Titel: Die vierte Welle!? ,

Lächle doch mal!

Körperbilder im Patriarchat

von Rosa Windt

SEXISMUS IM VERHÄLTNIS ZUR REALITÄT

Als Initiative gegen Sexismus und Geschlechter-Marketing in den Medien wurde 2012 der Verein Pinkstinks gegründet und prämiert diesjährig erstmalig in Deutschland solche Werbung als fortschrittlich, die stereotype und heteronormative Rollenbilder aufbricht und geschlechterneutrale Aussagen entgegensetzt. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesfamilienministerium kann seit 2017 über die angeschlossene Onlineplattform www.werbemelder.in vermeintlich sexistische Werbung artikuliert und als Beschwerde an den deutschen Werberat weitergeleitet werden. Ihre Beurteilung stützen Pinkstinks dabei auf die von Berit Völzmann erarbeiteten juristischen Kriterien, die gleichsam dem deutschen Justizministerium als Grundlage für ein zu erarbeitendes Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung dienen. Kritisiert wird insbesondere eine anhaltende Objektivierung des weiblichen Körpers in den Medien, der ohne Produktbezug, allein auf eine sexualisierte Zurschaustellung abzielt. Bis zu ihrer Blockierung erlangten Pinkstinks in den Sozialen Netzwerken große Resonanz mit einem Video, das den Hashtag #NotHeidisGirl der feministischen Gruppierung Vulvarines aufgreift und sich gegen die in Heidi Klums TV-Sendung Germanys Next Topmodel progargierten Frauenbilder richtet.

Die mediale Verbreitung stereotyper Männlichkeitsbilder wird von Pinkstinks gleichermaßen thematisiert. Jedoch wird an diesem Punkt eine gesellschaftlich determinierte Reproduktion von Rollenbildern und deren teils widersprüchliche Bewertung eklatant: Während ein Bild von einer anzüglich posierenden Frau neben einer Pfostenramme mit dem Slogan „Wie rammst du ihn rein?“ als „sexistisch“ und direkte Anspielung auf sexuelle Gewalt eingestuft und gemeldet wurde, erreicht die Werbung eines Möbelhauses, die einen Mann mit nacktem Oberkörper in einem Bett, mit der Überschrift „Wir liefern. Aber nur das Bett.“, die Kategorie „sexistisch“ nicht. Pinkstinks Gründerin und Genderforscherin Stevie Schmiedel argumentiert:…

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