicht ausgeliehen werden können. Deshalb vermittelt die Ausstellung auch nichts von der eng mit der Medici-Herrschaft verbundenen historischen und philosophischen Entstehungsgeschichte dieser zentralen Werke Botticellis, sondern setzt ein mit der 1490 gemalten Venus der Berliner Gemäldegalerie, die als reines Aktbild ohne Muschel, Meer, Flora und Zephyr aus dem Ursprungswerk herausgelöst ist. Es gibt mehrere Varianten dieser unberührbar anrührenden Venus pudica nach römischem Vorbild; die hier auch gezeigte Turiner Venus wirkt dabei dank des modischen Attributs eines hauchzarten Schleiers um Brüste und Schulter irdischer und historischer. Diese Venusbilder waren, so Lothar Müller in der SZ vom 24. 9. 2015, „Geschäfts-modell“ und „Markenkern“ der Werkstatt Botticellis und haben noch zu dessen Lebzeiten seinen Ruhm begründet als Maler „nackter Frauen, schöner als irgend etwas anderes“. (Vgl. Horst Bredekamp, Sandro Botticelli Primavera, Berlin 2002, S.21)

Das stimmt für diese Ausstellung in jedem Fall: Keines der dort versammelten Nachbilder kommt dem Vorbild auch nur als Abglanz nahe, erst recht nicht als zweite Renaissance, also Wiedergeburt der ersten, wie die Ausstellung…

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