Von biblischen Nackten zu Selfies
Eine Entwicklungsgeschichte des Feminismus im Kontext der Kunst
Von Oliver Zybok
Es geht darum, gemeinsam Veränderungen herbeizuführen, nicht gegeneinander.
I. IM LABYRINTH DER BEGRIFFLICHKEITEN
Über den Feminismus zu sprechen, gestaltet sich nicht einfach, denn wie bei vielen Ideologien beziehungsweise sozialen Bewegungen gibt es nicht nur den einen Oberbegriff, unter dem alles subsumiert wird, sondern eine Vielzahl von Unterformationen. Sie verfolgen zwar ein ähnliches Ziel, versuchen dieses jedoch auf zum Teil erheblich voneinander abweichenden Wegen zu erreichen. Es gibt zum Beispiel den liberalen, radikalen, spirituellen, psychoanalytisch orientieren und dekonstruktivistischen Feminismus oder den Gleichheits-, Individual- und Queerfeminismus.
Historisch betrachtet spricht man von vier Wellen des Feminismus, die auf unterschiedlichen, sich vereinzelt erheblich widersprechenden Sichtweisen beziehungsweise Erfahrungswerten gründen. Die erste Welle bahnte sich ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts an und reicht bis in die 1920er-Jahre, die zweite Welle kennzeichnet die Auseinandersetzungen im Zuge der 68er-Bewegungen, die 1990er-Jahre markieren den Beginn der dritten Welle und die vierte Welle schließlich begann mit dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Letztere wird vor allem von den sogenannten Millennials und ihren Aktivitäten im Internet geprägt. Der Feminismus, zumindest in der westlichen Hemisphäre, ist eine Ideologie und Lebenshaltung, bei der sich Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen aktiv gegen gesellschaftliche Strukturen auflehnen, die für Diskriminierungen von Frauen aufgrund ihres biologischen und sozialen Geschlechts ausschlaggebend sind. Feministinnen geht es zunächst um die Erkenntnis von Unterdrückungsmechanismen, um sie dann in einem nächsten Schritt zu überwinden. Dabei werden Veränderungen auf drei Ebenen angestrebt:
1. Es gilt, die gesellschaftliche Diskriminierung der Frau zu beenden.
2. Die…
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