Ausstellungen: Berlin , 2015

Michael Nungesser

Germaine Krull

»Fotografien«

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 15.10.2015 – 31.1.2016

Germaine Krull (1897-1985) zählt zu den Pionieren der Fotokunst der 20er Jahre. Schon früh in „Kleine Geschichte der Photographie“ von Walter Benjamin erwähnt, rühmt er sie neben Sander und Bloßfeldt als Vertreterin einer „schöpferischen“ Lichtbildkunst, die sich von medienfremden Bestimmungen emanzipiert. Krulls herausragende Bedeutung steht jedoch im Widerspruch zu ihrer Bekanntheit, obgleich der Nachlass im Museum Folkwang in Essen liegt und dort 1999/2000 eine Wanderausstellung organisiert wurde. Das Jeu de Paume in Paris – die Stadt, mit der Krull vor allem in Verbindung gebracht wird – hat sich ihr jüngst im Rahmen der von Direktorin Marta Gili geförderten Aufarbeitung von Biografie und Werk bedeutender Fotografinnen der Moderne gewidmet. Die Ausstellung, erarbeitet von dem Fotohistoriker Michel Frizot, ist nun in Zusammenarbeit mit Berliner Festspiele in Berlin zu sehen.

Das eingangs gezeigte, um 1928 entstandene Selbstporträt, lässt Krulls Gesicht fast ganz hinter ihrer geliebten Icarette verschwinden; was man vor allem sieht, sind neben dem Fotoapparat Hände und Zigarette – jene für Krull ein wichtiges Ausdrucksmedium, diese ein stets präsentes Symbol der neuen Zeit. Doch die Symbiose mit der Kamera war nicht absehbar. Krulls selbstbestimmtes, widersprüchliches, trotz (meist unveröffentlichter) autobiografischer Texte schwer durchschaubares Leben entbehrt jeder Geradlinigkeit. Geboren im damals deutschen Posen (ab 1919 Polen), wächst sie in verschiedenen Städten und Ländern auf. Das familiäre Leben besteht aus emotionalen Wechselbädern, geschuldet den exzentrischen Charakteren der Eltern (die Ehe wird 1912 geschieden). Eine erste Ausbildung erhält Krull in München an einer Fotofachschule, die schon seit 1905 auch Frauen aufnimmt….

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von Michael Nungesser

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