Titel: Kunst als sozialer Prozess · von Astrid Wick-Kmoch · S. 125
Titel: Kunst als sozialer Prozess , 1978

Astrid Wick-Kmoch

Kunst + Systemtheorie + Sozialwissenschaften

Zu den Arbeiten von Hans Haacke

Haacke gehört zweifellos zu jenen Künstlern, die in ihren Werken schon relativ früh soziale und politische Bedingungen mit sozialwissenschaftlichen Methoden analysiert haben, insbesondere auch Bedingungen von Künstlern innerhalb des Kunstsystems und innerhalb der Gesellschaft. In seinen Arbeiten versucht er, Machtverhältnisse, d.h. politische, soziale und kulturelle Einflußprozesse, ins Blickfeld zu rücken.

Sowohl die Beschäftigung mit diesem genuin sozialen und kunstsoziologischen Gegenstand als auch der Einsatz quasisoziologischer Methoden qualifizieren Haacke dazu, „soziologische“ Kunst zu schaffen.

Grundkonstanten seines Oeuvres lassen sich im Prinzip des Ready-Made, im Konzept der „Real-Zeit“ und – last not least – in einer systemtheoretischen Konzeption sehen. Der Schwerpunkt der Darstellung soll in diesem Aufsatz auf dem Systemansatz liegen.

Bei seinen frühen Arbeiten mit Wasser, Nebel, Eis usw. gelangte Haacke durch die Erkenntnis, daß die Artikulation von Bewegung in ihrer Richtung immer wieder durch materiale Beschränkungen und physikalische Bewegungsgesetze modifiziert wird und daß dieses Problem nicht durch Verleugnung der sich auftuenden Barrieren, sondern vielmehr gerade durch deren Adaption in die Arbeiten gelöst werden kann, dazu, das Prinzip des ,Ready-Made‘ in seine Kunst einzubeziehen.

„Nur die strenge Befolgung dieser (Bewegungsgesetze) gewährleistet ein richtiges Funktionieren. Daher ist es nicht nur ratsam, sie nicht zu mißachten, vielmehr ist es äußerst wichtig, sie zu studieren und sie für die eigenen Zwecke auszunützen. Wenn es fruchtlos ist, sie zu bekämpfen, sollte man sich mit ihnen verbünden. Man lasse sie eben zu der Sache werden, aus der die Arbeit besteht. Wie simpel das einzelne Stück auch sein mag, es hat…

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